Postkoloniale Kritik der Verhaltensökonomik

Myriam Kaskel, Steffen Haag & Manyakhalé Diawara
Exploring Economics, 2020
Niveau: expert
Perspective: Économie comportementale
Sujet: Microéconomie & marchés
Format: Essay

Photo by Joeyy Lee on Unsplash

Dieser Essay ist im Rahmen der Schreibwerkstatt "Varieties of Mainstream Economics?", einer Kooperation zwischen der Cusanus Hochschule und Exploring Economics entstanden. Weitere Informationen und Essays zu der Thematik findet Ihr hier.


Postkoloniale Kritik der Verhaltensökonomik

Autor:innen: Myriam Kaskel, Steffen Haag & Manyakhalé Diawara

Review: Prof. Dr. Aram Ziai, Universität Kassel

Die Disziplin der Wirtschaftswissenschaften nutzt im Bereich der Verhaltensökonomik häufig experimentelle Spiele, um das menschliche Verhalten zu untersuchen, wie z.B. das Diktatorspiel. Mithilfe postkolonialer Analysemethoden untersucht dieser Essay am Beispiel eines bekannten Aufsatzes der Verhaltensökonomik von Henrich et al. 2001 zu indigenen Gemeinschaften, wie Wissen über menschliches Verhalten in wirtschaftlichen Kontexten konstruiert und kategorisiert wird. Wir analysieren welche normative Vorannahmen und Schlussfolgerungen über Rationalität und wirtschaftliches Handeln mit einer scheinbar neutralen Wissenschaftssprache transportiert werden, wenn wissenschaftliche Untersuchungen über ontologische und epistemologische Positionen ihrer Forschungsperspektive schweigen.

 

1. Einleitung 

Was haben sich die postkolonialen Studien und die Ökonomik zu sagen? In den wenigsten wissenschaftlichen Fachbereichen werden sie in einem Atemzug genannt. Auch Forschung an dieser Schnittstelle ist rar gesät. Um einen Beitrag zu dieser Forschungslücke zu leisten, denkt dieser Essay beide Denkschulen zusammen. Die Kluft zwischen den Disziplinen ist nicht verwunderlich, bedenkt man, dass die postkoloniale Schule den Literatur- und Kulturwissenschaften entspringt und die Ökonomik sich zu einer Wissenschaft entwickelt hat, die sich der Suche nach „Gesetzen“ verpflichtet, während sie gleichzeitig „Diktator- und Ultimatumspiele“ als neutrale Untersuchungsmethoden einschätzt1:

„Gegenstand der Wirtschaftswissenschaften ist die Erforschung von Gesetzmäßigkeiten in der Wirtschaft. Unter Wirtschaft wird der rationale Umgang mit knappen Gütern (Gut) verstanden. Güter sind sowohl reale Güter als auch Dienstleistungen, die zur Befriedigung menschlichen Bedarfs dienen. Ist der Vorrat an Gütern hinreichend, um den gesamten darauf gerichteten Bedarf stets zu befriedigen, dann handelt es sich um freie Güter. Übersteigt dagegen der Bedarf den Vorrat an Gütern oder Dienstleistungen, dann wird von knappen Gütern und Dienstleistungen gesprochen. Dabei kann es sich um private oder öffentliche Güter handeln. Nur diese bilden den Gegenstand der Wirtschaftswissenschaften. Ein Anliegen der Wirtschaftswissenschaften ist demnach die Erforschung wirtschaftlicher Erscheinungen und ihrer Zusammenhänge bei der Verteilung der knappen Güter auf die einzelnen Individuen und Gemeinschaften sowie der Auswirkungen historischer Verteilungen auf die Gegenwart. Ein zweites Anliegen der Wirtschaftswissenschaften betrifft die Analyse der Ziele und Mittel zur Gestaltung wirtschaftlicher Prozesse und Strukturen.“2

Insbesondere durch den Einfluss des 2.Weltkriegs hat die moderne Ökonomik bis heute spürbare Entwicklungen durchlaufen (Beckenbach et al. 2016). So spiegeln sich die charakteristischen Merkmale der paradigmatischen neoklassischen Ökonomik auch in der zitierten Definition des Gabler-Wirtschaftslexikons wider. Sie stellt in internationalen Organisationen, in der Politik sowie in Forschung und Lehre die Norm dar. Diese Wirtschaftsschule beruht auf den methodologischen Individualismus und nutzt Ansätze wie die Untersuchung von Interaktionen zwischen Marktakteuren stets in Hinblick auf erstrebenswerte Gleichgewichte (ebd.).

Auch in akademischen Zeitschriften und anderen Publikationen fehlen Querverbindungen zwischen beiden Denkschulen. Lediglich vereinzelte Werke widmen sich dem Unterfangen, einen Dialog zwischen postkolonialem Wissen und ökonomischen Zusammenhängen zu versuchen (Charusheela und Zein-Elabdin 2004; Kayatekin 2009; Pollard, McEwan und Hughes 2011). Wir denken dennoch, dass ein Aufeinandertreffen beider Denkweisen fruchtbar sein kann und wagen das Unterfangen, eine postkoloniale Kritik und ökonomische Analyse in einen konstruktiven Dialog zu bringen. Das Vorhaben ist deshalb interessant, weil die Überwindung der scheinbaren Kluft zwischen den Disziplinen Normen hinterfragen, blinde Flecken und Komplementaritäten aufdecken und neue Erkenntnisse ermöglichen kann. Anders gesagt denken wir, dass die Berücksichtigung von Machtaspekten und Geschichte der Ökonomik zugutekommt, und die verstärkte Betrachtung ökonomischer Aspekte der postkolonialen Perspektive. Dies gilt umso mehr, wird bedacht, dass die historischen Wurzeln der Nationalökonomie als Vorläuferin der Volkswirtschaftslehre im Höhepunkt des kolonialen Zeitalters zu finden sind. Nicht zuletzt schlägt dieser theoretische Beitrag eine Brücke zwischen den postkolonialen Studien und der Ökonomik. Wir konzentrieren uns dabei auf die Verhaltensökonomik, weil in diesem Feld schon erste spannende Schritte gegangen wurden, den universellen, ahistorischen und "neutralen" Charakter der neoklassischen Ökonomik in Frage zu stellen. 

Die Verhaltensökonomik als Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften betrachtet "wirtschaftliches Handeln" mit Hilfe von Erkenntnissen über menschliches Handeln aus der Psychologie. Innerhalb des Feldes herrscht jedoch eine weite Spannbreite bezüglich grundsätzlicher Annahmen zu menschlichem Verhalten, Handeln und den zugehörigen psychischen Prozessen. Grob unterschieden werden kann hier in die sogenannten "new" und "old behavioral economics" (Sent 2004). Erstere stellen das atomistische Modell des nutzenmaximierenden, egoistischen und vollinformierten und Homo oeconomicus nicht infrage, sondern analysieren davon ausgehend Abweichungen von dessen gewinnmaximierenden Verhalten anhand von sogenannten handlungsverzerrenden "biases" oder "framing"-Effekten. Prominent hierfür stehen beispielsweise Untersuchungen von Bolton und Ockenfels (2000) oder Kahnemann und Tversky (1979, 1981) (Überblick auf Exploring Economics). Die zweite Richtung, die sogenannte Schule der „old behavioral economics“ forscht mittels eines anderen Rationalitätsverständnisses. Hierbei wird menschliches Handeln unter den Annahmen unvollständiger Information, imperfekter Situationsanalyse und möglichen inkonsistenten Entscheidungen grundsätzlich als beschränkt und prozedural rational angesehen. Als prominenter Vordenker und Vertreter dieses Denkansatzes gilt Herbert Simon (1955) und verhaltensökonomische Forschung in der Tradition der Carnegie School (ebd.).

Die postkoloniale Perspektive hingegen, mit welcher der Beitrag aus dem Bereich der Verhaltensökonomik untersucht wird, richtet den Fokus darauf, wie koloniale Denkmuster - auch in der Ökonomik - fortbestehen. Sie stellt Auswirkungen asymmetrischer Machtkonstellationen in der postkolonialen Welt fest. In diesem Sinne untersucht dieses Essay, inwiefern koloniale Denkmuster in der aktuellen ökonomischen Forschungspraxis vorhanden sind. Als Fallbeispiel dient uns die Forschungsarbeit von Henrich et al. (2001), die auf Basis von weltweit durchgeführten Experimenten ein orthodoxes homo-oeconomicus-Verständnis teilweise in Frage stellt. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass alltägliche ökonomische Entscheidungen nicht ausschließlich mit Homines oeconomici erklärbar sind. Diesen Beitrag, der bei seiner Veröffentlichung Aufsehen in der Verhaltensökonomik erregte, nehmen wir als Gegenstand unserer Analyse, um zu fragen, welche Erkenntnisse uns die postkoloniale Perspektive eröffnet. Das dabei verfolgte Ziel liegt nicht in der Verwerfung verhaltensökonomischer Forschung, sondern im Erkenntnisgewinn der durch postkoloniale Fragestellungen eröffneten Perspektiven auf Forschungsarbeiten, die in der universitären Lehre3 als Meilensteine verstanden werden und zum Kanon der Verhaltensökonomik gehören. Der Kanon der Wirtschaftswissenschaft in Deutschland ist in einer umfassenden Studie im Jahr 2016 untersucht worden. Hauptergebnisse der Untersuchung waren in Bezug auf unsere Essayfrage, dass ein Teil der Lehrenden gerne eine größere Theorievielfalt unterrichten würde und alle Lehrenden die Einbeziehung der Nachbardisziplinen sehr wichtig finden, ein Umsetzen dieser Einstellung in der Lehrpraxis jedoch aus verschiedenen Gründen nicht stattfindet (Beckenbach et al. 2016).

Wir wollen Leerstellen aufdecken, die bisher in scheinbar neutralen Forschungsdesigns verborgen geblieben sind, um Forschung historisch zu verorten. Konzeptionelle Kritik zur Eignung der in der Studie verwendeten Spiele stellt nicht das Hauptaugenmerk dieses Textes dar. Der folgende Abschnitt stellt in einer Inhaltsanalyse das Forschungsprogramm von Henrich et al. vor, wobei nach einer Kritik des darin enthaltenen Wissenschaftsverständnisses die hier vertretene epistemische Perspektive vorgestellt wird. Daran schließt sich die Analyse der Vorgehensweise mittels postkolonialer Analysekategorien an, bevor wir eine ausgewogene Kritik des untersuchten Forschungsprojekts vornehmen und Hinweise und Ausblicke für eine postkolonial informierte verhaltensökonomische Forschung vorschlagen.

2. Zusammenfassung und Wissenschaftsverständnis

2.1 Zusammenfassung des Papers

Der von uns untersuchte Forschungsbeitrag wurde 2001 unter dem Titel „In Search of Homo Economicus: Behavioral Experiments in 15 Small-Scale Societies“ in der Zeitschrift American Economics Association Papers and Proceedings veröffentlicht von den Autoren Joseph Henrich, Robert Boyd, Samuel Bowles, Colin Camerer, Ernst Fehr, Herbert Gintis und Richard Mcelreath. Eine ausführlichere Version folgte im Jahr 2005 in der Zeitschrift Behavioral and Brain Sciences unter dem Titel „,Economic man‘ in cross-cultural perspective: Behavioral experiments in 15 small-scale societies“.

Die Autoren begründen ihr Erkenntnisinteresse mit jüngeren Forschungsergebnissen zum ökonomischen Verhalten von Menschen, die zunehmend vom Homo-oeconomicus-Modell abweichen, das sie im Textverlauf als das „kanonische Modell“ definieren. Sollten sich diese Diskrepanzen als Standardabweichungen erweisen, hätte dies ihrer Ansicht nach wichtige Implikationen für weite Teile des wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsbereichs, wie z.B. das optimale Design von Institutionen und Verträgen, die Verteilung von Eigentumsrechten oder die Bedingungen für erfolgreiches kollektives Verhalten. Ihre dazugehörigen Forschungsfragen lauten daran anschließend: Sind Abweichungen vom Standardmodell eine Evidenz universeller Verhaltensmuster oder prägt die ökonomische und soziale Umgebung das menschliche Verhalten? Sollte zweiteres zutreffen: welche sozialen und ökonomischen Faktoren sind hier ausschlaggebend? Ist reziprokes Verhalten besser erklärt durch Gruppenattribute oder durch individuelle wie Alter, Geschlecht oder relativen Wohlstand? Gibt es Kulturen, die sich an das kanonische Modell des eigennützigen Verhaltens annähern? Diese Fragen könnten ihrer Meinung nach nur beantwortet werden, wenn die Gruppe der untersuchten „Subjekte” heterogener gestaltet würde, da bisher immer nur Universitätsstudierende untersucht worden wären. Dass die untersuchten Studierenden immer in westlichen kapitalistischen Ökonomien sozialisiert wurden bleibt unerwähnt. Als Methode werden die gleichen Spiele wie die Universitätsstudierenden, nämlich Diktator- und Ultimatumspiele sowie das öffentliche-Güter-Spiel durchlaufen. Folglich wurden in 12 Ländern auf 5 Kontinenten Untersuchungsteilnehmer*innen aus 15 sogenannten kleinen Gesellschaften rekrutiert. Als Ergebnis halten die Forscher fünf Schlussfolgerungen fest: Erstens könne in keiner der Gesellschaften das althergebrachte Modell empirisch gestützt werden. Zweitens sei eine größere Variabilität in den Experimenten gefunden worden, als in den bisherigen Untersuchungen und es gäbe breiter gefächerte Abweichungen als bisher gezeigt. Drittens könnten die Gruppenunterschiede in Bezug auf die ökonomische Organisation und den Grad der Marktintegration einen großen Anteil dieser Variabilität erklären. Viertens könnten weder individuelle Variablen noch demographische Variablen Verhalten in oder über Gruppen hinaus erklären. Fünftens sei das Verhalten in den Experimenten konsistent mit den ökonomischen Mustern des Alltagslebens in diesen Gesellschaften. Trotz dieser Schlussfolgerungen halten sie weiterhin am Konzept des „rationalen“ Akteurs fest.

2.2 Wissenschaftsverständnis bei Henrich et al.

Die Forschung von Henrich et al. reiht sich in den Bereich der new behavioral economics ein. Die Forschung lässt sich darin verorten, da sie die Rolle von Eigeninteresse in wirtschaftlichem Handeln mittels verhaltensökonomischer Experimente in verschiedenen Regionen der Welt untersuchen wollen. Sie unterstellen damit die universelle Anwendbarkeit ihrer Methoden. Damit verbunden ist die Datenerhebung für die Experimente: das Spiel Gefangenendilemma, das Diktator-Spiel und das sogenannte common goods-Spiel. Sie bezweifeln die Eignung dieser Instrumente zur Beantwortung ihrer Forschungsfrage nicht, sondern geben lediglich an, Maßnahmen getroffen zu haben, falls das Spiel nicht verstanden wurde. So werden Mitspielende, die das Spiel scheinbar nicht verstehen nicht berücksichtigt, ohne dass dabei erklärt wird, wie sich scheinbares nicht-Verständnis genau charakterisieren und verifizieren lässt (Henrich et al. 2001, 74). Darüber hinaus weisen sie darauf hin, dass zu diesen Spielen Untersuchungen in großer Zahl vorliegen, was ihnen als Rechtfertigung für ihr eigenes Vorgehen dient. Aus dem Text heraus wirkt ihr Vorgehen in der Selbstbeschreibung zunächst neutral und universell anwendbar. Aus ihrer Sicht betreiben sie objektive Wissenschaft mit neutralem Standpunkt deren gesellschaftliche Einbettung keiner Berücksichtigung bedarf, da sie die ökonomische Sphäre von der sozialen getrennt betrachtet. Dies begründen sie mit dem Argument, dass die Experimente bisher hauptsächlich mit Studierenden erfolgt seien: 

"This research, however, cannot determine whether uniformity results from universal patterns of human behavior or from the limited cultural variations among the university students used in virtually all prior experimental work. To address this, we undertook a cross-cultural study of behavior in ultimatum, public goods, and dictator games in a range of small-scale societies exhibiting a wide variety of economic and cultural conditions." (Henrich et al. 2005, 795)

Hierbei setzen sie ein ahistorisches und positivistisches Verständnis von Wissenschaft an, da sie mit scheinbar neutralen Experimenten und Datenerhebung die unterschiedlichen sozialen Realitäten der „indigenen“ Gruppen erforschen (Henrich et al. 2001, 73). Dies tun sie mit einem verborgenen universalistischen Anspruch, da sie den Stand der „Entwicklung“4 der Gesellschaften anhand von Kategorien beschreiben, die ihren Ursprung in industriellen kapitalistischen Ökonomien haben, wie z.B. Marktintegration (ebd.). Dieses Wissenschaftsverständnis lässt sich unter Bezugnahme auf eine poststrukturalistische Epistemologie aus postkolonialer Perspektive kritisieren (Charusheela 2004, Franzki und Aikins 2012, 10; Zein-Elabdin 2009, 1161). Diese Perspektive stellt in Frage, dass sich soziale Realitäten objektiv und neutral beschreiben lassen. Vielmehr sind demnach Forschungsmethoden ein Teil davon, wie die Wirklichkeit konstruiert und wahrgenommen wird. Dies bedeutet, die eigene soziale Verortung beeinflusst, wie wir Forschung betreiben und diese Perspektive kann nicht ohne weiteres abgelegt werden. 

Die Forschungsgruppe um Henrich thematisiert und problematisiert die Situiertheit des positivistischen Wissenschaftsverständnisses der Wirtschaftswissenschaften und deren Implikationen nicht (siehe Boerger 2016). So weisen Begriffe wie "wage" (Henrich et al. 2001, 73, 74) oder "pay-off" (ebd. 73, 74, 76, 77) eine neoklassische Konzeption auf, die universelle Gültigkeit beansprucht. Darüber hinaus nutzen Henrich et al. das ebenfalls neoklassische Verständnis von Marktintegration als unilateral festgelegte vorgeblich neutrale Achse anhand derer sie dann die ökonomischen Tätigkeiten der „indigenen“ Gruppen einstufen, um Gruppentests durchzuführen. Doch diese Achse impliziert einen kapitalistischen Fortschrittsglauben und sozio-ökonomische Entwicklungsstufen (vgl. Rostow 1960). Beide Konzepte sind normativ, historisch und sozial situiert und daher nicht geeignet um den Grad an "fortschrittlichem wirtschaftlichen Handeln" der „indigenen“ Gruppen universell und neutral zu messen. In ihrer Diskussion am Ende des Artikels bezeichnen die Autoren kapitalistische Ökonomien als „advanced economies“ (Henrich et al. 2001, 77). Somit bleibt der gesellschaftliche Kontext westlicher Industriestaaten als unhinterfragte Norm verborgen, nicht reflektiert und damit nicht problematisiert. Diese Problematisierung wollen wir im Folgenden vornehmen. Dafür müssen wir jedoch zunächst im anschließenden Abschnitt Auskunft darüber geben, welchem Wissenschaftsverständnis wir folgen, um nicht die gleiche Leerstelle zu bedienen, wie der untersuchte Forschungsbeitrag.

2.3 Postkoloniales Wissenschaftsverständnis 

In Einklang mit einem postkolonialen Wissenschaftsverständnis möchten wir die Ökonomik (aus altgriechisch, οἶκος (oikos), deutsch „Hauswesen, Haushalt“; νόμος (nomos) „Gesetz, Brauch, Verfahren“, oikonomia etwa „Haushaltung, Verwaltung“) als Teildisziplin der Sozialwissenschaften behandeln, da sie sich mit Entscheidungen sozialer Entitäten befasst. Andere Teile der Sozialwissenschaften, insbesondere die Politikwissenschaften, kamen mit der postkolonialen Kritik bereits in Kontakt (Ziai 2016). Eine hierarchische Anordnung verschiedener Gesellschaftsstrukturen ist laut der postkolonialen Kritik der westlichen Historiographie immanent, da der "entwickelte Westen" als scheinbarer Maßstab an andere Gesellschaften als dem "Anderen" oder dem "zu entwickelnden Rest" herangetragen wird (Hall 1996). So zeichnet Raewyn Connell (vgl. 2006, 237) die Auswirkungen metropolitaner wissenschaftlicher Perspektiven in theoretischen Strategien, Zeit- und Geschichtsauffassungen, Agency-Modellen, Vorstellungen von Moderne und anderen zentralen Merkmalen ihrer Theoretisierung nach. Dabei identifiziert sie vier Kriterien für nördliche Gesellschaftstheorie: der Anspruch auf Universalität, das Lesen aus dem Zentrum, Gesten des Ausschlusses und die Ausradierung anderer Epistemologien (ebd.). Die Auswirkungen dieser Merkmale zeigt dieser Essay in der Verhaltensökonomik auf. Auch die Arbeitsteilung zwischen Disziplinen, ist kritisch zu hinterfragen: Soziologie und Politikwissenschaft waren und sind hauptsächlich mit der Analyse der "modernen westlichen" Gesellschaft beauftragt (gewesen), wohingegen Anthropologie, Regionalstudien und Entwicklungssoziologie den "unterentwickelten Rest der Welt" als Forschungsgegenstand betrachten. So befasst sich auch die Volkskunde/europäische Ethnologie mit Europa und die Völkerkunde/Ethnologie mit dem „Rest der Welt“ (vgl. Kohl 2012). Hierbei sind zwei kritische Hinweise notwendig. Erstens müssen Entwicklungen in kolonisierenden Gesellschaften vor dem Hintergrund der kolonialen Begegnung betrachtet werden und zweitens ist sozialwissenschaftliches Vokabular mittels eines eurozentrischen Weltbildes entstanden, dessen Dekolonisierung Blindstellen sichtbar machen kann (Franzki/Aikins 2010). Weiterführend zur Eurozentrismuskritik und der Dekolonisierung der Sozialwissenschaften sind z.B. die Beiträge der "Grupo Modernidad/Colonialidad", einer Gruppe lateinamerikanischer Sozialwissenschaftler*innen (z.B. Pachón Soto 2000, Dussel 1994 & 2002, Mignolo 2005). Erwähnenswert ist auch die Kritik von Rivera Cusicanqui (2012) an der Rolle Mignolos (2002) in der Trennung zwischen dekolonialer Theorie und Praxis, die eine Kooptierung dekolonialer Diskurse durch die westliche akademische Welt verursacht.

Für uns als interdisziplinäre Gruppe erscheint eine Verortung und Transparenz unseres Wissenschaftsverständnisses notwendig, da eine entscheidende Behauptung "moderner westlicher" Wissenschaft – nämlich sich als neutral zu verstehen – uns aufgrund der zwei oben genannten kritischen Hinweise unmöglich erscheint. Wir bezweifeln die Wertfreiheit einer vorgeblich objektiven und von sozialen Parametern unabhängigen - also universell gültigen - verhaltensökonomische Forschung, wie sie bei Henrich et al. impliziert wird. Dies beginnt bereits bei den Implikationen der genutzten Konzepte, wie z.B. „Lohn“ oder „Markt“ (Chakrabarty 2011) als scheinbar neutrale Begriffe. Hierzu setzen wir eine poststrukturalistische und postkolonial-dekonstruktivistische Brille auf. Poststrukturalistisch bezeichnet hierbei die Auffassung, dass auch mittels sprachlicher Performativität Realität aktiv konstruiert und somit auf eine spezifische Auslegung, wie sie in der Erzählung und Beschreibung von Tatsachen etc. implizit angenommen, erst hergestellt wird (Münker & Roesler 2016, XIII). Nutzen werden wir dabei im folgenden Abschnitt 3 den Analyserahmen, den uns die Operationsmodi postkolonialer Kritik ermöglichen, um mit dem Text von Henrich et al. in Austausch zu treten und dessen scheinbar neutrale Methode zu erhellen, den normativen Charakter deutlich zu machen und die vorgebliche Objektivität zu hinterfragen. Wir verstehen uns selbst als eine deliberative Gruppe gleichberechtigter Mitglieder in einem Machtgeflecht von Gesellschaft und Wissenschaft und den Kontinuitäten vergangener Zeit. Wir finden uns zusammen als eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema postkolonialer Kritik in der Ökonomik beschäftigen möchte. Nicht von einem scheinbar neutralen und erhabenen Stand aus hinaus und hinab auf die Welt blickend, sondern wir richten den Blick geleitet von unserem Erkenntnisinteresse auf uns und wie wir vorgehen und gleichzeitig auf den "Untersuchungsgegenstand", versuchen also eine Beobachtung der Beobachtung mittels klarer Angabe, von welcher Perspektive und von welchem Standpunkt aus wir beobachten. 

3. Analyse 

3.1 Analysekategorien

Bevor wir uns der Forschung von Henrich et al. aus einer postkolonialen Perspektive widmen, wollen wir diese Perspektive hier kurz umreißen. „Postkolonial“ bezieht sich nicht auf alle Forschungsarbeiten, die zeitlich nach Ende der formalen kolonialen Verwaltung angesiedelt sind, sondern auf ein interdisziplinär angesiedeltes Forschungsfeld mit den Kontinuitäten des Kolonialismus als Untersuchungsgegenstand. Die Herausbildung der „Postcolonial Studies“ als Disziplin begann in den 1980er Jahren und hat ihren Ursprung in den Literaturwissenschaften (Ziai 2012, 293). Nach Zein Elabdin umfasst die postkoloniale Agenda drei Problematiken: die Zurückweisung von kultureller Herrschaft, die Wiedergewinnung subalterner Artikulation und das Verständnis von Postkolonialität als hybride Bedingung (Elabdin 2011, 44). Die postkolonialen Studien nehmen den Kolonialismus als Ausgangspunkt ihrer Analyse und fragen, inwiefern Repräsentationen, Identitäten und materielle Praxis nach Ende der formellen staatlichen Kolonisierung noch durch diese geprägt sind (Ziai 2016, 36). Diese Perspektive einzunehmen bedeutet davon auszugehen, dass sich bestimmte Denk- und Handlungsmuster seit dem Kolonialismus weiterhin durchsetzen und sich sowohl in der Wissenschaft, der Wirtschaft und allen gesellschaftlichen Bereichen wiederfinden lassen. Wenn wir nun diesen Ansatz heranziehen bedeutet dies, danach zu fragen, inwiefern sich bestimmte Denkmuster, Praxen und Vorstellungen, die ihren Ursprung im kolonialen Denken haben, in der verhaltensökonomischen Forschungspraxis wiederfinden lassen und wie letztere dadurch beeinflusst wird.

Des Weiteren ist festzuhalten, dass die postkolonialen Studien zu einem komplexen, diversen und zum Teil widersprüchlichen Feld gewachsen sind. Diesem können wir nicht gerecht werden da es schwierig ist, die Bandbreite an Arbeiten unter dem Schirm der postkolonialen Studien auf einen einzelnen theoretisch-analytisch konsistenten Ansatz zu reduzieren (Kerner 2012, 10). Wir konzentrieren uns daher auf die relevantesten Perspektiven in diesem Feld. Eng verbunden mit den postkolonialen Studien sind Autor*innen wie Edward Said, Gayatri Spivak, Dipesh Chakrabarty und deren Konzeptionen von othering, Subalternität und Provinzialisierung Europas. Wir nehmen diese drei Kategorien zur Hilfe, um die Forschung von Henrich et al. kritisch unter die Lupe zu nehmen.

3.2 Othering

Othering dient dazu gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse analytisch fassbar zu machen. Othering wirkt durch die Konstruktion eines „Anderen“, dem Eigenschaften zugeschrieben werden, die denjenigen der eigenen Gruppe notwendigerweise gegenüberstehen. Diese Eigenschaften werden somit für die Genese der abzugrenzenden Gruppe notwendig und bilden einen Essentialismus. Ganze Gesellschaften können so als rückständig, minderwertig, passiv und untergeordnet konstruiert werden, um Handlungen der eigenen Zugehörigkeit zu legitimieren, die auf deren vermeintlicher Überlegenheit beruhen. Diese Formen von othering (übersetzt etwa „VerAnderung“, Reuter 2002, 20) stehen zentral für koloniale Diskurse mit denen Unterdrückung, Erniedrigung und Ausbeutung legitimiert werden (Loomba 1998, 104). 

Dieses Konzept, nun angewendet auf die Arbeiten von Henrich et al., ermöglicht Rückschlüsse darüber zu ziehen, wie die Durchführung ihrer Forschung und die zugrundeliegenden Annahmen über die beforschten Gruppen durchzogen sind von Denkformen, die wir als othering kennzeichnen. Dies zeigt sich zunächst in der Zusammenstellung der Stichproben. Während der theoretische Unterbau – der Homo oeconomicus – die Norm darstellt, soll mit der Auswahl der Stichprobe die Abweichung zu dieser vermeintlichen universellen Norm gemessen werden. Zwar stellen sie fest, dass die angenommene universelle Gültigkeit eingeschränkt werden muss, nehmen aber keinen Abstand von der Anwendung dieses auf othering beruhenden Modells (Henrich et al. 2001, 77). Sie messen demnach die Verhaltensabweichungen anhand sogenannter „small scale societies“ oder „simple societies [sic]“ (Henrich et al. 2001, 73). Obwohl scheinbar neutral beschrieben, versteckt sich hinter dieser Darstellung der Gesellschaften, die stark vereinfachte Beschreibung sozial nicht-westlich strukturierter Gemeinschaften, deren Wirtschaft vermeintlich auf Jagen und Fischen basiert (ebd. 76). Sie suggeriert ein statisches Verständnis abgeschirmter „indigener“ Gesellschaften mit einer niedrigen Einwohnerzahl, die abgeschnitten von der „westlichen Zivilisation“ leben. Die beforschten Gesellschaften wurden somit auf einzelne Aktivitäten reduziert, nämlich Sammeln, Brandrodungsgartenbau, nomadische Herdenhaltung und Sesshaftigkeit. Sie bilden einen Gegensatz zum idealen rationalen Akteur, welcher in einer industriellen Gesellschaft lebt und weiß, männlich und bürgerlich ist. In der Darstellung dieser „small scale / simple societies“ (ebd. 73) beziehen sich die Autor*innen auf anthropologische Studien. Während viele dieser Studien an sich einer Kritik unterzogen werden können, soll darauf hier nicht eingegangen werden. Vielmehr zielt unsere Kritik auf die Zusammenstellung der Stichprobe. Während es möglich gewesen wäre, die Experimente mit Studierenden und anderen gesellschaftlichen Gruppen der betreffenden Länder auf der ganzen Welt durchzuführen, wurde die Stichprobe so zusammengestellt, dass Bilder von Gesellschaften hervorgerufen werden, die als 'anders' konstruiert werden. Hier greift die Dichotomisierung des othering. Auf der einen Seite stehen die „advanced economies“ (ebd. 77) und „complex market societies“ (Henrich et al 2005, 798), denen „simple / small scale societies“ gegenübergestellt werden. Hier bedienen sich die Autoren normativer Denkmuster – nämlich die Zweiteilung von Weltregionen in einen überlegenen und einen unterlegenen Teil – die auch für den kolonialen Diskurs über die „anderen“ zentral ist (Loomba 1998, 47). Dabei dient der Grad der Marktintegration als Erklärung für Abweichungen vom kanonischen Modell. Diese Erklärung anhand einer Kategorie, die vor Ort keine Rolle spielt übt Macht aus und konstruiert mangelnde Marktintegration als Problem, welches im Entwicklungskontext bekämpft werden kann.

Wichtig ist hier zwischen unbeabsichtigten Wirkungen der verwendeten Perspektive und bewusster kolonial-rassistischer Forschung zu unterscheiden. Vielmehr ist unser Anliegen, scheinbar objektive Methoden und Perspektiven als problematisch hervorzuheben. So auch die Zweiteilung, die auf der einen Seite die Norm ökonomischer Praxis darstellt, nämlich ökonomisches Verhalten konform mit dem kanonischen Modell und auf der anderen Seite die Abweichung von dieser Norm, nämlich die ökonomische Praxis in sogenannten „small scale societies“. Die Forschungsergebnisse sollen zeigen, dass das Homo oeconomicus Modell keine universelle Gültigkeit besitzt, dennoch basieren die Ergebnisse auf demselben. Da dies im Mainstream der aktuell ahistorisch vorgehenden Wirtschaftswissenschaften eine innovative Erkenntnis darstellt, muss den Autoren zugutegehalten werden, diese wichtigen Einsichten in ihre Disziplin zu tragen. Dennoch bleibt die Auswahl der Stichprobe, wer und welche Gesellschaftsorganisationen als Abweichung vom rationalen HO-Modell betrachtet werden, problematisch, reproduziert vorherrschende Bilder über 'die Anderen' und die dadurch ausgelösten Marginalisierungsmechanismen. 

3.3 Subalternität und Repräsentation

Wie im vorherigen Abschnitt dargestellt, funktioniert othering durch die dichotome Konstruktion von Gruppen, die in Marginalisierung resultiert. Philipp Lepenies (2008, 203) beschreibt Dichotomien im Kontext des modernen Entwicklungskonzeptes als eine Welteinteilung in zwei ungleiche Hälften, die Reinhart Koselleck als “asymmetrical counterconcepts.” bezeichnet (Koselleck 2004). Diese Welteinteilung trägt zur Unterminierung der Selbstartikulationsfähigkeit subalterner Menschen bei, die stets anhand der Normen der dominanten Gruppe bewertet werden. In „Can the Subaltern speak?“ diskutiert die indische Literaturwissenschaftlerin Gayatri Chakravorty Spivak (2008) die Möglichkeit der Marginalisierten, selbst zu sprechen. Dabei pocht sie nicht auf Selbstartikulation, sondern problematisiert und negiert diese Möglichkeit. Als subaltern gelten dabei die gesellschaftlichen Gruppen, die nicht in das koloniale Herrschaftssystem eingebunden sind und es auch nicht konsensual mittragen (Spivak 2008, 50). Ihr intersektionaler Ansatz betrachtet Herrschaftsverhältnisse als mehrdimensional. So können Menschen im kolonialen System hinsichtlich ihrer konstruierten „Rasse“ unterdrückt werden, gleichzeitig aber beispielsweise durch ihr männliches Geschlecht privilegiert sein (Ziai 2012, 311). Spivak führt als Beispiel die Debatte um die Abschaffung der Witwenverbrennung unter der britischen Kolonialherrschaft in Indien an. Dabei wurden die Frauen selbst kaum gehört, und wenn, dann wurde ihre Position entweder von der britischen Seite als Affirmation der Rückständigkeit der „indischen Kultur“ und der positiven Rolle der Kolonisierung oder von der patriarchalen indischen Seite als Bekenntnis zum traditionellen Frauenbild interpretiert und missbraucht (Spivak 2008, 101). Dabei ging die Rolle des politökonomischen Konfliktes um das Erbrecht bei Witwenverbrennungen unter (Spivak 2008, 87).

Die Repräsentation der beforschten Menschen geschieht im Rahmen der verhaltensökonomischen Experimente über wirtschaftswissenschaftliche Methoden, deren Ergebnisse koloniale Kontinuitäten aufweisen. Eine Anwendung des Subalternitätskonzeptes führt zur Frage nach der Fähigkeit zur Selbstartikulation, die den Menschen in den beforschten Gesellschaften durch die Studien entzogen wird (vgl. Spivak 2008). Die Teilnehmenden bekommen nur im Kontext der Spiele die Gelegenheit zur Artikulation, falls sie diese denn verstehen (Henrich et al. 2001, 74). Hierzu wäre eine umfangreiche Analyse der Machtstrukturen weiterführend, die erarbeitet, unter dem Einfluss welcher Diskurse welche Individuen aus welchen sozialen Gruppen der beforschten Gesellschaften sprechen und inwiefern sie gehört werden (können). Die Kategorisierung der Gesellschaften anhand einer nach westlichen Kriterien definierten Wirtschaftsweise vorzunehmen, ohne sonstige soziale Gegebenheiten zu berücksichtigen, trägt zum otheringund zu Subalternisierung der beforschten Gesellschaften bei (vgl. Henrich et al. 2001, 74). So ist die größte gemeinsame Eigenschaft der 15 beforschten Gesellschaften ihr impliziter Gegensatz zu WEIRD-societies(Western, Educated, Industrialized, Rich and Democratic societies) (vgl. Henrich/Heine/Norenzayan 2010). Die Interpretation der Spielergebnisse konstruiert „andere“, weniger rationale Rationalitäten, die vom westlich geprägten kanonischen Modell abweichen (vgl. Henrich et al. 2001, 75). Ebenso wird zu keinem Zeitpunkt thematisiert, inwiefern die gespielten Spiele ein angemessenes Mittel zur Antwortsuche auf die gestellten Forschungsfragen darstellen. Die Stimme der beforschten bleibt im Rahmen der Forschung passiv; so wurden Personen aussortiert, die dem subjektiven Empfinden der Forschergruppe nach Verständnisschwierigkeiten hatten: 

„In most cases experimenters tested subjects for game comprehension before the experiments were implemented, and excluded those who had difficulty grasping the game. In several studies, experimenters used post-game interviews to probe for possible misunderstandings and faulty assumptions. Among the Mapuche, the players who passed the basic tests were ranked according to how well they understood the strategic nature of the game and how well they were able to do the monetary calculations involved.“ (Henrich et al. 2005, 810)

Die Auszahlungswerte aus den Spielen sprechen systematisch gegen rationale Einkommensmaximierung nach dem kanonischen Modell. Die Stimme der beforschten Menschen dient aufgrund ihrer Abweichung von der kanonischen Vorhersage als Argument gegen eine Allgemeingültigkeit rationaler Agenten (Henrich et al. 2001, 75). Ähnlich der Stimme der Frauen in der Debatte um Witwenverbrennung bei Spivak, werden die beforschten Menschen bei Henrich et al. nicht gehört und ihre Beschreibung ruft Klischees mangelnder Modernität hervor, obwohl die Autoren paradoxerweise eine Anerkennung ihrer Rationalitäten verfolgen (Henrich et al. 2001, 75; Spivak 2008, 87):

“Our sample consists of three foraging societies, six that practice slash-and-burn horticulture, four nomadic herding groups, and three sedentary, small-scale agriculturalist societies.” (Henrich et al. 2001, 75)

Die Repräsentation der Autoren ersetzt in der Studie eine potenzielle Selbstrepräsentation gleichberechtigter Forschungsteilnehmende. Sie produziert die Dichotomie „small-scale/simple agriculturalist societies“ (non-WEIRD) versus „industrialized/advanced societies“ (WEIRD). Dieser Binarismus sieht für die beforschten Gesellschaften ein statisches Gesellschaftsverständnis ohne Möglichkeit für Moderne vor. Dies offenbart sich vor allem in den Erklärungen welche Gesellschaften wie stark von der kanonischen Voraussage abweichen (vgl. ebd. 77). Zudem werden lokale gesellschaftliche und politische Kontexte, wie Harambee in Kenia und Tansania zwar erwähnt aber nicht näher beleuchtet (ebd. 76). Auch Diversität innerhalb der beforschten Gesellschaften wird nicht berücksichtigt und ihre Repräsentation erinnert an Klischees isolierter „edler Wilde“. Dass Ihre koloniale Erfahrung verschwiegen wird zeigt sich in ihrer Konstruktion als Gegensätze westlicher Studierender, obwohl aufgrund der kolonialen Erfahrung davon auszugehen ist, dass Studierende Teil der untersuchten Gesellschaften sind (und in Städte gezogen sind). In der Studie werden die analysierten Gesellschaften – ohne jemals selbst zu sprechen – als Argument gegen die Allgemeingültigkeit des vom Homo oeconomicus Modell ausgehenden Universalitätsanspruchs verwendet. So nobel dieses Projekt gedacht sein mag, ist die Umsetzung problematisch und geschieht auf Kosten beforschten Gesellschaften, die damit marginalisiert werden. Ein potenzielles Erkenntnisinteresse der Sichtbarmachung dieser Gesellschaften wird somit unterminiert. Die Frage nach Subalternität versucht zu ergründen wer als subaltern gilt und inwiefern diese Menschen artikulieren und gehört werden (Ziai 2012, 312). Sie zu stellen, stellt bereits eine Abkehr von der binären Vorstellung dar, die Kolonisierung sei ein Prozess gewesen, in dem die Kolonisierenden stets aktiv und die Kolonisierten passiv waren (ebd. 312). Diese Abkehr stellt die Grundlage von Bhabhas Konzept der Hybridität dar, demnach beeinflussen sich beide Seiten gegenseitig (Bhabha 2012).

3.4 Provinzialisierung Europas

Das von dem indischen Historiker Dipesh Chakrabarty (2000, 2002) geprägte Konzept der Provinzialisierung Europas kann als Querschnittsthema vieler postkolonialer Untersuchungen verstanden werden. Dessen Mehrwert liegt in der Erkenntnis, dass in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften „Europa“ noch ein souveränes, theoretisches Subjekt sei, das die Betrachtungsweisen nachhaltig präge (Chakrabarty 2002, 283).Er kritisiert die „asymmetrische Unkenntnis“. Demnach müssen nicht-westliche Wissenschaftler*innen westliche Arbeiten kennen, jedoch nicht umgekehrt. Ebenso stellt er fest: 

„Seit Generationen haben Philosophen und Sozialwissenschaftler Theorien aufgestellt, welche für die gesamte Menschheit Gültigkeit beanspruchen. Formuliert wurden diese Aussagen allerdings […] in relativer und bisweilen absoluter Unkenntnis der Erfahrungen der Mehrheit der Menschheit, das heißt derjenigen Menschen, die in nichtwestlichen Kulturen leben“ (ebd. 284). 

Er erkennt den Wert dieser Theorien an, jedoch beschreibt er auch die beschränkende Wirkung des Eurozentrismus in diesen und stellt fest, dass sie im globalen Süden paradoxerweise als besonders nützlichbegriffen werden (ebd. 284). Ebenso stellt er fest, dass „Moderne“ und „Europa“ nicht ausschließlich das Werk von Europäer*innen sei und setzt dieser Konzeption sein „Projekt der Provinzialisierung Europas“ entgegen (ebd. 304-306). In diesem plädiert er für eine Überwindung der universalen Gültigkeit von Staat, Staatsbürgerschaft und Privatsphäre, wie sie im westlichen Liberalismus aufgefasst werden (ebd. 305). So soll Europa von der Stellung als einzig mögliche Inkarnation der Moderne abgestuft, also provinzialisiert werden. Dies soll den partikularen und eben nicht universellen Ursprung von Begriffen wie Moderne, Staat oder Privatsphäre unterstreichen. Die Moderne soll dadurch als ein Feld von Auseinandersetzungen begriffen werden in welchem die Kontingenz, Perspektivität und Partikularität vermeintlich universeller Begriffe herauszuarbeiten sind.  Auf diese Weise kann Raum für alternative Konstruktionen und Praktiken entstehen. Ein Antimodernismus oder eine pauschale Zurückweisung westlicher Kultur ist nicht Ziel der Provinzialisierung. Zusammengefasst möchte die Provinzialisierung Europas ein Kernanliegen der meisten postkolonialen Arbeiten ausdrücken: darauf aufmerksam zu machen, dass vorherrschende (sozial)wissenschaftliche Perspektiven nicht neutral, sondern wissenschaftlich und kulturunabhängig sind und trotz ihrer westlichen Prägung die Möglichkeit der Frage nach alternativen, nicht eurozentrischer Wissensformen existiert und legitim ist (Ziai 2012, 315).

Bei Anwendung des Konzeptes der Provinzialisierung Europas auf die verhaltensökonomischen Experimente von Henrich et al. zeigt sich, dass die Spiele als Instrument der Verhaltensökonomik unhinterfragt außerhalb ihres Entstehungskontextes angewendet werden. Dabei entstehende Problematiken durch othering und Repräsentation werden nicht berücksichtigt und die Spiele werden nur aus ihrer westlichen Verortung heraus gelesen. Das Homo oeconomicus Modell baut aufgrund seiner Entstehungsgeschichte in der westlichen Hemisphäre auf dessen Gesellschaft und Normen auf. Diese erheben im Rahmen der Studie einen nicht-erfüllbaren universellen Anspruch auf die Definition von Rationalität. Dabei stellen die Forscher die wichtige Frage nach der sozialen Einbettung von Verhalten jedoch nicht von Rationalität (vgl. Henrich et al. 2001, 73). Sie wird damit beantwortet, dass die beforschten Gesellschaften aufgrund anderer sozialer Kontexte auch andere Spielergebnissen erzielen, jedoch bleiben diese messbar weniger rational als die bisherigen Teilnehmenden Studierenden. Diese Ergebnisse bilden das Hauptargument der Forscher für eine Anerkennung anderer Rationalitäten - paradoxerweise - denn auch in der vorgeschlagenen Erweiterung des kanonischen Homo oeconomicus Modells bleibt der implizierte Maßstab für Rationalität westlich. Die Frage danach wie legitim die Universalität der westlichen Rationalität ist, wird nicht gestellt; das Modell des Homo oeconomicus ist somit in den lokalen Anwendungskontexten exogen gegeben und beansprucht weiterhin Gültigkeit. Die westliche soziale Verortung der Kategorien Rationalität, Marktintegration, Gehalt, sowie die Hauptanalysekategorien „Payoffs to cooperation“ und „Market integration“ (Henrich et al. 2001, 76), die zur Erklärung der Abweichungen einiger Gesellschaften vom Homo oeconomicus-Modell herangeführt werden, bleibt unberücksichtigt. So wird das Projekt einer „cross-cultural study“ an passiven Teilnehmenden lediglich anhand von Kategorien und Spielen durchgeführt, die aus westlichen Denktraditionen stammen und nicht aus lokalen Perspektiven interpretiert werden, ohne die Folgen dieses Umstandes zu berücksichtigen. Die Teilnehmenden erhalten Auszahlungen hauptsächlich in Geld und Tabak, ohne die Rolle der letzteren aus der Perspektive des vorherrschenden Rationalitätsverständnisses in den jeweiligen Gesellschaften in die Forschung einzubeziehen (ebd. 74). Ein ähnlicher Fehler geschah im Thaba-Tseka Entwicklungsprojekt in Lesotho, als die Rolle von Viehzucht von Expert*innen nicht hinreichend aus lokaler Perspektive betrachtet wurde (Ferguson 1994). Hier wird ein Einfluss lokaler sozialer Gegebenheiten angenommen, aber nicht hinreichend in der Interpretation berücksichtigt, um die Reproduktion von othering und Subalternisierung zu verhindern (Henrich et al. 2001, 73, 75f). Die „Provinzialisierung Europas“ erkennt, dass die marginalisierte Position der analysierten „Völker“ der positivistischen wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive nicht nur innewohnt, sondern dass diese ebenfalls reproduziert wird, da starke Verbindungen zwischen Kolonialismus, Beginn der Industrialisierung und Etablierung der Wirtschaftswissenschaften bestehen (Watson 2017). Daher plädiert sie für eine De-universalisierung europäischer Perspektiven.

4. Fazit

Dieser Essay hat das Ziel den analytischen Mehrwert des Dialoges zweier auf den ersten Blick voneinander entfernt verorteten Disziplinen aufzuzeigen – der postkolonialen Studien und der Verhaltensökonomik. Diesen Anspruch haben wir durch die Untersuchung und Kritik einer zentralen Forschungsarbeit der Verhaltensökonomik mit verschieden Analysekategorien aus den postkolonialen Studien umgesetzt.

Erstens haben wir veranschaulicht, inwiefern sich die beiden Denkschulen – entgegen des Anscheines akademischer Debatten – etwas zu sagen haben: Mit dem Konzept des Othering haben wir argumentiert, dass die Darstellungen der Beforschten Gesellschaften in der Forschung von Henrich et al. kolonialen Imaginationen entsprechen. Die Perspektive subalterner Artikulation betont die Marginalisierung und unterdrückte Repräsentation der Teilnehmenden an der Studie. Die Kategorie Provinzialisierung Europas hat darauf hingewiesen, wie unreflektierte Annahmen der Universalität der eigenen Forschungspraxis meist unhinterfragt bleiben. 

Zweitens, neben der postkolonialen Kritik ging es uns ebenfalls darum zu zeigen, wie mit dieser Perspektive akademische Horizonte sowie analytische Blicke erweitert werden und welche blinde Flecken damit erkannt werden können und neue theoretische, aber auch praktische Implikationen für Forschung aufgezeigt werden können. Auf die Arbeit von Henrich et al. bezogen könnte das Folgendes bedeuten: Anstatt mit festgelegter theoretischer Perspektive und damit verbundenen „engen“ theoretischen Annahmen in „das Feld zu fahren“ und diese dann starr auf die Stichprobe anzuwenden, ließe sich zum Beispiel eine offenere und fragendere Herangehensweise anwenden, um der Komplexität vor Ort zu begegnen. Zweitens ließen sich mit einer Methodenvielfalt und Reflexion der eigenen Positionierung die ökonomischen Praxen historisch und politisch einbetten und damit vor dem Hintergrund globaler Machtverhältnisse verständlicher werden. Auf Basis des hier angestoßenen Dialoges lässt sich noch folgende Schlussfolgerung ziehen: Wenn das Ergebnis von Henrich et al. ist, dass globales Verhalten variabel und nicht universell bestimmbar ist, dann bedeutet das in seiner Konsequenz, dass es neuer theoretischer Konzepte und Modelle bedarf, die eben dieser Vielfalt und Differenzen gerecht werden. Dies stellt einen Grundstein für konstruktive Beiträge postkolonialer Perspektiven auf Ökonomik dar. So wären plurale Konzeptualisierungen von Rationalität jenseits Homines oeconomici mit sozialen Präferenzen (z.B. sozialen Präferenzen wie Altruismus oder Ungleichheitsaversion) - wie sie in der Verhaltensökonomie oder Spieltheorie mittlerweile üblich sind - denkbar, die soziale Verortungen stärker berücksichtigen. Auf diese Weisen könnte interkulturelle Forschung von der Berücksichtigung postkolonialer Erkenntnisse profitieren und validere sowie durch die Berücksichtigung ihrer Performativität machtsensiblere Ergebnisse produzieren können. Die hiesige Haupterkenntnis wäre nicht nur - wie Henrich et al. es tun - anzuerkennen, dass Rationalität eine vom sozialen Kontext abhängige Variable ist, sondern im allgemeinen Modelle, die menschliches rationales Verhalten auf Basis scheinbar universeller Normen operationalisieren, verzerrt sind und Machtasymmetrien reproduzieren können. Dieser Beitrag kommt auch der postkolonialen Perspektive zugute, der oft mangelnde Berücksichtigung ökonomischer Gegebenheiten vorgeworfen wurde.

Zu guter Letzt geht es uns mit diesem Beitrag darum, eine Perspektive stark zu machen, die in der breiten Diskussion um eine pluralere Ausrichtung der Ökonomik bisher kaum bis gar keine Beachtung findet. Die Diskussion, die das Netzwerk plurale Ökonomik in den letzten Jahren in Deutschland angestoßen hat, ist fruchtbar und wertvoll. Die postkolonialen Studien als eine Denkschule, die in dieser Debatte durchaus einen konstruktiven Beitrag leisten kann, hat bisher keinen nennenswerten Eingang in den Diskurs gefunden. Die Intention dieses Beitrages ist (zukünftige) Forschende in der pluralen Ökonomik dazu zu animieren die Relevanz des Gedankenganges in diesem Essay anzuerkennen oder zumindest Debatten zur Notwendigkeit einer postkolonialen Ökonomik anzustoßen.

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1 Nach Meinung der Autor*innen müsste allein schon die Namensgebung Anlass für Diskussion sein.

3 (Henrich et al. 2000 wird beispielsweise an der Universität Kassel im jährlichen Seminar zur Verhaltensökonomik behandelt, zur Einschätzung der Auswirkungen der analysierten Untersuchungen siehe z.B. Lamba/Mace 2012)

4 Zu einer kritischen Diskussion des Entwicklungsbegriffs siehe Ziai 2010.

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