Zentralbankkapitalismus – Transformationen des globalen Finanzsystems in Krisenzeiten

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Joscha Wullweber
Level: mittel
Verlag: Suhrkamp Verlag AG
Perspektive: Marxistische Politische Ökonomik, Institutionenökonomik, Postkeynesianismus, Diverse
Thema: Finanzialisierung, Globalisierung, Makroökonomik, Geld & Schulden
Seitenzahl: 297 Seiten

Klappentext

Das globale Finanzsystem befindet sich in einer tiefen Krise. Die Hüter des Geldes, Zentralbanken wie die EZB oder die US-amerikanische Fed, sind inzwischen zu seinem eigentlichen Rückgrat geworden und haben eine neue Ära eingeläutet: die des Zentralbankkapitalismus. Dafür mussten sie ihre Geldpolitik revolutionieren sowie als Marktmacher der letzten Instanz agieren.

Zusammenfassung

Joscha Wullweber steigt in den Maschinenraum des modernen Kapitalismus hinab, diskutiert die neuen Instrumente der Zentralbanken und erklärt, auf welch komplexe Weise Staat und Finanzmarkt heute verschränkt sind. Dabei nimmt er auch das Schattenbankensystem unter die Lupe, von dem die globale Finanzkrise ausging und das dennoch immer bedeutender wird. Ein unverzichtbarer Beitrag zum Verständnis aktueller globaler Geld- und Finanzpolitik.


Kommentar von unseren Editor*innen:

Das Narrativ dieser überaus lesenswerten und durchwegs faktenbasierten Arbeit von Joscha Wullweber beleuchtet den Umstand, dass die massiven Interventionen der Notenbanken seit der Globalen Finanzkrise 2008/09 deren eigene Bedeutung und der des Schattenbanksystems  bestärkt und zugleich eine Transformation des globalen Finanzsystems begleitet haben. Geldpolitik orientiert sich in dieser neuen Verfassung nicht länger an der Veränderung von Leitzinsen (im regulierten Bankensektor), sondern einer Politik der quantitativen Lockerung und Interaktion mit und im (noch unregulierten) Schattenbanksystem. Detailiert geht Wullweber in diesem Werk dabei auf die Mechanismen, Abläufe und Buchungssätze der Kapitalmärkte ein ohne diese Vorgänge mit keynesianischen oder liberalen Erklärungsansätzen zu bewerten. Als Politikökonom hebt er stattdessen die hybride Natur dieser Verflechtungen der neuartigen Staat-Markt-Konstellation hervor und attestiert der noch relativ hegemonialen marktliberalen Logik und Politik mehrere paradoxe Problemstellungen. Zum einen müsste eine entsprechende marktaffine Logik den betreffenden Finanzakteuren auch die Möglichkeit des Scheiterns eingeräumt werden, was jedoch seit dem Bedeutungsgewinn des Schattenbanksystems zwangsläufig den Zusammenbruch des Gesamtsystems zur Folge hätte (entgegen der Parole “too big to fail”). Zum anderen wendet sich das marktliberale Programm gegen sich selbst, wenn es in der Fiskalpolitik die Ausgaben- und Schuldenreduktion fordert, aber im gleichen Atemzug in der Finanzpolitik eine “freie” Entfaltung des Schattenbanksystems befürwortet und damit dessen stetig wachsenden Bedarf an Wertpapiersicherheiten (insbesondere Staatsanleihen) entgegensteht. Der Autor diskutiert diese Problematik auch in dieser Folge des “Future Histories”-Podcasts. Empfehlenswert ist dahingehend auch die Folge mit dem Soziologen Aaron Sahr zur monetären Souveränität.

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