Feministische Ökonomik

18. Dezember 2016
Autorinnen: Janina Urban und Andrea Pürckhauer
Schirmfrau: Prof. Dr. Christine Bauhardt
Herzlichen Dank an PhD Alyssa Schneebaum für Kommentare und Anregungen

 

1. Kernelemente            

Die feministische Ökonomik (femÖk) untersucht den wechselseitigen Zusammenhang von Geschlechterverhältnissen und Ökonomie. Sie fasst dabei auch den unbezahlten, nicht-marktvermittelten Teil der Wirtschaft und Gesellschaft ins Auge und beleuchtet, welche Triebkräfte hinter den heute verbreiteten Dichotomien wirtschaftlich-sozial, produktiv-reproduktiv, maskulin-feminin, bezahlt-unbezahlt oder öffentlich-privat stecken. Damit widmet sich die femÖk auch der Analyse des Patriarchats und des Kapitalismus als miteinander verschränkte Herrschaftsformen. Dabei stellt sie Fragen nach der Verfügung über Eigentum, Einkommen, Macht, Wissen und den eigenen Körper.

Die Feministische Ökonomik ist kein einheitliches Paradigma, da es sowohl liberale, konstruktivistische als auch kritische Forschungstraditionen innerhalb der feministischen Ökonomik gibt, was unter 8.) näher erläutert wird. Jedoch beschäftigen sich alle Ansätze mit der sogenannten Care- oder Reproduktionsarbeit. Darüber hinaus werden die Rolle des Staates, der Wissenschaft, der Sprache und Wachstumsdynamiken für Geschlechterverhältnisse untersucht. Dabei wird kritisiert, dass die Wirtschaftswissenschaften die Erfahrungen von Frauen ausblenden und darauf hingewiesen, dass Frauen wenig in den Wirtschaftswissenschaften vertreten sind. Diese Umstände wirken sich  wiederum auf die wissenschaftliche Erkenntnis aus. Die feministische Ökonomik macht also deutlich, dass wissenschaftliche Erkenntnis und allgemein akzeptierte Ideen ebenso durch Herrschaftsverhältnisse geformt sind wie die gesamte Gesellschaft. Beispielhaft dafür ist, dass die Analyse von Geschlechterverhältnissen erst nach Jahrhunderten der Aktivitäten der Frauenbewegungen zunehmend Eingang in die Volkswirtschaftslehre findet.

Einige zentrale Fragen der feministischen Ökonomik sind:

1. Warum wurde Haus-, Erziehungs- und Sorgearbeit in der Ökonomik seit dem 19. Jahrhundert nicht als Arbeit anerkannt und nicht in ökonomischen Theorien behandelt?

2. Welche Dynamiken stehen hinter den heute verbreiteten Dichotomien wirtschaftlich-sozial, produktiv-reproduktiv, männlich-weiblich, bezahlt-unbezahlt, öffentlich-privat?

3. Wie stellt sich die heutige ökonomische Situation von Frauen in Bezug auf Arbeitsmarktpartizipation und Lohneinkommen dar und was sind die sozialen Prozesse dahinter?

4. Warum entspricht das Bild des rational, egoistisch, objektiv, nutzenmaximierenden homo oeconomius eher dem, was als stereotypisch maskulin gilt und welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus für Wissenschaft und Erkenntnis ableiten?

5. Was sind geschlechtsspezifische Effekte von makroökonomischer Politik und wie würden Diskussionen über makroökonomischen Fragestellungen, wie nach den Staatsausgaben, Wachstum und internationalem Handel, geführt werden, wenn die Volkswirtschaftslehre (VWL) nicht geschlechterblind wäre?

2. Konzeption der Wirtschaft

In der feministischen Ökonomik ist das Verständnis von Arbeit zentral, worunter nicht nur Erwerbs-, sondern auch Haus- und Sorgearbeit verstanden wird, sowie ihre (Nicht-)Bezahlung und Aufteilung unter den Geschlechtern.

Feministische Ökonomik versteht Wirtschaft als die Art und Weise wie Menschen sich kollektiv organisieren um ihr Überleben zu sichern (vgl. Power 2004, 7). Mit ihrer Arbeitskraft und der Nutzung von Ressourcen re-produzieren Menschen ihre Lebensgrundlage. Dies geschieht einerseits durch Güterproduktion und andererseits durch individuelle, gesellschaftliche und generative Reproduktion. Unter Reproduktionsarbeit versteht man dabei marktvermittelte sowie nicht-marktvermittelte, bezahlte und unbezahlte Arbeiten. Beispiele von Reproduktionsarbeit sind das Aufziehen von Kindern, das Betreuen von (bedürftigen) Erwachsenen, das Einkaufen und Zubereiten von Mahlzeiten oder die Sorge für Hygiene, sowie die generative Reproduktion, das Zeugen und Gebären von Kindern (vgl. Bauhardt 2012, 5,6). Die Sorgearbeiten werden auch unter den Begriff „Care gefasst und folgen anderen Dynamiken als zum Beispiel die industrielle Produktion. Das „Produkt“ solcher Arbeit kommt nur in der Anwesenheit der Empfänger*innen zustande und seine Qualität wird durch Rationalisierung, z.B. durch Zeiteinsparung oder den Einsatz von Maschinen, in einem empfindlichen Maße beeinträchtigt. Denn die besondere Qualität dieser Tätigkeiten besteht gerade im menschlichen Kontakt (Madörin 2010, 87; Bauhardt 2012, 5-6). Obwohl die produktive Sphäre immer eine reproduktive voraussetzt, da sie auf der Verfügbarkeit von Sorgearbeit (und natürlichen Ressourcen) basiert, hat die Volkswirtschaftslehre bisher vornehmlich den marktvermittelten und bezahlten Teil der Ökonomie analysiert. Reproduktionsarbeit wird zunehmend in der Ökonomie sichtbar, da sie unter anderem vermehrt über bezahlte Arbeit abgewickelt wird und Frauen stärker am Arbeitsmarkt teilhaben. Durch diese sogenannte “Femininisierung” der Arbeit rückt die feministische Forschungstradition stärker in das Blickfeld der VWL.

Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Arbeitsbegriff und der Rolle der reproduktiven Sphäre in der Produktion erfolgte in feministischen Weiterentwicklungen der Marx'schen Theorie, die unter anderen durch die Frauenbewegung vorangetrieben wurde. Sie sehen Arbeit, einschließlich der Reproduktionsarbeit, als die Quelle von Wert an. Sie schafft ihnen zufolge neben materiellen auch immaterielle Gebrauchswerte. In der industriellen Produktion, die hauptsächlich von Männern getätigt wird, eignen sich die Besitzer*innen der Produktionsmittel den Profit an. Dieser besteht aus der Differenz zwischen dem Lohn, der den Arbeiter*innen für ihre Reproduktion gezahlt wird, und dem tatsächlich von ihnen geschaffenen Wert. Der Lohn deckt dabei die Ausgaben z.B. für Lebensmittel oder Miete für die ganze Familie ab, lässt die reproduktiven Arbeiten, die hauptsächlich von Frauen getätigt werden, allerdings unentlohnt (Federici 2012, 25ff.).

Mit dem Übergang vom Fordismus zum Postfordismus ist die „Arbeitsteilung“ von Männern und Frauen aufgebrochen und befindet sich seither in ständiger Veränderung (Bauhardt, 2012, 5-7). Trotz der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen konstatieren feministische Ökonom*innen, dass eben genannte Herrschaftsverhältnisse auch in der heutigen Zeit weiterhin fortbestehen. Zum einen über die geringere Bezahlung - Stichwort gender pay gap - oder durch die Doppelbelastung von Frauen, die neben Lohnarbeit die meiste Reproduktionsarbeit in Haushalten leisten. Zum anderen weiten sie sich extensiv, also international wie über die global care chains, und intensiv, also durch die Vermarktlichung vorher nicht erfasster Bereiche, aus. Viele feministische Ökonom*innen betonen, dass die kapitalistische Produktionsweise neben der Ausbeutung von Frauen auch auf der Ausbeutung der Natur beruht. Demzufolge wird der Beitrag von Frauen, im Sinne von Reproduktionsarbeit, sowie der der Natur, durch Ressourcen und Senken, zur Wirtschaft systematisch unterbewertet (vgl. Biesecker et al. 2012, 4).

Jenseits der marxistischen Betrachtungsweise, werden im Rahmen der neoklassischen feministischen Theorie vor allem die Fragen nach der Arbeitsmarktpartizipation von Frauen und deren Erwerbseinkommen behandelt. Die Neoklassik fokussiert dabei die Ergebnisse individueller Maximierungsentscheidungen und Abwägungen nach dem Marginalprinzip, sowie Effizienzkriterien (Haidinger und Knittler 2014, 55-57). Der Ausschluss von Frauen vom Arbeitsmarkt kann dabei als nicht effizient und wolhfahrtsmindernd dargestellt werden, da dadurch nicht alle potentiell fähigen Arbeiter*innen arbeiten (z.B. Harriet Taylor Mill bereits 1851 in Haidinger und Knittler 2014, 18-21 oder aktuell z.B. Maier 2004, 33). Erklärungen für die steigende Arbeitsmarktpartizipation von Frauen weisen auf die zunehmend bessere Bildung, höhere Produktivität im Haushalt durch Maschinen, Geburtenrückgang, demographischen Wandel und höherer Arbeitsnachfrage, insbesondere im Dienstleistungssektor, hin (Ulla Knapp 2002 in Maier 2004, 24). Die geringeren Löhne, die Frauen auf dem Arbeitsmarkt erzielen, werden durch Konzentration von Frauen in speziellen Bereichen wie dem Dienstleistungssektor und/oder ihre geringere Investition in Humankapital aufgrund der potentiellen Mutterrolle erklärt (Maier 2004, 22; kritisch dazu Haidinger und Knittler 2014, 64-65). Während auch die neoklassische Denkschule derartige Erklärungen entwickelt hat, betonen feministische Ökonom*innen, dass zuvor Ausgeführtes stark von den institutionellen Rahmenbedingungen abhängt. Das gilt z.B. für Familien- und Frauenleitbilder, die vor allem  gesellschaftlich ausgehandelt sind und nicht primär ein Marktergebnis darstellen (Maier 2004, 29).

Viele feministische Ökonom*innen stützen sich auf Arbeiten des feministischen Konstruktivismus und dessen Beschreibungen zu Bildern von Frauen und Geschlecht und deren Veränderungen (Maier 2004, 46). Sie gehen davon aus, dass vor allem Ideen und Institutionen das menschliche Zusammenleben bestimmen, da jede Erkenntnis und Konzeption durch Sprache und Wahrnehmung (vor-)strukturiert ist. In Bezug auf die Geschlechterverhältnisse wird zwischen sex als biologischem Geschlecht und gender als sozial konstruiertem Geschlecht unterschieden. Menschen mit weiblichen (reproduktiven) Körperteilen wird demnach zugeschrieben „feminin“ zu sein, also unter anderem emotional, altruistisch und abhängig. Menschen mit männlichen (reproduktiven) Körperteilen wird zugeschrieben „maskulin“ zu sein, also unter anderen rational, egoistisch und unabhängig. Sozial konstruierte Eigenschaften können dabei in Wirtschaft und Gesellschaft weitaus stabiler als die materiellen Verhältnisse sein, wenn z.B. die Bilder des arbeitenden Vaters und der fürsorgenden Mutter, trotz anderweitig möglicher Erziehungskonstellationen, in Sprache und Vorstellungswelten aufrecht erhalten werden (Haidinger & Knittler, 2014, 43-45).

3. Ontologie

Für die feministische Ökonomik stellt sich die ”Schlüsselfrage des Geschlechterverhältnisses” (Haidinger und Knittler 2014, 43), die sich als gemeinsamer Ausgangspunkt verschiedener Analysen identifizieren lässt. Diese Geschlechterverhältnisse äußern sich in Machtungleichgewichten in Familien oder Ressourcenausstattung wie Geld, Zeit oder Mobilität und wirken sich auf Erwerbstätigkeit, Einkommen und Vermögen, aber auch auf makroökonomische Zusammenhänge aus (Haidinger und Knittler 2014, 127f.). Während in der neoklassischen Tradition arbeitende feministische Ökonom*innen Knappheit von Ressourcen als  das zentrale ökonomisches Problem verstehen würden, lassen sich für die meisten Strömungen der feministischen Ökonomik Herrschaftsverhältnisse als grundlegende Treiber gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Dynamiken identifizieren.  Neben Geschlechterungleichheiten rücken dabei auch weitere Dominanzverhältnisse, die sich z.B. auf ethnische oder soziale Herkunft beziehen, in den Blick. Die gemeinsame Analyse dieser unterschiedlichen Ungleichheitsverhältnisse (race, class, gender) und deren Ineinanderwirken erfolgt unter dem Begriff Intersektionalität (vgl. Vinz 2011). Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Kategorie Frau nicht einheitlich ist, sondern auch Frauen unterschiedliche Hintergründe haben und verschiedene Erfahrungen machen. Zum Beispiel müssen auch die Klassenzugehörigkeit oder andere Diskriminierungserfahrungen in Analysen berücksichtigt werden (Mader und Schultheiss 2011, 411).

Um Geschlechterhierarchien zu analysieren, ist es für die feministische Ökonomik relevant, die Ökonomie des Haushaltes ebenso wie wirtschaftspolitische Entscheidungen und makroökonomische Größen zu betrachten (Haidinger und Knittler 2014, 43). Dabei wird zum einen untersucht, wie Geschlechterhierarchien auf Haushaltskonstellationen und (folgliche) Arbeitsmöglichkeiten und -entscheidungen, Entlohnung oder den Zugang zu z.B. Krediten wirken und wie dies u.a. in Arbeitsmärkten verstärkt oder abgeschwächt wird. Zum andern sind auch die Wechselwirkungen zwischen Haushalten und Staat ein wichtiger Untersuchungsgegenstand. Die feministische Analyse weist darauf hin, dass wirtschaftspolitische Entscheidungen wie zum Beispiel Umverteilungsmaßnahmen durch Geschlechternormen geprägt sind und sich dementsprechend wiederum auf das Geschlechterverhältnis auswirken. Somit lassen sich die Analysen der feministischen Ökonomik primär auf der Meso-Ebene verorten. Hingegen wird auch betont, dass Geschlechterverhältnisse zentral sind, um makroökonomische Zusammenhänge zu betrachten. Dabei wird u.a. die Geschlechterblindheit makroökonomischer Aggregate, wie der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und insbesondere dem BIP hervorgehoben. Jedoch erfolgen Untersuchungen der Makro-Ebene oft mit Rückkopplung auf die Meso-Ebene, um zu analysieren, wie sich beispielsweise Arbeitslosigkeit, Wachstum oder Einkommensverteilung auf die Ungleichheitsverhältnisse in der Gesellschaft auswirken (Haidinger und Knittler 2014, 126ff.). Diese Wechselwirkungen sowie die Annahme, dass soziale Prozesse Wandel unterliegen, zeigt die dynamische Zeitauffassung feministischer Ökonomik. „Ein zentraler Bezugspunkt für feministische Ökonominnen war [und ist] der Prozess, durch den über Gesetze, gesellschaftliche Normen, Erziehung und Gewalt die geschlechtliche Arbeitsteilung und damit die Unterwerfung der Frau unter den Mann in der Öffentlichkeit und Privatheit hergestellt wird” (Haidinger und Knittler 2014, 36).

Feministische Ökonomik rückt insbesondere Care und die teils nicht marktvermittelte Reproduktionssphäre, die vor allem in makroökonomischen Zusammenhängen ausgeblendet wird, in das Blickfeld (Bauhardt und Çağlar 2010, 9). Diesen Fokus stießen Marxistische Feminist*innen in den 1970er Jahren mit der Lohn-für-Hausarbeit-Debatte an. Sie forderten, den Wert von unbezahlter Reproduktionsarbeit zu berücksichtigen. Trotz wirtschaftlicher Veränderungen seit den 1970ern, wie der Vermarktlichung von Reproduktionsarbeit, bleiben mehrere Argumente der Debatte für die feministische Ökonomik relevant. Dazu gehören die Punkte, dass das Funktionieren der kapitalistischen Produktionsweise auf der unbezahlten bzw. unterbewerteten Care-Arbeit beruht sowie dass die Berücksichtigung von Care zentral für wirtschaftliche Analysen ist (Haidinger und Knittler 2014, 85f.). Dies weist auf die kontextgebundene Analyse feministischer Ökonomik hin, die davon ausgeht, dass ökonomische Phänomene nicht als isolierte Einheiten betrachtet werden können, sondern dass häufig getrennt gefasste Bereiche wie die des Öffentlichen und Privaten, des Produktiven und Reproduktiven, des Sozialen und Wirtschaftlichen logisch miteinander verknüpft sind. So müssen Produktions- und Reproduktionssphäre als interdependent begriffen werden, da wirtschaftliche Produktion maßgeblich von Sorgeaktivitäten wie Kochen und Zuneigung und deren Unterbezahlung abhängig ist.

Von konstruktivistischen feministischen Ökonominnen wird die soziale Konstruktion und folgliche Hinterfragung von Geschlechterzuschreibungen hervorgehoben. Dies bedeutet aber nicht, dass diese Zuschreibungen keine materiellen Auswirkungen hätten, denn Geschlecht gilt als ein zentrales Ordnungsprinzip von Ökonomie und Gesellschaft. Somit prägen die gesellschaftlich produzierten Geschlechtervorstellungen maßgeblich Verhalten, Rollenbilder und Entscheidungen von Individuen sowie ökonomische Ungleichheitsverhältnisse. Darauf baut auch die feministische Kritik am neoklassischen Konzept des homo oeconomicus auf, welches Menschen als rationale, unabhängige Individuen mit festen Präferenzen definiert (siehe Habermann 2008). Auch wenn es neoklassisch arbeitende feministische Ökonom*innen gibt, die das Konstrukt des rational, nutzenmaximierenden Individuums mit bestimmten, festgelegten Präferenzen nutzen, wird dieses in der femÖk weitgehend problematisiert. Demnach können Individuen nicht losgelöst von ihrem sozialen Kontext betrachtet werden, der maßgeblich die Identität einer jeden Person bestimmt. Individuelle Handlungsmöglichkeiten oder - entscheidungen hängen zum Beispiel von der Familienkonstellation, dem ökonomischen Hintergrund, sozialen Erwartungen, sowie von der (unbezahlt) geleisteten Care-Arbeit, die neben der Lohnarbeit verrichtet wird, ab. Zudem „ändert sich die „Bedeutung von Geschlechterverhältnissen im gesellschaftlichen Diskurs ständig” (Haidinger und Knittler 2014, 51). In Abgrenzung zum nutzenmaximierenden, selbstbezogenen homo oeconomicus werden insbesondere von der kritischen femÖk die Möglichkeit von Kollaboration hervorgehoben. Ein Beispiel hierfür ist das Konzept der Commons, das die gemeinschaftlichen Nutzung von Gütern und Ressourcen beschreibt (Federici 2011).

4. Epistemologie

Für feministische Epistemologie ist folgende Frage zentral: Über wessen Erkenntnis sprechen wir? - oder konkreter “Is the sex of the knower epistemologically significant?” (Code 1981). Dabei wird zum einen die Situiertheit von Wissen betont und zum anderen werden Macht- und Herrschaftsverhältnisse in der Wissensproduktion sichtbar gemacht (Singer 2010). Sandra Harding und Donna Haraway prägten in der feministischen Wissenschaftstheorie den Begriff des situierten Wissens (Haraway 1988, Harding 1991). Demnach ist die/der Forscher*in auch immer in einen bestimmten historischen, kulturellen, sozialen und ökonomischen Kontext eingebunden. Dieser wiederum prägt das Forschungsinteresse sowie Perspektiven und folglich auch wissenschaftliche Ergebnisse. Situiertes Wissen schließt auch mit ein, dass Wissen aus einer bestimmten Machtposition produziert wird. Dementsprechend stellen sich sowohl die Fragen, welche Themen als relevant oder welche Forschung als wissenschaftlich anerkannt werden, als auch welchen Interessen sie dienen. Folglich beeinflusst das Geschlecht der Forscher*innen die Forschungsfragen, Methoden und Ergebnisse. Die doppelte Blindheit der VWL gegenüber Frauen, d.h.  ihre fehlende Repräsentanz in der Ökonomik sowie die Nicht-Beachtung ihrer Lebenssituation bzw. ihres ökonomischen Beitrages, kann als Ausdruck hiervon gesehen werden.

Nach Mona Singer (2010) ist das situierte Wissen ein gemeinsamer Ausgangspunkt, aus dem unterschiedliche epistemologische Schlussfolgerungen gezogen werden. Singer präsentiert hierbei drei Strömungen.

1. Die Feministische Standpunkttheorie geht davon aus, dass Frauen durch ihre Ausgangssituation die Realität angemessener analysieren können. Ähnlich wie das Proletariat in der Marx’schen Theorie die Fähigkeit besitzt, sich seiner eigenen Unterdrückung bewusst zu werden und sich davon zu befreien, erkennen Frauen und andere diskriminierte Gruppen Strukturen und deren Implikationen besser als die herrschende Klasse und können diese aufdecken (Bar On 1993 in Code 2014, 13). Allerdings wurde darauf hingewiesen, dass die Unterdrückten durch ihre Position noch lange keinen Wahrheitsanspruch ihrer Ansichten für sich behaupten können. Jedoch kann durch Anerkennung und Einbeziehung der Perspektive, die der/die Forscher*in durch den eigenen Ausgangspunkt hat, die Objektivität gestärkt werden und somit durch die Aufnahme vielfältiger Wissensbestände ein “starker Objektivismus” erreicht werden (Harding 1991, 138).

2. Feministischer Empirismus betont die Wichtigkeit empirischer Forschung um Ungleichheiten besser abbilden zu können. Die Vertreter*innen heben aber auch hervor, dass die empirische Forschung weder wertfrei noch kontextunabhängig ist und Wirkungszusammenhänge häufig zu vereinfacht dargestellt würden. Dieser Forschungsstrang hinterfragt auch aktuelle wissenschaftliche Qualitätskriterien und stellt empirische Angemessenheit, Neuheit, ontologische Heterogenität, Komplexität, Wechselwirkungen in der Interaktion, Anwendbarkeit auf menschliche Bedürfnisse und Dezentralisierung von Macht als feministische Werte in der Forschung heraus (Longino & Lennon 1997, 21-27).

3. Die Postmoderne Epistemologie ist kritischer gegenüber der Möglichkeit durch Wissen(-schaft) den Diskurs und Institutionen zu ändern und Emanzipation zu erreichen. Für sie ist Wissen mit Macht verbunden und Wissensproduktion stets hinterfragbar. Eine objektiver Blick auf die Welt ist ihnen zufolge nicht möglich, sondern es gibt immer Konstruktionen der Wirklichkeit, die von den Machthabenden maßgeblich geprägt sind. Demnach vertrete auch die Standpunkttheorie bestimmte Interessen, z.B. die von US-amerikanischen und europäischen Frauen. Die Theoretiker*innen der Standpunkttheorie reagierten wiederum auf diese Kritik und brachten - wie oben erwähnt - Diskussionen zu Standpunkten von Marginalisierten auf den Weg, sowie die Forderungen nach einer grundsätzlichen Demokratisierung von Wissen (Singer 2010, 296-298).

Des Weiteren lässt sich die feministische Ökonomik als Objekt-bezogene Denktradition einordnen, da sie die Rolle von Geschlechterverhältnissen in der Wirtschaft ins Auge fasst und unterschiedliche theoretische Strömungen mit diesem gemeinsamen Nenner kennt. Auch wenn diese Strömungen unterschiedlichen Denktraditionen angehören, gewannen neben realistischen auch konstruktivistische Ansätze in den vergangen Jahrzehnten an Bedeutung in der feministischen Ökonomik. Durch den oben beschriebenen gemeinsamen Ausgangspunkt des situierten Wissens kann die feministische Ökonomik zunehmend als Perspektiv-geleitet beschrieben werden, da sie wie ein Großteil der Sozialwissenschaftler*innen die Existenz und Relevanz unterschiedlicher Wissensbestände anerkennt.

5. Methodologie

Die Methodologie der femÖk ist vielfältig und reicht von der deduktiven Theoriekonstruktion, über die induktive, zur dialektischen Methodologie. Die deduktive und induktive Methodologie fußen dabei weitestgehend auf einem empiristischen und positivistischen Weltverständnis, in dem Zusammenhänge anhand von Beobachtungen erfasst und Hypothesen falsifiziert werden können (Fallibilismus). In der deduktiven Methodologie werden speziellere Aussagen von allgemeinen Prämissen logisch abgeleitet. Durch induktives Vorgehen kann von einzelnen Beobachtungen auf Allgemeines geschlossen werden, beide Verfahren der Erkenntnisgenerierung bedingen sich letztlich gegenseitig. Viele feministische Ökonom*innen arbeiten formal-theoretisch und empirisch im Rahmen der Theorien in der deduktiven Tradition (van Staveren 2010, 27). Eine induktive Vorgehensweise wurde von einigen Forscher*innen als besonders zielführend für das noch relativ junge Forschungsfeld der femÖk bezeichnet, da dadurch die Möglichkeit bestehe, neue Kategorien und Hypothesen zu generieren (Krüger 1994, 78 in Mader und Schultheiss 2011, 415). Julie Nelson (1995) beschrieb dabei in ihrem Artikel Feminism and Economics, dass mathematische Modelle mit Männlichkeit und Härte assoziiert werden, während qualitativen Methoden weibliche Eigenschaften zugeschrieben werden und zugleich mit Schwäche, auch im wissenschaftlichen Sinne, verbunden werden. Zwar müsse das Rad der Wissenschaft nicht neu erfunden werden, aber in feministischen Analysen sollte es eine Vielzahl an Modellen und Methoden geben, die für die jeweiligen Forschungsfragen am geeignetsten erscheinen.  Dementsprechend arbeitet die femÖk sowohl qualitativ als auch quantitativ: zum einen qualitativ, um vielschichtige Ungleichheitsstrukturen sichtbar zu machen, zum anderen quantitativ, um beispielsweise Statistiken gendergerecht auszubauen (Mader und Schultheiss 2011). Oft wird ein Mix aus qualitativen und quantitativen Methoden angewandt. Methoden reichen dabei von Ökonometrie bis hin zur Diskursanalyse.

In Anlehnung an die Marx’sche Ökonomik haben Autorinnen wie etwa Gillian Howie (2010) versucht, feministische Theorien dialektisch zu entwickeln, da dies als besonders hilfreich für die Analyse von gesellschaftlichen Verhältnissen und der Wissensgewinnung erachtet werden kann (Hartsock 1998). In einer dialektischen Herangehensweise wird nicht von linearen Zusammenhängen ausgegangen, sondern von einem dynamischen Verständnis von möglicherweise widersprüchlichen Prozessen. Wirtschaftliche und soziale Entwicklung ergeben sich auch aus dem Spannungsverhältnis mit dem verschiedene Prozesse miteinander verbunden sind.

Zuletzt ist ein besonderer Ansatz der feministischen Ökonomik, der zur Zeit der zweiten Frauenbewegung entwickelt wurde, das “Bewusstsein wecken”. In geschützten Orten trafen sich Betroffene mit unterschiedlichen sozioökonomischen Hintergründen und zumeist Frauen, die im gemeinsamen Gespräch lernten, die verschiedenen Erfahrungen, die sie gesammelt hatten zu reflektieren und am Ende auch zu systematisieren (MacKinnon 1989, 87 ff.).

6. Ideologie und politische Ziele 

Feministische Ökonomik war und ist stets eng mit politischen und sozialen Bewegungen, insbesondere der Frauenbewegung, verbunden. Diese ist für Wahlrecht, Arbeitsmarktzugang, finanzielle Unabhängigkeit, Mitbestimmung in Gewerkschaften, sexuelle und körperliche Selbstbestimmung und Anerkennung eingetreten (Haidinger und Knittler 2014, 8, 15ff., 75f.). Zudem setzten sie sich seit den 1970er Jahren für eine Ausweitung des Arbeitsbegriffes ein, damit dieser nicht nur bezahlte Tätigkeiten mit einschließt (Mader und Schultheiss 2011, 416). Ziel von Theoriebildung und Analysen ist es dabei, Geschlechterhierarchien und andere Ungleichheiten aufzuzeigen, bestehende ökonomische und soziale Strukturen, Institutionen oder Gesetze zu kritisieren und Alternativen zu präsentieren, die die Emanzipation von Frauen, Ethnien und Klassen ermöglichen (vgl. Haidinger und Knittler, 38). Emanzipation wird dabei nicht einheitlich aufgefasst. Die Politikempfehlungen fallen je nach ökonomischer Theorieschule unterschiedlich aus: liberale femÖk fordert die Gleichstellung von Frauen in Bezug auf Lohn, Berufswahl (Chancengleichheit) oder Repräsentation in politischen Gremien und VWL-Fakultäten, beispielsweise über Quoten. Zudem fordert sie die Berücksichtigung der Genderdimension in polit-ökonomischen Entscheidungen (gender-mainstreaming). Hingegen fordert die kritische femÖk eine Umgestaltung der Ökonomie bis hin zur (revolutionären) Re-Organisation der Gesellschaft. Sie sieht die Einbindung von Frauen und Care-Arbeit in den Arbeitsmarkt als wichtigen emanzipatorischen Schritt an, weist jedoch auf die Doppelbelastung von Frauen, die weiterhin unbezahlte Care-Arbeit leisten, und Rationalisierungslogiken des Marktes hin. Letztere stehen im Widerspruch zu den Anforderungen von Care-Arbeit. Infolgedessen liegt ihr Fokus stärker auf den Strukturen, die Ungleichheiten hervorrufen (Haidinger und Knittler 75ff.).

Politische Ziele und Forderungen von Vertreter*innen der femÖk beinhalten Arbeitszeitverkürzung, Grundeinkommen oder radikalere Konzepte wie die Vier-in-Einem Perspektive von Frigga Haug. Diese Perspektive tritt für die Aufteilung von verfügbarer Zeit auf vier gleichberechtigte Sphären ein: neben Lohn- und Reproduktionsarbeit sind diese Ehrenamt und Freizeit (Haidinger und Knittler 2014, 150ff., Haug 2008). Des Weiteren schließen sich Forderungen kritischer feministischer Ökonomik auch an ökologische Bewegungen an und weisen auf die Verwobenheit der ökologischen Krise und der Krise der sozialen Reproduktion hin (siehe unten zu multipler Krise). Sie üben Kritik an kapitalistischen Wachstumslogiken - mit Anschluss an den degrowth-Diskurs - oder an (nachhaltiger) Entwicklung. Forderungen finden sich beispielsweise im Konzept der Commons (vgl. Federici 2011), der gemeinschaftlichen Organisation sowie Nutzung von Gütern und Ressourcen oder den sustainable livelihoods, die auf eine “selbstbestimmte Ressourcennutzung und Lebensgestaltung” (Bauhardt 2012, 14) abzielen.

Zudem ist es eine politische  Frage, wie Frauen in der Volkswirtschaftslehre vertreten sind und wie sich diese Tatsache auf Wissensproduktion und Politikempfehlungen auswirkt. Beispiele hierfür sind, dass die sozialen und ökonomischen Erfahrungen von Frauen, sowie auch die Bedeutung von unbezahlter Arbeit kaum in ökonomischen und politischen Analysen berücksichtigt werden. Somit ist es ein gemeinsames Anliegen der feministischen Ökonomik darauf hinzuweisen, dass die VWL nicht geschlechtsneutral ist. Außerdem sollen die Erfahrungen von Frauen in ökonomische Analysen eingebunden oder sogar ins Zentrum gerückt werden (vgl. Mader und Schultheiss 2011, 405 ff).

7. Aktuelle Debatten und Analysen

Im Folgenden werden beispielhaft  aktuelle Debatten in der feministischen Ökonomik vorgestellt, die von Seiten der verschiedenen Forschungstraditionen bearbeitet werden.

1. Zeitbudgetstudien und Gender Budgeting

In der Debatte um unbezahlte Arbeit liefern Zeitbudgetstudien eine Einsicht, wie Menschen ihre Zeit für Erwerbsarbeit, unbezahlte Reproduktionsarbeit, Freizeit etc. verwenden. Diese Studien “sind aus Genderperspektive deshalb relevant, weil sie als Indikator für ökonomische Wertschöpfung nicht Geldströme messen, sondern zeitliche Belastungen” (Bauhardt 2012, 4). Sie ermöglichen bspw. Berechnungen, die den Anteil von unbezahlter Arbeit am bisherigen BIP aufzeigen (Haidinger und Knittler 2014, 134f.). Eine Studie des Statistischen Bundesamtes (2015) zeigt beispielsweise die Zeitverwendung von Frauen und Männer in Deutschland im Zeitraum 2012/2013. Im Unterschied zum Zeitraum 2001/2002 ist der Zeitaufwand für unbezahlte Arbeit für beide Geschlechter gesunken, Frauen verwenden jedoch zwei Drittel ihrer Arbeitszeit für unbezahlte Tätigkeiten, bei Männern liegt  dies bei weniger als die Hälfte.

Gender budgeting umfasst die Analyse der geschlechtsspezifischen Wirkung von staatlichen Einnahmen und Ausgaben, zum Beispiel den Einfluss von Besteuerung oder Ausgaben auf Kinderbetreuung auf die ökonomische Situation von Frauen. Haidinger und Knittler bezeichnen es als aktuell “einflussreichstes Konzept und Instrumentarium feministischer Ökonomie” (Haidinger und Knittler 2014, 139). Gender budgeting ist mittlerweile ein viel beachtetes Konzept, das z.B. in Österreich in der Verfassung verankert ist.

2.  Gender und Austerität

Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise, die in den späten 2000er Jahren begann und in vielen Teilen der Welt weiterhin andauert, spannte sich auch für die femÖk ein weites Forschungsfeld auf. Eine zentrale, sich aus der Krise ableitende Forschungsfrage ist: Wie wirkten sich Rezession, Rettungsmaßnahmen, Austerität und deren ökonomische und soziale Konsequenzen auf Frauen und Geschlechterverhältnisse aus? Zwar waren Berufe, in denen Männer besonders präsent sind, stärker von der Rezession betroffen, jedoch wirkten sich die anschließenden Austeritätsprogramme in der zweiten Welle der Krise vermehrt negativ auf Frauen aus. So waren beispielsweise öffentliche Institutionen von Kürzungen betroffen und die Streichung staatlicher Maßnahmen setzte auf den Ersatz von Sorge- und Pflegearbeit im Privaten, wodurch diese wieder vermehrt zu Hause verrichtet wurde. Zudem ist in einigen Europäischen Staaten ein konservativer Rollback zu verzeichnen, durch den genderpolitische Errungenschaften zur Debatte stehen. Gleichzeitig stellt sich für kritische femÖk die Frage, ob und wie die Krise Raum für kapitalismuskritische Interventionen bietet (vgl. Karamessini und Rubery 2013). In diesem Zusammenhang wird mit dem Begriff der multiplen Krise verdeutlicht, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise, die Umweltkrise und die Krise der sozialen Reproduktion keine voneinander getrennt zu betrachtende Phänomene, sondern unterschiedliche Gesichter eines krisenhaften Kapitalismus sind (siehe Brand 2009).        

3.  Frauen und „Entwicklung“

Frauen und „Entwicklung“ ist ein breites Forschungsfeld innerhalb der femÖk. Es untersucht die Rolle von und Rückwirkung auf Frauen in Globalisierungsprozessen und wirtschaftlicher Entwicklung sowie die Einbindung von Subsistenzwirtschaft in Marktprozesse. Oft stehen Mikrokredite oder Frauen im ländlichen Raum im Fokus. Weiterhin spielen die Rechte von Frauen und die Berücksichtigung von gender in Entwicklungsstrategien eine wichtige Rolle (siehe gender budgeting). Aktuell werden diese Diskussionen im Zusammenhang mit den neuen Zielen nachhaltiger Entwicklung der UN (Sustainable Development Goals) geführt. Darüber hinaus wird der Begriff der Entwicklung auch aus feministischer Perspektive hinterfragt und kritisiert (vgl. Bauhardt 2012). (beispielsweise: Special Issue of Feminist Economics on Land, Gender, and Food Security 2014, 20(1); Gender & Development Volume 24, Issue 1, March 2016 - The Sustainable Development Goals).

4. Care-Ökonomie und die Global Care Chain:

Der Begriff global care chain (globale Betreuungskette) wurde von Arlie Hochschild (2000) geprägt. Er steht für eine Reihe komplexer Prozesse, die sich, vereinfachend dargestellt, durch die Einbindung von Frauen aus westlichen Industriestaaten in den Arbeitsmarkt ergeben. Diese Entwicklung führt zur Anstellung weiblicher Migrant*innen als Hausarbeiter*innen, Pflegekräfte etc., deren Kinder dann wiederum von anderen Familienmitgliedern oder weiblichen Hilfskräften aus wirtschaftlich schwächeren Ländern betreut werden (Haidinger und Knittler 2014, 120ff.). In diesem Forschungsfeld stellen sich Fragen zu Vermarktlichung von Reproduktionsarbeit, sozialer Sicherung, Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern, Arbeitsentscheidungen oder der staatliche Bereitstellung von Betreuungsmöglichkeiten. In der Analyse der Care-Ökonomie werden oft die oben beschriebenen Zeitbudgetstudien verwendet. Des Weiteren beschäftigen sich Analysen auch mit globaler Ungleichheit, Sexarbeit, der Feminisierung von Migration und der Rolle von Rücküberweisungen (remittances) in Herkunftsstaaten. (u.a. Special Issue of Feminist Economics on Gender and International Migration 2012, 18(2) oder Forthcoming special issue of Feminist Economics zu Sex work and Trafficking 2016).

8. Abgrenzung: Unterschulen, andere ökonomische Theorien, andere Disziplinen

Dieser Absatz bietet einen kurzen Überblick über historische Entwicklungen der femÖk, sowie eine Differenzierung unterschiedlicher Theorierichtungen - denn feministische Ökonom*innen haben zwar die gemeinsame Perspektive, Geschlechterdimensionen in der Ökonomie und die Interaktion von Ökonomie und Geschlechterungleichheiten zu analysieren, verfügen jedoch über kein einheitliches Theoriegebäude (für den Absatz vgl. Knittler und Haidinger 2014, Mader und Schultheiss 2011).

Bis zum heutigen Tag sind Frauen in der Ökonomie wenig sichtbar. In der Geschichte des ökonomischen Denkens werden Frauen kaum erwähnt, obwohl bereits im 19. Jahrhundert Theoretiker*innen zu ökonomischen Themen schrieben: Beispielsweise verfassten Jane Marcet (1769-1858) und Harriet Martineau (1802-1876) wichtige Standardwerke der politischen Ökonomie. Auch publizierten Frauen nicht immer unter ihren eigenen Namen. Harriet Taylor Mill gehört z.B. zu den „herausragendsten Intellektuellen und führenden Persönlichkeiten der Ersten Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts in England“ (Haidinger & Knittler 2014, 18). Mill verfasste viele Werke gemeinsam mit ihrem Mann John Stuart Mill unter dessen Namen und setzte sich u.a. für die Erwerbstätigkeit von Frauen ein. Rosa Luxemburg schrieb mit „Die Akkumulation des Kapitals“ ein zentrales Werk marxistischer Theorie. Zudem waren viele Theoretiker*innen stark mit den Frauenbewegungen verbunden oder sie setzten sich in der Arbeiter*innenbewegung für die Erwerbstätigkeit von Frauen und deren Aufnahme in Gewerkschaften ein (u.a. Clara Zetkin, August Bebel).

Auch die Herausbildung der feministischen Ökonomie als Disziplin war eng verwoben mit sozialen, politischen und ökonomischen Veränderungsprozessen. Eine wichtige Rolle spielten dabei unter anderem die politischen Forderungen der Zweiten Welle des Feminismus in den 1970er Jahren. Als Meilensteine der Feministischen Ökonomie gelten die Werke „Beyond Economic Man: Feminist Theory and Economics“ von Julie Nelson und Marianne A. Ferber (1993) sowie „If Women Counted“ von Marilyn Waring (1988). Darin wurden unbezahlte Arbeit, Kritik an der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, aber auch die mangelnde Präsenz von Frauen in der Wissenschaft thematisiert. Mit Gründung der International Association for Feminist Economics 1992 und dem Journal Feminist Economics 1995 erhielt die Feministische Ökonomik eine institutionalisierte Austauschplattform. Da zunehmend Frauen in der Erwerbsarbeit tätig wurden, verschoben sich die Forderungen und Analysen seit den 1970er Jahren – hin zu Unterschieden auf dem Arbeitsmarkt, Makroökonomie, Care-Arbeit, Wissensproduktion und Identitäten.

Innerhalb des sehr diversen Feldes der Feministischen Ökonomik können insbesondere drei Richtungen hervorgehoben werden, die auch den Strömungen der Feministischen Theorie ähneln

  • Liberale femÖk: streben die Gleichstellung der Geschlechter an. Dieses Ziel kann über gleichberechtigten Zugang zum Arbeitsmarkt und Institutionen   erreicht werden. Strukturen sollen den Individuen die Möglichkeit geben, ihre individuellen Potentiale zu verwirklichen. Liberale femÖk analysieren dabei beispielsweise Hürden, die Frauen diesen Zugang erschweren, untersuchen Lohnunterschiede oder die Effekte polit-ökonomischer Instrumente auf Frauen und deren ökonomische Entscheidungen.
  • Konstruktivistische femÖk: hinterfragen die Zuschreibung von Geschlechtsidentitäten und gehen zudem von deren Wandelbarkeit aus. Diese Identitäten formen ökonomische Entscheidungen, Strukturen und Prozesse – gleichzeitig haben diese eine Rückwirkung auf die Identitäten und wirken sich auf andere Sphären aus. Die Performativität von Geschlecht spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Beispielsweise stellt sich die Frage, ob Frauen durch die Ausübung weiblich konnotierter Tätigkeiten und die Erfüllung gesellschaftlicher Erwartungen Geschlechterdifferenzen und -stereotype reproduzieren und verfestigen.           
  • Kritische femÖk: beziehen sich weniger auf Identitäten als auf die materialistische Grundlage, die zentral für die Analyse von Ungleichheiten ist. Marxist*innen um Silvia Federici und Mariarosa Dalla Costa stießen in den 1970er mit der Lohn-für-Hausarbeitsdebatte eine Diskussion um unbezahlte Reproduktionsarbeit und deren Rolle im Produktionsprozess an. Ein zentraler Aspekt ist die Kritik an der marxistischen Arbeitswertlehre, die die Reproduktionsarbeit von Frauen ausblendet. Hausarbeit wird wie Lohnarbeit als Ausbeutungsverhältnis begriffen. Heute problematisieren sie weiterhin das Ineinanderwirken von Kapitalismus und Geschlechterungerechtigkeit und die Notwendigkeit von unbezahlter Reproduktionsarbeit für die kapitalistische Produktion.        

9. Unterschiede zum Mainstream  

Women have been largely absent not only as economic researchers but also as the subjects of economic study“ (Ferber und Nelson 1993, 4)

Feber und Nelson betonten bereits 1993 in „Beyond Economic Man“, die zweifache Geschlechterblindheit der Volkswirtschaftslehre. Zum einen werden Realitäten von Frauen aus ökonomischen Theorien und Analysen ausgeblendet. Zum anderen sind Frauen kaum in der ökonomischen Wissenschaft vertreten. Diese Tatsache wirkt wiederum auf die Theoriebildung zurück, da letztere ein androgynes Menschenbild forciert und Geschlechterdimensionen in der Ökonomie vernachlässigt. Somit ist es der feministischen Ökonomik im Gegensatz zum Mainstream ein Hauptanliegen, gegenderte soziale Prozesse, wie zum Beispiel Arbeitsteilung, in ökonomische Analysen mit einzubeziehen. Wenn Macht- und Herrschaftsverhältnisse eingeblendet werden, müssten viele Annahmen und Erklärungen der Mainstream Ökonomie, beispielsweise wie sich Löhne bilden, überdacht werden. Ein bekanntes Beispiel für die Machtblindheit ökonomischer Theorie ist Gary Beckers New Home Economics, eine der wenigen neoklassischen Analysen, die Hausarbeit berücksichtigt: Entscheidungen, welcher Teil der Familie arbeitet und welcher die Hausarbeit leistet, werden in seiner Analyse innerhalb einer Familie auf Basis rationaler Entscheidungen getroffen (u.a. wer über das höhere Einkommen verfügt). Aufgrund “komparativer Produktionsvorteile” (Çağlar 2009, 224), die Frauen in der Theorie biologisch in der Reproduktionsarbeit zugeschrieben werden, tendieren sie zu Hausarbeit, Männer zu Lohnarbeit. Entscheidungen werden dabei von einem altruistischen (männlichen) Hausvorstand getroffen und abweichende Präferenzen, sowie die Rückwirkungen dieser Entscheidungen werden nicht analysiert (Ferber 2003). Pujol argumentiert, dass das Frauenbild der Neoklassik hier noch dem der Gründungsvätern wie Pigou, Jevons, Edgeworth oder Marshall ähnelt,  in dem Frauen als Hausfrau, abhängig vom Mann, verheiratet und Kinder habend, sowie als irrational und unproduktiv beschrieben werden (Pujol 1995, 17f.).

Daran anschließend richtet sich ein weiterer zentraler Kritikpunkt gegen das neoklassische Menschenbild des homo oeconomicus (vgl. Habermann 2008), der rational, nutzenmaximierend und autonom auf dem Markt agiert und ein männliches, weißes Subjekt repräsentiert. Denn nicht zuletzt wurde das Idealbild von Männlichkeit und Weiblichkeit, des Privaten und Öffentlichen zur Zeit der Herausbildung der Neoklassik in Europa geprägt. Im Gegensatz dazu sieht die femÖk Menschen als eingebettet in soziale und ökonomische Strukturen, die Entscheidungen und Handlungs(un)möglichkeiten bestimmen. Der homo oeconomicus suggeriert zudem die Existenz eines u.a. irrationalen, weiblichen und emotionalen Anderen, dem die weibliche Sphäre des „Privaten“ zu Teil wird. Dies setzt an einer weiteren Kritik der femÖk an: der Unterteilung in die Sphären Markt und Haushalt. Auf dem Markt finden produktive (männliche), im „Privaten“ unproduktive (weibliche) Tätigkeiten statt. Diese Sichtweise markiert zum einen unbezahlte Tätigkeiten als unproduktiv und nicht wertschaffend. Zum anderen blendet sie die Rolle reproduktiver Tätigkeiten im Produktionsprozess aus und wirkt sich auf makroökonomische Aggregate aus. Dementsprechend werden in der VGR diese Tätigkeiten nicht berücksichtigt. Aufgrund dessen sind laut femÖk Indikatoren wie das BIP für die Messung von Wohlstand unangebracht.

10. Institutionen

Journals:

Feminist Economics: http://www.feministeconomics.org/

Viele feministische Ökonom*innen publizieren in VWL-Journals, Journals der Politikwissenschaft oder der Soziologie: Femina Politica; Gender & Development; Feminist Review; Feminist Studies; Gender, Work & Organization; International Feminist Journal of Politics; Feminist Theory; Politics & Gender; Gender & Society;

Vereinigungen, Think Tanks:

International Association for Feminist Economics: http://feministeconomicsposts.iaffe.org/; Feministisches Institut Hamburg (http://www.feministisches-institut.de/), Economy, Feminism and Science (efas) (http://efas.htw-berlin.de/), Netzwerk Vorsorgendes Wirtschaften (http://www.vorsorgendeswirtschaften.de/)

Literatur

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Zugewiesene Kursmodule

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Global Trends in a Changing Social World Universität Hamburg flexibel leicht
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Organisationen und Links

Literatur

Gender and Economics. Feministische Kritik der politischen Ökonomie
Bauhardt, C.; Çağlar, G.
Publikationsjahr: 2010
VS Verlag für Sozialwissenschaften

Feministische Ökonomie: Intro.
Haidinger, B; Knittler, K.
Publikationsjahr: 2014
Mandelbaum

Beyond Economic Man. Feminist Theory and Economics
Ferber, M. A.; Nelson, J. A. (Eds.)
Publikationsjahr: 1993
University of Chicago Press

Der homo oeconomicus und das Andere
Habermann, F.
Publikationsjahr: 2008
Nomos

The Elgar Companion to Feminist Economics
Peterson, J.; Lewis, M. (Eds.)
Publikationsjahr: 2001
Edward Elgar Publishing

Feministische Ökonomie – Antworten auf die herrschenden Wirtschaftswissenschaften
Mader, K; Schultheiss, J.
Publikationsjahr: 2011
“Kritik der Wirtschaftswissenschaften”, PROKLA 164, 41(3). Westfälisches Dampfboot