Plurale Feministische Ökonomie

Plurale Feministische Ökonomie
Ulrike Knobloch
Universität Vechta, 2021
Level: leicht
Perspektiven: Neoklassik, Marxistische Politische Ökonomik, Feministische Ökonomik, Institutionenökonomik, Ökologische Ökonomik
Thema: Verhalten, Betriebswirtschaft, Kapitalismus, Ökonomische Geschichte, Feminismus, Gender, Geschichte des ökonomischen Denkens, Institutionen, Einführungskurse, Arbeit & Care, philosophy of economics
Format: Kursbeschreibung/Syllabus

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Plurale Feministische Ökonomie

Dieser Kurs wurde ursprünglich an der Universität Vechta im Sommersemester 2019 gelehrt. 
Ulrike Knobloch


Kurszusammenfassung

Im Kurs „ Plurale Feministische Ökonomie“ lernen die Studierenden einerseits orthodoxe und heterodoxe Wirtschaftstheorien aus Geschlechterperspektive zu analysieren, z.B. Neoklassische, Institutionelle und Marxistische Ökonomie. Andererseits setzen sie sich mit den Ansätzen Feministischer Ökonomie kritisch auseinander, insb. Haushaltstheorie, Subsistenztheorie, Sorge- und Versorgungsökonomie und lernen dabei die Bedeutung des jeweiligen Ansatzes für die Gestaltung eines zukunftsfähigen und geschlechtergerechten Wirtschaftssystems kennen. Dadurch erwerben die Studierenden die Fähigkeit, über aktuelle wirtschaftspolitische Probleme zu diskutieren und neue Lösungswege zu durchdenken.

Die Studierenden lernen die Geschichte des ökonomischen Denkens aus einer geschlechtersensiblen Perspektive kennen. Danach widmen sie sich verschiedenen ökonomischen Denkschulen aus feministischer Perspektive. Abschließend stehen ethisch-philosophische Perspektiven auf die feministische Ökonomie im Mittelpunkt. Da der Kurs eine historische Perspektive abdeckt, in theoretischen Pluralismus einführt sowie eine interdisziplinäre Perspektive eröffnet, berücksichtigt er verschiedene Dimensionen einer Pluralen Ökonomik.  Der Kurs „Plurale Feministische Ökonomie“ ist Teil des Moduls zur Pluralen Ökonomik, in dem auch der Kurs „Einführung in die Plurale Ökonomik“ angeboten wird. Im Kurs „Einführung in die Plurale Ökonomik“ erhalten die Studierenden einen Überblick über verschiedene Denkschulen und Debatten zur Pluralen Ökonomik. Beide Kurse sind miteinander verbunden und bauen aufeinander auf, können jedoch auch einzeln gelehrt werden.
 

Übungen und Prüfungen 

Für das Modul ist ein Portfolio zu erstellen. Laut Rahmenprüfungsordnung dokumentiert ein Portfolio den Lernprozess der Prüfungskandidat*innen durch Zusammenstellung geeigneter Texte oder Daten, Recherchen oder Hausaufgaben, Artikel und ähnlicher Materialien sowie einer abschließenden Reflexion. Es besteht aus mehreren Aufgaben sowie einem abschließenden Bericht, in dem die Studierenden ihre Lernerfahrungen reflektieren.

Um den eigenen Lernprozess zu dokumentieren, sind für das Modul acht der von den Dozent*innen für jede Veranstaltung bereitgestellten Aufgaben zu lösen. Die Abgabe der Aufgaben erfolgt am Vorabend der Veranstaltung bis 20:00 Uhr digital über die universitäre Lernplattform. Die Abgabe des abschließenden Reflexionsberichtes von 8-10 Seiten erfolgt nach Ende der Vorlesungszeit digital über die Lernplattform.

Termine und Themen

Liste der behandelten Themen und Literatur 

Sitzung 1 Feministische Ökonomie: Überblick

  • In der ersten Sitzung erhalten die Studierenden einen Überblick über die Entwicklung der feministischen Ökonomie, zentrale Begriffe und Themen sowie ihre Institutionalisierung seit den 1980er Jahren.

Literatur: 

  • Knobloch, Ulrike (2020): Plurale Feministische Ökonomie und ihre normati¬ven Grundlagen, in: Julia Hahmann, Ulrike Knobloch, Melanie Kubandt, Anna Orlikowski & Christina Plath (Hg.): Geschlechterforschung in und zwischen den Disziplinen: Gender in Soziologie, Ökonomie und Bildung, Opladen: Verlag Barbara Budrich, 101-119.

Sitzung 2 Alte Ökonomik und Geschlecht

  • In dieser Sitzung gehen die Studierenden der Geschichte des Begriffs „Ökonomie“ nach und diskutieren auf der Grundlage der Vorbereitungslektüre – dem ersten Buch aus Aristoteles’ Politik – die Bedeutung der „Kunst der Haushaltsführung“ damals und heute. Im Zuge der industriellen Revolution und der Entstehung der „modernen Wirtschaftswissenschaften“ geht diese Form der Ökonomie, die sich auf den Haushalt bezieht, in der ökonomischen Wissenschaft verloren.

Literatur: 

  • Aristoteles (1973): Politik, herausgegeben von Olof Gigon, München: dtv, 47-68 (Erstes Buch).

Sitzung 3 Klassische Ökonomie und Geschlecht

  • Die Studierenden setzen sich in dieser Sitzung mit drei klassischen Ökonom*innen auseinander, nämlich Adam Smith, John Stuart Mill und Harriet Taylor. In Smith‘ Denken wird die Haushaltsführung zwar weiterhin vorausgesetzt, aber nicht mehr eigenständig betrachtet. Mit einem Blick auf die Beziehung von John Stuart Mill und Harriet Taylor wird deutlich, wie Harriet Taylor maßgeblich an vielen Werken, die John Stuart zugeschrieben werden, beteiligt war. Inhaltlich treten in ihren gemeinsamen Werken frühe feministische Ideen auf, die die Studierenden kritisch reflektieren.   

Literatur: 

  • Pujol, Michèle (1992): Feminism and Anti-Feminism in Early Economic Thought, Chap.1: Adam Smith, John Stuart Mill, Harriet Taylor and Barbara Bodichon, Cheltenham: Edward Elgar, 15-47.

Sitzung 4 Orthodoxe Wirtschaftstheorien und Geschlecht

  • Auf Grundlage der Vorbereitungslektüre vermittelt die Dozentin in dieser Sitzung die Trennung von orthodoxer und heterodoxer feministischer Ökonomie. Die Studierenden vollziehen die heterodoxe feministische Kritik am Homo oeconomicus, der Humankapitaltheorie und den New Home Economics nach. Sie lernen Orthodoxie und Heterodoxie zu unterscheiden und das breite Spektrum der feministischen Ökonomie einführend kennen.

Literatur: 

  • Yollu-Tok, Aysel, Fabiola Rodríguez Garzón (2018): Feministi¬sche Ökono¬mik als Gegenprogramm zur Standardökonomik, in: List Forum für Wirt¬schafts- und Finanzpolitik 44, 4, 725-762.

Sitzung  5 Betreibswitschaftslehre aus Geschlechterperspektive

  • In der fünften Sitzung wird den Studierenden ein Überblick über Geschlechterperspektiven in der Betriebswirtschaftslehre (BWL) vermittelt. Historisch wird die Beteiligung von Frauen an der Entwicklung der BWL nachvollzogen und zudem einführende Literatur in das Thema vorgestellt. 

Literatur: 

  • Maier, Friederike (2019): Wirtschaftswissenschaften: Entwicklungen der feministischen Ökonomik, in: Beate Kortendiek, Birgit Riegraf & Katja Sabisch (Hg.): Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung, Band 1, Wiesbaden: Springer VS, 643-650.

Sitzung 6 Materialistischer Feminismus

  • In dieser Sitzung vermittelt die Gastdozentin Ann-Christin Kleinert den Studierenden einen Überblick über die Entwicklung des Materialistischen Feminismus. Entlang der Dimensionen Ontologie, Epistemologie, Methodologie und Ethik/Politik wird der materialistische Feminismus wissenschaftstheoretisch verortet. Anschließend werden Marxistischer Feminismus, Materialistischer Feminismus aktuell sowie feministische Kapitalismuskritiken vorgestellt und auf aktuelle Fragestellungen bezogen. Die Sitzung wurde als interaktiver Gastvortrag gestaltet.

Literatur: 

  • Löw, Christine & Katharina Volk (2017): Materialität – Materialismus – Feminismus: Konturen für eine gesellschaftskritische globale Perspektive, in: Christine Löw, Katharina Volk, Imke Leicht & Nadja Meisterhans (Hg.): Material turn: Feministische Perspektiven auf Materialität und Materialismus. Opladen: Verlag Barbara Budrich, 69-93.

Sitzung 7 Feministische Institutionelle Ökonomie

  • Die Studierenden lernen in dieser Sitzung die Verknüpfungen von Feministischer und Alter Institutioneller Ökonomie kennen. Neben Institutionalist*innen in der Vergangenheit  werden aktuelle feministische heterodoxe institutionelle Ökonom*innen vorgestellt. Die Studierenden beschäftigen sich anschließend in Kleingruppen damit, inwiefern die Alte Institutionelle Ökonomie hilft, Geschlechterungleichheiten zu erkennen und zu beseitigen.

Literatur: 

  • Mayhew, Anne (1999): Institutional Economics, in: Janice Peterson & Margeret Lewis (Hg.): The Elgar Companion to Feminist Economics, Cheltenham and Northampton MA: Edward Elgar, 479-486.

Sitzung 8 Feministische Ökologische Ökonomie und Postwachstumtheorie

  • In der achten Sitzung erhalten die Studierenden einen Überblick über die historische Entwicklung der feministisch-ökologischen Ökonomie. Sie lernen grundlegende Thesen aus Standardwerken von Maria Mies und Val Plumwood sowie unterschiedliche ökofeministische Strömungen kennen (materialistischer Ökofeminismus, postkolonialer Ökofeminismus). Zudem diskutieren sie vorgeschlagene Politikmaßnahmen für eine gerechte Verteilung von Sorgearbeit in einer Postwachstumsgesellschaft.

Literatur: 

  • Dengler, Corinna; Lang, Miriam (2019): Feminism Meets Degrowth. Sorgearbeit in einer Postwachstumsgesellschaft. In: Knobloch, Ulrike (Hrsg.): Ökonomie des Versorgens. Feministisch-kritische Wirtschaftstheorien im deutschsprachigen Raum. Weinheim: Beltz Juventa, S. 305–330.

Sitzung 9 Ethische Praxis im Kapitalismus 

  • Durch den Gastvortrag von PD Dr. Sabine Plonz, Universität Vechta, erhalten die Studierenden einen theologischen Blick auf die Entwicklung und Veränderung der Wirtschaftswissenschaften sowie die ökonomischen Ideen in biblischen Schriften.

Literatur: 

  • Plonz, Sabine (2019): Menschwerdung und ethische Praxis im Kapitalismus, in: Ulrike Knobloch (Hg.): Ökonomie des Versorgens: Feministisch-kritische Wirtschaftstheorien im deutschsprachigen Raum, Weinheim Basel: Beltz Juventa, 169-195.

Sitzung 10 Kritische Fragen an die Ökonomie

  • Die Gastdozentin Prof. Dr. Cornelia Klinger wirft in einem interaktiven Gespräch mit den Teilnehmenden durch ihre philosophische Denkweise neue Fragen auf. Die Teilnehmenden sind dazu eingeladen, Bezüge zwischen den vorhergegangenen Sitzungen herzustellen sowie sich Fragen zu Ungleichheit, Körper und Geist zu stellen. 

Literatur: 

  • Klinger, Cornelia (2014): Feministisch-kritisches Denken im 21. Jahrhundert, Gespräch mit Ulrike Knobloch, in: Denknetz Jahrbuch 2014, 71-85.

Sitzung 11 Abschluss

  • Der Kurs endet mit einer Diskussion der offenen Fragen und den Feedbacks von und an die Studierenden.

Begleitende Materialien zur Vorlesung

Einführende Literatur 

  • Barker, D.K. & Kuiper, E. (eds.) (2010). Feminist Economics: Critical Concepts in Economics, 4 Volumes. New York: Routledge. 
  • Haidinger, Bettina & Käthe Knittler (2014): Feministische Ökonomie. INTRO. Eine Einführung, Wien: mandelbaum.
  • Jacobsen, Joyce P. (2020): Advanced Introduction to Feminist Economics, Cheltenham: Edward Elgar.
  • Knobloch, Ulrike (Hg.) (2019): Ökonomie des Versorgens. Feministisch-kritische Wirtschaftstheorien im deutschsprachigen Raum, Weinheim: Beltz Juventa.

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