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Post-Keynesianismus

Jakob Kapeller
Exploring Economics, 2022
Level: leicht
Perspektive: Postkeynesianismus
Thema: Makroökonomik
Format: Grundlagentext

Postkeynesianismus

 



 

Einleitung

Der Postkeynesianismus bezeichnet ein alternatives ökonomisches Paradigma, welches in der wirtschaftstheoretischen Tradition von Keynes anzusiedeln ist. Die Anhänger des Postkeynesianismus behaupten dabei die langfristige Gültigkeit der keynes´schen Theorie. Dabei stellen die Aussagen aus dem ökonomischen Hauptwerk von Keynes „The General Theory of Employment, Interest an Money“ von 1936, den Ausgangspunkt für diese Denkschule dar. Der Postkeynesianismus ist jedoch nicht als homogene Denkschule zu sehen, da in ihm einige verschiedene Subströmungen existieren, die teilweise von interdisziplinären Unterschiedlichkeiten gekennzeichnet sind. 
Im Folgenden werden zunächst zwei zentrale Denkfiguren und Weltbilder des Postkeynesianismus vorgestellt. Anschließend folgt eine historische Betrachtung des Ursprungs und der Entwicklung des ökonomischen Paradigmas. Auch sollen zentrale Personen vorgestellt werden, die darauf einen Einfluss hatten. Angefangen von Marshall und Roosevelt über Keynes selbst, bis hin zu einzelnen Vertretern des Postkeynesianismus. Im Anschluss daran, werden einige zentrale Hypothesen und Modelle erläutert, bevor schließlich auf die Bereiche der Werte, Ziele und Politik eingegangen wird. Abschließend wird ein kurzer Verweis auf die im Postkeynesianismus verwendeten Methoden, sowie auf wichtige Institutionen und Journale vorgenommen. Im letzten Abschnitt werden einige Kritikpunkte an der postkeynesianischen Theorie aufgegriffen.

Denkfiguren und Weltbild

Das postkeynesianische Weltbild kann in folgende Punkte unterteilt werden:

Bild vom Markt

„The point of the post-Keynesian approach is that it is no longer sufficient to appeal to the impersonal forces of perfectly competitve markets to justify economic conditions“ (Kregel 1979: 60). Der Kern des Postkeynesianismus besteht also darin, dass man sich nicht damit begnügt, die Kräfte des perfekten Wettbewerbsmarktes als Ursache der ökonomischen Gegebenheiten zu sehen. Das neoklassische Marktverständnis vom automatischen, effizienten Gleichgewichtszustand, wird seitens der Postkeynesianer – in Analogie zu Keynes - durch Instabilitäts- und Ungleichgewichtstendenzen ersetzt. Demnach gibt es keinen automatischen Mechanismus, der weder zu einem Gleichgewicht auf dem Güter-, oder auf dem Arbeits-, noch auf irgendeinem anderen Markt, führt. Stattdessen kann es zu ökonomischen Schocks und Konjunktureinbrüchen kommen, die die gesamtwirtschaftliche Nachfrage negativ beeinflussen, in Folge dessen auch die Produktion und die Beschäftigungsrate rückläufig ist. Um aus einer wirtschaftlichen Krisenperiode auszubrechen, bedarf es einer staatlichen Interventionspolitik, die auf eine Stärkung der Nachfrageseite abzielt.

Zusammengefasst besitzt das neoklassische Gleichgewichtspostulat in der Theorie und in der Wirtschaftspolitik kaum eine Bedeutung. Hingegen werden Elemente wie Komplexität, Einmaligkeit und Unübersichtlichkeit von wirtschaftlichen Situationen, sowie Instabilitäten, hervorgehoben (vgl. Hoffmann 1987: 27f). 

Bild vom Menschen

Das Menschenbild im Postkeynesianismus ist durch psychologische Aspekte gekennzeichnet. Die ausschließliche Reduktion auf rationale Verhaltenskomponenten, wie dies in der Neoklassik unter der Bezeichnung des homo oeconomicus der Fall ist, wird in dieser Form strikt abgelehnt. 

In der keynes´schen Tradition spielen vor allem die Erwartungen der Unternehmer eine wichtige Rolle. Ihre Erwartungen drücken sich in Form der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals aus, welche entscheidend an der Höhe der Investitionsnachfrage beteiligt ist (siehe: 5.1.). Grundsätzlich unterliegen alle Entscheidungen, also nicht nur jene der Unternehmer, dem Faktor der Unsicherheit. Gemäß diesem Verständnis werden alle wirtschaftlichen Entscheidungen aus dem Standpunkt einer prinzipielle Unsicherheit, über zukünftige Ereignisse heraus, getroffen (vgl. Röhl 2002: 20f). Das Bild vom rationalen, vollständig informierten Menschen in der Tradition der Neoklassik, wird also durch Aspekte der Unsicherheit und der Erwartungsbildung ersetzt.

Herkunft und Entwicklung

Der Begriff des Keynesianismus geht auf seinen Begründer John Maynard Keynes (1883- 1946) zurück und bezeichnet eine volkswirtschaftliche Denkschule, die sich als eine Gegenposition zur neoklassischen Lehre betrachtet. Seine Ursprünge reichen bis in die frühen Dreißigerjahre des 20. Jahrhunderts zurück, als Keynes in seinem Werk „A Treatise on Money“ erste Kritiken an der herrschenden neoklassischen Theorie formulierte, das Werk jedoch auf Grund der Veränderungen seiner eigenen Ansichten zum Teil Widersprüche enthält und kein konsistentes Gesamtbild vermitteln kann (vgl. Kromphardt 2013: 40f). So räumt Keynes in seinem Vorwort ein: „Bei der Durchsicht der Korrekturbogen dieses Buches werde ich mir seiner Mängel aufs deutlichste bewusst. Ich habe mich mehrere Jahre damit beschäftigt, in denen ich noch andere Dinge zu tun hatte. Während dieser Zeit haben sich meine Gedanken entwickelt und gewandelt, so dass nicht alle Teile des Buchs völlig miteinander im Einklang sind. Die Anschauungen, mit denen ich diese Arbeit beendete, unterscheiden sich stark von denjenigen, die mich zu Anfang beherrschten“ (Keynes 1983: V). Als Folge dieser eigenen Unzufriedenheit begann er vier Jahre später mit der Ausarbeitung seines großen ökonomischen Hauptwerkes, welches, sowohl in der Wirtschaftstheorie, als auch in der Wirtschaftspolitik, eine Revolution auslösen wird. 

Keynes ideengeschichtliche Vorstellungen basierten auf den realgeschichtlichen Entwicklungen der Wirtschaft in den 1920er Jahren. So stieg in den USA und Deutschland die Arbeitslosigkeit nach dem ersten Weltkrieg sukzessive an. In Großbritannien sanken die Zahlen zwar bis 1924 auf etwa 8% herab, jedoch folgte im nächsten Jahrzehnt ein massiver Anstieg auf bis zu 17% (vgl. Hatton 1994: 360). Keynes forderte deswegen 1926 in seiner Schrift „The End of Laissez Faire“ einen Wandel in der Wirtschaftspolitik zu Gunsten einer aktiveren staatlichen Rolle. Seine Vorschläge wurden allerdings von einem Großteil der Fachöffentlichkeit scharf kritisiert und als unbrauchbar abgetan (vgl. Pierenkemper 2012: 193f). Im Zuge der Weltwirtschaftskrise verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation in den genannten Ländern nochmals deutlich. Die Krise nahm ihren Ursprung, als im Oktober 1929 an der New Yorker Börse die Aktienblase platze und die Börsenkurse einen drastischen Einbruch erlebten. Es folgte eine Ausweitung auf die Realwirtschaft in Form von Einschränkungen der unternehmerischen Investitionen und Konsumausgaben der Haushalte. Da die europäischen bei den US- amerikanischen Banken – auf Grund des ersten Weltkriegs – stark verschuldet waren, sprang die Krise in jenem Moment auf Europa über, als die US- Banken die gewährten Kredite nicht mehr verlängern konnten (vgl. Kromphardt 2013: 54f). Folglich kam es auch in Europa zu einer Phase der wirtschaftlichen Depression mit hohen Arbeitslosenzahlen. So erreichte in Deutschland die Arbeitslosenquote ihren Höchststand bei etwa 30% (vgl. Zinn 1998: 39; Abelshauser 2004: 301), in Großbritannien bei etwa 23% (vgl. Chick 1983: 7) und in den USA bei rund 25% (vgl. Lance et al. 1961: 95). Trotz der anhaltenden wirtschaftlichen Probleme, hielt die Mehrheit der orthodoxen Ökonomen immer noch an dem Konzept der Selbstheilungskräfte der Märkte fest. Keynes sah im Gegenzug mehr denn je die Notwendigkeit für ein aktives staatliches Eingreifen gegeben. 

Im Jahr 1933 übernahm in den USA Franklin Delano Roosevelt das Präsidentenamt von Herbert Hoover. Roosevelt versuchte mit seinem New Deal Programm die Probleme der Depression und Massenarbeitslosigkeit im Land zu überwinden, in dem eine Reihe an Wirtschafts- und Sozialreformen durchgeführt wurden, wie etwa eine Regulierung des Finanzmarktsektors sowie die Einführung einer Sozialversicherung. Keynes sah sich so in seinen Ansichten um eine aktivere Rolle des Staates in wirtschaftlichen Angelegenheiten durch Roosevelts Programm bestärkt und verfasste daraufhin sein ökonomisches Hauptwerk, welches 1936 unter dem Titel „The General Theory of Employment, Interest and Money“ erschien. 

In seiner General Theory verwirft Keynes eine Vielzahl an Axiomen der neoklassischen Theorie und ersetze sie durch alternative Annahmen. So ging er davon aus, dass die Wirtschaft nicht automatisch zu einem Gleichgewichtszustand gelangt, in dem die Vollauslastung aller Ressourcen gewährleistet ist. Stattdessen kann es zu Rückgängen auf der Nachfrageseite und in weiterer Folge zu Unterbeschäftigung auf dem Arbeitsmarkt kommen. Seine zentrale Fragestellung richtete sich auf genau diesen Fall, nämlich was bestimmt das gesamtwirtschaftliche Niveau von Produktion unterhalb des Niveaus der Vollbeschäftigung (vgl. Kromphardt 2013: 73). Keynes Werk stellte einen Paradigmenwechsel, gemäß der kuhn‘schen Auffassung, in der Volkswirtschaftslehre dar. Seine Lehren lösten zum einen die Neoklassik als dominierende Wirtschaftstheorie ab. Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Keynesianismus zudem zur führenden Wirtschaftspolitik in vielen westlichen Industrieländern, bis er in den 1970er Jahren durch Milton Friedmans monetaristische Gegenrevolution allmählich abgelöst wurde. 

Bereits ein Jahr nach der Veröffentlichung der General Theory lässt sich ein differenzierter Umgang mit Keynes wirtschaftstheoretischen Ansichten erkennen, welche sich im Laufe der Jahre in zumindest drei verschiedene Denkschulen einteilen lassen. Diese verschiedenen Interpretationen des Keynesianismus können auf einer begrifflichen Ebene in Postkeynesianismus, Neoklassische Synthese (Hydraulischer Keynesianismus) und Neukeynesianismus unterschieden werden. 

Folgende Grafik soll einen Überblick  über die verschiedenen Interpretationen von Keynes Theorie geben:

'Abbildung 1:''' Hauptinterpretationen des Keynesianismus(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/keynesianismus.html?extGraphKwId=54604, dl: 16.5.2014)

Historisch betrachtet, entstand 1937 mit der Umdeutung von Keynes Hauptwerk durch den Ökonomen John Hicks eine erste neue Interpretationslinie – die Neoklassische Synthese. Hicks versuchte in seinem Werk „Mr. Keynes and the Classics: A Suggested Interpretation“ die verbalen Beschreibungen von Keynes in mathematische Formulierungen zu transformieren und sie mit der neoklassischen Theorie zu verbinden (vgl. Hicks 1937). Einerseits trug er so zur schnelleren Verbreitung von Keynes Werk bei, andererseits veränderte er zahlreiche seiner Annahmen. So verwarf er Keynes Konzept der fundamentalen Unsicherheit und ersetzte sie durch die neoklassische Annahme der vollständigen Information. Auf diese Weise wurden die gesamtwirtschaftlichen Kreislaufströme als vorhersehbar interpretiert. Das IS/ LM Modell weist zudem einen sehr statischen Charakter auf, womit der keynesianische Aspekt der Investitionsschwankungen ebenfalls unberücksichtigt blieb (vgl. Kromphardt 2013:147, 160). So stellt die IS – Kurve alle Kombinationen von Einkommen und Zinssatz, bei denen der Gütermarkt im Gleichgewicht ist dar, während die LM – Kurve mit denselben Kombinationen das Gleichgewicht auf dem Geldmarkt beschreibt (vgl. Felderer/ Homburg 2005: 125). Der Ökonom Franco Modigliani erweitere das hick´sche IS/ LM Modell 1944 um eine Theorie des neoklassischen Arbeitsmarkts, welcher bei flexiblen Preisen und Löhnen im Normalfall zu einem Gleichgewichtszustand tendiert. In diesem Verständnis wurden die Aussagen von Keynes von der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit (Unterbeschäftigung) vollständig durch die neoklassische Annahme der freiwilligen, strukturellen Arbeitslosigkeit ersetzt (vgl. Bartel o.J.: 14f; Kromphardt 2013: 148). Weitere Arbeiten, die die Neoklassische Synthese speziell in den USA stärkten, kamen vor allem von Paul Samuelson. Auch hier wurde eine Fusion aus keynesianischer Makroökonomie und neoklassischer Mikroökonomie durchgeführt, wobei stets die Annahmen der orthodoxen Theorie die Oberhand behielten (vgl. Eichner 1982: 29). 

Generell basiert das gesamte IS/ LM Modell stark auf einer Gleichgewichtsthese, welche aus dem neoklassischen Korpus übernommen wurde, wohin gegen die ursprüngliche keynesianische Interpretation stufenweise ersetzt und als unrealistischer Spezialfall interpretiert wurde. Aus Sicht des Postkeynesianismus wird die Neoklassische Synthese auf Grund der Verdrängung der keynesianischen Elemente als "Bastard – Keynesianismus" bezeichnet. Allerdings setzte sich in der  Wirtschaftstheorie die Neoklassische Synthese gegenüber dem Postkeynesianismus durch und spiegelt heute die gängige akademische Lehrmeinung in der Makroökonomie wieder. (vgl. Bartel o.J.: 15).  

Eine zweite Interpretationslinie kann als Neukeynesianismus bezeichnet werden, welcher ebenfalls eine Mischung aus neoklassischen und keynesianischen Elementen darstellt, allerdings stärker auf die mikroökonomische Ebene fokussiert ist. Der Neukeynesianismus verbindet dabei die neoklassische Vorstellung von einem Gleichgewichtszustand mit der keynesianischen Idee von Lohn- und Preisbeschränkungen. Während die Neoklassische Synthese mehr ein makroökonomisches Totalmodell auf Basis eines Gleichgewichtsdenkens darstellt, richtet der Neukeynesianismus seine Betrachtung mehr auf die mikroökonomische Ebene und ist durch Ungleichgewichtsmodelle gekennzeichnet.
Als ein Ausgangspunkt dieser Strömung kann die Arbeit von Don Patinkin betrachtet werden, welche als Ungleichgewichtstheorie beschrieben werden kann, in der es unter gewissen Bedingungen zu anhaltenden Abweichungen vom Gleichgewichtszustand kommen kann (vgl. Patinkin 1955). 
Die Ungleichgewichtstheorie von Patinkin wurde in weiterer Folge als Basis für weitere Theorien von Ökonomen wie Clover, Lejonhufvud oder Barro/ Grossmann herangezogen 
(Siehe http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/neokeynesianische-theorie.html  dl: 19.5.2014). 

Die dritte Interpretationslinie kann unter dem Begriff Postkeynesianismus oder Fundamentalistischer Keynesianismus subsumiert werden. Die Bezeichnung Postkeynesianismus wurde unter anderem von Joan Robinson in ihrer Schrift „Collected Economic Papers“ aus dem Jahr 1960 geprägt (vgl. Robinson 1960: XIII). Zur eigenständigen Denkschule, die sich von der Neoklassischen Synthese distanziert, wurde sie erst mit Eichners und Kregels Aufsatz von 1975. Die beiden Autoren sprechen erstmals von einem neuen Paradigma, welches an die ursprünglichen Lehrmeinungen von Keynes anknüpft. 

„This generalization may be said to represent, in Thomas Kuhn´s sense (1962: 62), a new paradigm; and since it extends the analysis set forth in Keynes´s Treatise on money (1930) and The general Theory (1936), it can be termed Post- Keynesian“ (Eichner/ Kregel 1975: 1293). 

Die Anhänger des Postkeynesianismus beharren auf einer langfristigen Gültigkeit der Theorie von Keynes und kritisieren demgegenüber bei den übrigen Neuinterpretationen des Keynesianismus die Verschmelzung mit der neoklassischen Theorie. In ihrem Verständnis wurden dort die ursprünglichen Aussagen von Keynes durch die Kombination mit der Neoklassik derart verändert, so dass die getroffenen Annahmen, zentralen Inhalte und Aussagen sowie die wirtschaftspolitischen Folgerungen, verfälscht oder sogar ins Gegenteil verkehrt wurden (Siehe http://keynes-gesellschaft.de/weiterentwicklungen-des-keynesianismus/stroemungen-des-keynesianismus/   dl: 17.5.2014). So werde die keynes´sche Theorie in der neoklassischen Synthese als belangloser Spezialfall abgetan (vgl. Felderer/ Homburg 2005: 154). Aus diesem Grund wird die Verwendung der Neoklassischen Synthese mit ihrem Gleichgewichtsdenken, zu Gunsten der ursprünglichen Positionen von Keynes, abgelehnt. 

Jedoch kann der Postkeynesianismus als keine einheitliche Denkschule bezeichnet werden. In ihm existieren verschiedene Subströmungen, die in ihren Analysen jeweils verschiedene Aspekte betonen. So gibt es beispielsweise eine Subströmung, die sich direkt auf Keynes bezieht und besonders den Aspekt der fundamentalen Unsicherheit, der sich auf die Investitionsneigungen in der Wirtschaft niederschlägt, hervorhebt. Eine zweite Subströmung, welche sich vorwiegend an Michael Kalecki orientiert, stellt hingegen mehr die Aspekte des Wachstums und der Verteilung in den Vordergrund (vgl. Eichner 1982: 27; Jarchow 2002: 217). 
Zu den wichtigsten Vertretern des Postkeynesianismus zählen unter anderem Joan Robinson, Nicholas Kaldor, Michael Kalecki und Piero Sraffa. Robinson versuchte in ihren Werken vor allem die keynesianische Theorie auf eine lange Frist auszudehnen (vgl. Hoffmann 1987: 20). Kaldor´s größte Leistung war die Kritik an der neoklassischen Konzeption der exogenen Geldmenge, weshalb er auch als Vorreiter der Theorie der endogenen Geldmenge gilt (vgl. King 2002: 23f). 


Bekannte VertreterInnen, wichtige Persönlichkeiten

Folgender Abschnitt widmet sich den wichtigsten Personen in der Entstehungsgeschichte des Postkeynisanismus. 

- Der Ursprung - 

Alfred Marshall (1842-1924)

Marshall war ein bedeutender britischer Ökonom der 1890er bis 1920er Jahre und gilt als Vertreter der Cambridger Schule der Neoklassik. In seinem Hauptwerk „Principles of Economics“ betont er vor allem, dass der Preis und der Output einer Ware durch beides - Angebot und Nachfrage – bestimmt werden. Moderne Ökonom bedienen sich immer noch dieser Sichtweise, wenn sie versuchen zu erklären, warum sich der Preis einer Ware verändert hat. (vgl. Liberty Fund 2008a: online).
Weitere bedeutende Beiträge seinerseits stellen: die Preiselastizität der Nachfrage sowie das Konzept der Konsumenten- und Produzentenrente dar. Um die Ökonomie von ihrer statischen Betrachtungsweise zu befreien und dynamischer zu gestalten, führte er außerdem die Idee von drei Zeitperioden in die Ökonomie ein (vgl. Liberty Fund 2008a: online).
Später wurde Marshall auch zum Lehrer Keynes am Kings’s College und beeinflusste diesen maßgeblich in seinem Denken (vgl. Krompardt 2013: 13-15).

Franklin D. Roosevelt (1882-1945)

Auch Franklin D. Roosevelt spielte für die Entwicklung des Keynesianismus eine wichtige Rolle. Er wurde im April 1933 zum Präsidenten der USA gewählt und versprach in der Folge die Amerikaner mit dem „New Deal“ aus der Depression zu führen. Die Wahl Roosevelts zum US-Präsidenten stellte für viele Amerikaner und auch für Keynes eine Hoffnung auf ein baldiges Ende der Krise dar. Mit dem neuen Staatsoberhaupt kam es zu einem deutlichen Politikumschwung, dennoch verlief die Erholung von der Krise nur schleppend (vgl. ebd.: 64-66).

John Maynard Keynes (1883-1946)

Keynes wurde 1883 geboren und wird als einer der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts gehandelt. Sein Hauptwerk, die „''Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes''“ veröffentlichte er im Jahr 1936 – in Reaktion auf die Wirtschaftskrise. Vor allem bricht er in diesem Werk mit der vorherrschenden Meinung in der Nationalökonomie. Unter anderem bricht er damit, sich an Modellen von Geldwirtschaften zu orientieren, in denen das Geld sozusagen einen Schleier bildet und die realen Zusammenhänge nicht beeinflusst. Vor allem widerspricht er der den Folgen einer solchen Vorstellung von Geldwirtschaft – nämlich dass sich auf Dauer stets Vollbeschäftigung einstellt (vgl. ebd.: 5).
Keynes wurde als Sohn einer großbürgerlichen Familie in Cambridge geboren. Sein Vater war ein sehr bekannter Nationalökonom seiner Zeit, der auch Ökonomie, Politik und Logik lehrte. Nachdem Keynes die Eliteschule Eton abgeschlossen hatte, begann er 1902 am King’s College in Cambridge Mathematik, Philosophie und Geschichte sowie Ökonomie zu studieren. Sein Studium der Ökonomie vertiefte er später bei Marshall und Pigou. Nach dem Studium bewirbt sich Keynes im Staatsdienst, genauer gesagt im Schatzamt. Er wurde aber nicht genommen und kommt ins India Office, aus dem er wenig später wieder ausscheidet und schließlich Dozent am King’s College. Dort erkennt Marshall das Talent seines ehemaligen Studenten und macht ihn zum Herausgeber des Economic Journal, wodurch er Keynes noch enger an die Wissenschaft bindet (vgl. ebd-: 13-15). 1915 schließlich wird Keynes nach einigen Umwegen doch noch Berater des Schatzamtes. In dieser Funktion nimmt er schließlich 1919 auch an den Friedensverhandlungen von Versailles teil (vgl. ebd. 15).
In Bezug auf den Elitismus sei hier nur kurz erwähnt, dass es sich bei der Elite, zu der sich Keynes stets bewusst oder unbewusst hingezogen fühlte, um eine Gruppe moralisch und intelligenzmäßig herausragender Personen handelte, ohne Rücksicht auf Klasse oder Status (vgl. Rothschild 2004: 165).
Das bedeutendste Jahrzehnt, im Hinblick auf seine Veröffentlichungen, waren für Keynes die 1930er Jahre. Im Jahr 1931 erschien sein Werk „''A Treatise of Money''“ und fünf Jahre später die „''General Theory''“. In dem ersten dieser beiden genannten Werke widmete sich Keynes den Besonderheiten der Geldwirtschaft, während er im zweiten einen Versuch zur Analyse der wesentlichen gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge unternimmt. Seine Überlegungen waren weder ganz neu noch ein totaler Bruch mit der bisherigen Theorie. Keynes übernahm in seinen Theorien viele der Ideen Marshalls und anderer Ökonomen. Die Besonderheit an Keynes ist jedoch, dass es ihm gelang, neue Zugänge zu bisherigen Problemen zu finden, indem er die verschiedenen Elemente in einem einleuchtenden und breit anwendbaren theoretischen Rahmen zusammenfasste. Er fand damit erstmals Antworten auf Probleme, auf die die traditionellen Theorien keine befriedigenden Antworten finden konnten - unter anderem auf das Problem der Arbeitslosigkeit. Bis dahin war man der Ansicht, dass es in einer funktionierenden Marktwirtschaft keinen Platz für Arbeitslosigkeit geben kann. Keynes erkannte erstmals Arbeitslosigkeit nicht als eine Ausnahmesituation sondern als wesentlicher Bestandteil einer freien Marktwirtschaft an (vgl. Rothschild 2004: 169).

- Die Postkeynesianer - 

Der Postkeynesianismus teilt sich grob in drei größere Gruppen auf (wobei sich alle auf Marx beziehen): 

 

'''Abbildung 2:''' Subströmungen des Postkeynesianismus (Quelle: Eigene Darstellung)

Michal Kalecki (1899-1970)

Kalecki wurde 1899 in Polen geboren. Er studierte Ingenieurswesen in Warschau, schloss sein Studium jedoch nicht ab, da er gezwungen war Geld zu verdienen. Er arbeitete sieben Jahre lang als Journalist am Institute for Business Cycle and Price Research in Warschau. Die Zeit des 2. Weltkrieges verbrachte er in Schweden und England. Nach dem Krieg arbeitete er zunächst für die Internation Labour Organisation in Montreal und später für die Vereinten Nationen in New York. Kalecki ist eine zentrale Figur in der Geschichte des Postkeynesianismus. Er schlug eine bedeutende Brücke zwischen Marxismus und Keynesianismus. Über die Einflüsse auf den jungen Kalecki ist sehr wenig bekannt, er gilt jedoch als Autodidakt. Teile, vor allem seiner frühen Arbeiten, sind klar pre-keynesianisch. Kalecki entwickelte Ideen die Hicks später zum IS-LM Modell ausbaute. (vgl. King 2002: 35-36) Daher kann man sagen, dass er die Basis für manche spätere Erkenntnisse bereitet. 
Viele der Modelle Kaleckis waren mathematisch fundiert. Mit seinen Modellen versuchte er eine kapitalistische Wirtschaft zu analysieren (vgl. ebd.: 38).
Als die General Theory von Keynes veröffentlicht wurde, beschäftigte ihn diese sehr und er brachte kurz darauf ein einschneidendes und kritisches Review in einem polnischen Journal heraus. Er bezeichnete darin die General Theory als einen Wendepunkt in der Geschichte der Ökonomie und hob zwei Aspekte der keynes´schen Analyse hervor: die Determination des kurzfristigen Gleichgewichts bei gegebenen Produktionsmitteln wenn das Investitionsniveau gegeben ist und die Determination des Investitionsniveaus selbst. Das erste dieser beiden Probleme wurde bei Keynes seiner Meinung nach zufriedenstellend gelöst. Aber anstatt Keynes Darstellungen zusammenzufassen, brachte Kalecki eigene Darstellungen in Form von Diagrammen ins Spiel (vgl. ebd.: 39).

Paul Davidson (*1930)

Paul Davidson wurde 1930 geboren und wuchs in New York auf, wo er zunächst Chemie und Biologie studierte, bevor er sich den Wirtschaftswissenschaften zuwandte und unter Sidney Weitraub an der Universität von Pennsylvania studierte. Zusammen mit diesem gründete er auch das Journal of Post Keynesian Economics (vgl. Wikipedia 2013a: online).
Der Keynesianismus wurde in den USA vor allem durch Samuelson und Hicks durch eine Anpassung an die neoklassische Theorie salonfähig gemacht. Dabei wurde aber nach Ansicht Davidsons die Absicht Keynes eine Alternative zur neoklassischen Theorie zu bieten vollkommen missachtet. Bei diesem Anpassungsvorgang wurden Keynes auch Aussagen zugeschrieben, die dieser so niemals gemacht hatte. Nach Davidson kam es also zu einer Verkennung keynes’schen Ideen durch andere Ökonomen (vgl. wikipedia 2013a: online).
In seiner Kritik an der Mainstream-Ökonomie hat er drei Axiome identifiziert gegen die er seine Kritik konzentriert: Axiom der Substituierbarkeit, Axiom der Realwirtschaft (Neutralität des Geldes wird unterstellt), Axiom der Ergodizität (die Zukunft wird unter der Annahme der statistischen Wahrscheinlichkeit gesehen, nicht aber als grundsätzlich ungewiss) (vgl. ebd.: online).

Piero Sraffa (1898-1983)

Er ist einer der bekanntesten italienischen postkeynesianischen Ökonomen neben Pierangelo Garegnani und Luigi Pasinetti. Sie alle spielten eine wichtige Rolle in der Debatte um das Kapital in den 1960er Jahren. Auch für die italienischen Ökonomen war die Verbindung zu Cambridge relativ stark (vgl. King 2002: 155).
Sraffa entwickelte unter anderem eine Theorie der Produktionspreise. Weitere Beiträge Sraffas sind die Arbeitswerttheorie und das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate. Bei Sraffa muss wie bei Ricardo auch, die Profitrate sinken, wenn die Löhne steigen. Er versteht seine Modelle als Kritik an der Neoklassik. Sie schienen geeignet dazu, auch die langfristigen Krisen- und Stagnationstendenzen in Frage zu stellen. (vgl. Wikipedia 2013b: online).

Joan Violet Robinson (1903-1983)

Joan Robinson wurde 1903 geboren und zählt ebenfalls zu den bedeutenden ÖkonomInnen ihrer Zeit. Mit zunehmendem Alter wurden ihre Vorstellungen immer politisch linker, was sich auch in ihrer Bewunderung für Mao Zedong und Kim II Sung zeigt. Dies wird auch als Grund dafür genannt, dass sie, im Gegensatz zu vielen ihrer KollegInnen, keinen Nobelpreis erhielt (vgl. Liberty Fund 2008b: online).
Ihr erstes großes Werk war „The economics of imperfect Competition“. Darin legte sie ein Konkurrenzmodell zwischen Firmen dar, von denen jede eine gewisse Monopolmacht hat. Damit legte Robinson den Grundstein für die heute weit verbreitete Annahme, dass die meisten Industrien weder dem Modell der vollkommenen Konkurrenz noch einer totalen Monopolstellung entsprechen sondern irgendwo in der Mitte anzusiedeln sind (vgl. ebd.: online).
In den 1930er Jahren wurde Robinson Teil des Cambridge Circus, einer Gruppe von Ökonomen, der unter anderem auch James Mead, Roy Harrod und Pierro Sraffa angehörten. Diese Gruppe traf sich regelmäßig um gemeinsam ihre Arbeiten und besonders die Allgemeine Theorie von Keynes zu diskutieren (vgl. ebd.: online).
Robinson geht in vielen ihrer Arbeiten auf Aspekte ein, die Keynes in seinen Arbeiten nicht genau spezifizierte. Sie war außerdem die erste, die Makroökonomie als eigenes Forschungsfeld definierte (vgl. ebd.: online).
Robinsons Text „Essays in the Theory of Employment“ wird oft als erster postkeynesianischer Text überhaupt genannt. In ihrer Auseinandersetzung mit dem Arbeitsmarkt legt Robinson eine sehr explizite lohngetriebene Theorie der Inflation dar. Dabei kommt sie zu dem Schluss, dass wenn die gewerkschaftliche Organisation auf gleichem Niveau gehalten wird, die Lohnänderungen stark von der effektiven Nachfrage abhängen. Robinson findet in der Folge eine neue Definition für Vollbeschäftigung und bricht in diesem Punkt mit Keynes. Vollbeschäftigung ist für sie ein Punkt an dem jede Behinderung auf Seiten der Arbeitnehmer im Kampf für höhere Löhne plötzlich wegbricht (vgl. King 2002: 18-19).

Hypothese, Mechanismen, Modelle

Das Gesetz der effektiven Nachfrage

Da die Anhänger des Postkeynesianismus sich selbst in der unmittelbaren Nachfolge von Keynes sehen und deswegen weite Teile seiner zentralen Aussagen und Annahmen übernommen haben, ist demzufolge auch das keynes´sche Gesetz von der effektiven Nachfrage zu einem zentralen Bestandteil postkeynesianischer Theorien geworden. 
Dabei stellt dieses Gesetz das zentrale Prinzip in Keynes Hauptwerk dar, mit dem er das Say´sche Theorem zu widerlegen versuchte. Die Kernaussage dabei ist, dass das gesamtwirtschaftliche Niveau von Produktion und Beschäftigung von der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage abhängt. Anders ausgedrückt, schafft sich nicht – wie vom Say´schen Theorem angenommen – jedes Angebot seine Nachfrage automatisch selbst, sondern es wird davon ausgegangen, dass die Nachfrageseite die bestimmende Determinante darstellt.
Im Gegensatz zur neoklassischen Theorie wird zudem nicht von einer automatischen Tendenz zu einem effizienten Gleichgewichtszustand ausgegangen. An Stelle der neoklassischen Gleichgewichtsvorstellung tritt bei Keynes die Annahme der Instabilität, auf Grund von Erwartungs- und Zukunftsunsicherheiten, in den Vordergrund. Die Tendenz zur wirtschaftlichen Instabilität führt dann – verstärkt durch den Multiplikatoreffekt – zu einem Rückgang der effektiven Nachfrage, wodurch sowohl die Produktion, als auch die Beschäftigungshöhe abnimmt (vgl. Kromphardt 2013: 74f; Eichner 1982: 38f).
Die Neoklassik wendet das Say´sche Theorem auch auf den Arbeitsmarkt an, wodurch langfristig gesehen prinzipiell keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit möglich sein kann (vgl. Krelle 1989: 183; Felderer/ Homburg 2005: 85). Auf Grund der Tatsache, dass bei Keynes das Beschäftigungsniveau aber von der effektiven Nachfrage abhängt, welche wiederum durch Instabilitäten gekennzeichnet ist, kann es so etwas wie dauerhafte Unterbeschäftigung geben, was Keynes als unfreiwillige Arbeitslosigkeit bezeichnet (vgl. Willke 2002: 33f). 

Formal sei das Gesetz der effektiven Nachfrage durch folgende Gleichung beschrieben: Y = C + I. Dabei entspricht Y sowohl der Produktion, als auch dem Volkseinkommen. C ist die Nachfrage nach  Konsumgütern von den privaten Haushalten, während I die Nachfrage nach Investitionsgütern von den Unternehmen darstellt. Die Produktionsseite ist also durch Y, die Nachfrageseite durch C und I beschrieben. 
Für die Höhe der Konsumgüternachfrage der privaten Haushalte ist für Keynes vor allem das laufende Realeinkommen der wichtigste Bestimmungsfaktor. In diesem Zusammenhang formulierte er sein grundlegendes (fundamentales) psychologisches Gesetz, welches besagt, dass mit einer Erhöhung des realen Einkommens, der Konsum der privaten Haushalte zunimmt, wenn auch nicht in voller Höhe der Zunahme. Der Rest des Einkommenszuwachses, der nicht für Konsumgüter ausgegeben wurde, wird gespart. Der Wert der marginalen Konsumquote liegt daher zwischen 0 – entspricht keiner Konsumerhöhung bei einem Einkommenszuwachs – und 1 – entspricht einer Erhöhung des Konsums um die volle Höhe des Einkommenszuwachses, jedoch wird er von Keynes nahe bei eins erwartet (vgl. Kromphardt 2013: 77f, 81; Felderer/ Homburg 2005: 104f). 
Formal kann die keynes´sche Konsum- und Sparfunktion wie folgt beschrieben werden. Die Konsumfunktion hat die Form: C = c0 + c1Y. Dabei entspricht C der Konsumgüternachfrage, die sich aus dem autonomen Konsum c0  und der marginalen Konsumquote c1  (welche vom Einkommen Y anhängig ist) zusammensetzt. Demgegenüber lautet die Sparfunktion: S = Y – C. Ihre Höhe ist dadurch bestimmbar, in dem vom Realeinkommen der gesamte Konsum abgezogen wird. Gemäß dieser Logik muss daher auch gelten: s = 1 – c, wobei s der marginalen Sparneigung entspricht, also dem Teil des zusätzlichen Einkommens, welcher nicht gemäß dem grundlegenden psychologischen Gesetz für zusätzlichen Konsum ausgegeben sondern gespart wird. Die marginale Konsum- und Sparquote müssen sich aufsummiert immer den Wert eins ergeben. 

Für die Höhe der Investitionsgüternachfrage der Unternehmen bezieht Keynes zwei Aspekte in seine Überlegung mit ein. Zum einen hängen die Investitionen von der Höhe des Zinssatzes (i) ab, die ein Unternehmer für einen Kredit zu zahlen hat. Zum anderen spielen noch psychologische Faktoren, in Form von Erwartungen eine wichtige Rolle. Diese Erwartungen betreffen die erwartete Rendite des zusätzlich eingesetzten Kapitals und werden bei Keynes mit dem Begriff Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals (r) bezeichnet. Dabei ist nun zu betonen, dass gerade diese Zukunftserwartungen mit Unsicherheiten verbunden sind, wodurch es zu großen Investitionsschwankungen kommen kann (vgl. ebd.: 110ff). Eine Investition scheint für Keynes dann sinnvoll zu sein, wenn die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals größer als der zu zahlende Zinssatz ist, wenn also der erwartete Profit größer als die feststehenden Kosten sind (vgl. Kromphardt 2013: 82ff). Auf Grund des Unsicherheitsaspekts treffen die Unternehmer ihre Entscheidungen nicht – wie im neoklassischen Verständnis – vollkommen rational und unter Kenntnis vollständiger Informationen, sondern beziehen die aktuelle, sowie die zukünftig erwartete Situation in ihre Überlegungen mit ein, wobei gerade letztere stark von den Erwartungen abhängig sind. 

Unsicherheit

Eine weitere wichtige Annahme in der Denkschule des Postkeynesianismus ist der – ebenfalls von Keynes übernommene – Aspekt der Unsicherheit. Im Gegensatz zur neoklassischen Synthese, welche eine starke makroökonomische Gleichgewichtsvorstellung besitzt, betonen die Anhänger des Postkeynesianismus die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Instabilität, da Entscheidungen immer vom Standpunkt einer prinzipiellen Unsicherheit getroffen werden müssen (vgl. Hoffmann 1987: 27). Wirtschaftliche Entscheidungen werden demnach also nicht auf Basis von Wahrscheinlichkeitsberechnungen, sondern immer unter Unsicherheit getroffen. Auf Grund der Existenz dieser Unsicherheit, die sich vor allem im Rahmen der Investitionsnachfrage niederschlägt, kann es auf den Märkten zu großen Schwankungen betreffend der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage kommen. Ändern sich beispielsweise die Zukunftserwartungen der Unternehmer zum Negativen, dies drückt sich in Form einer niedrigeren Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals aus, führt dies zu einem Investitionsrückgang der Unternehmen, also zu einer sinkenden Nachfrage nach Investitionsgütern. 
Unsicherheiten spielen jedoch auch im Rahmen der Konsumgüternachfrage eine – wenn auch nicht so bedeutende – Rolle. Ein eventueller Einkommensrückgang der Haushalte führt in erster Linie zu einer niedrigeren Konsumquote. Ein zweiter Aspekt betrifft das Verhältnis von Sparen zu Konsum. Wird von einer tendenziell schlechteren Zukunftserwartung ausgegangen, könnten die Haushalte einen höheren Betrag ihres Einkommens als Vorsichtskasse horten, womit die Konsumausgaben sinken (vgl. Kregel 1988: 24). Das Verhältnis von marginaler Spar- und Konsumquote verschiebt sich zu Gunsten der Sparquote, wodurch ein Nachfrageausfall in Höhe der Zunahme von S entsteht. 
Eine staatliche Intervention in den Wirtschaftsprozess, zur Milderung der Lasten der Unsicherheit, kann auf folgende zwei Weisen geschehen. Die erste Variante ist die Erhöhung der Staatsausgaben in wirtschaftlichen Schwächephasen, um das Niveau der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage wieder zu erhöhen. 
In der zweiten Variante kommt dem Staat nur eine Nebenrolle zu. Vielmehr sind es die einzelnen Wirtschaftssubjekte, die auf Grund von Vertragsabschlüssen – zum Beispiel Lohn- oder Kreditverträge – versuchen, ein gewisses Maß an Absicherung zu erhalten (vgl. Eichner 1982: 137). 

Werte, Ziele, Politik

Keynes erkannte erstmals, dass Marktversagen ein normales Nebenprodukt der Marktwirtschaft ist und dass dieses durch aktive Wirtschaftspolitik abgefangen werden kann. Er betonte, dass der Staat eine aktive Rolle bei der Stabilisierung eines inhärent instabilen Wirtschaftsprozesses spielen könne (jedoch nicht unbedingt müsse) (vgl. Rothschild. 2004: 170).
Keynes Hoffnung zeigt sich beispielsweise in der Essaysammlung „Essays in Persuasion“. Diese ist, dass „die ‘Vernunft‘ jenseits von engen Klassen- und Gruppeninteressen und jenseits von Dummheit und kurzfristigen Perspektiven letzten Endes siegen könne“ (ebd.: 172).
Ziel von Keynes war es, dass alte Tabus der neoklassischen Theorie gebrochen werden sollten. Darunter fallen zum Beispiel regulierende und „reparierende“ Staatseingriffe einschließlich staatlicher Wirtschaftstätigkeit. Angesichts der Depression setzte sich Keynes für Staatseingriffe in die Wirtschaft ein. Ihm ging es bei seiner Forderung nach Eingriffen aber nicht nur um soziale Aspekte sondern auch darum, die Überlebensfähigkeit des kapitalistischen Systems zu sichern (vgl. ebd.: 176).
Die für Keynes prägende Politik, für die er bekannt ist, ist die Politik des „deficit spending“. Damit ist gemeint, dass der Staat in wirtschaftlich schlechten Zeiten bzw. in Krisenzeiten eingreifen soll, damit das Ziel der Vollbeschäftigung erreicht werden kann. Dies soll er durch Vergabe von öffentlichen Aufträgen erreichen. Wenn nötig, soll sich der Staat zum Zweck der Erhaltung der Vollbeschäftigung und der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage auch Verschulden. (Daher der Begriff des deficit spending“). Damit wollte Keynes einen neuen Weg gehen, denn damals war in den USA ein ausgeglichenes Budget das Standardziel. Jedoch setzte sich die keynes’sche Idee des „deficit spending“ in den USA bald darauf durch (vgl. Liberty Fund 2008c: online)
Die drei Hauptziele von Keynes, für die er sich im politischen Prozess als Berater der Liberalen Partei betätigte, waren: wirtschaftliche Effizienz, soziale Gerechtigkeit und persönliche Freiheit (vgl. Rothschild 2004: 178).

Seine langfristigen Visionen skizzierte Keynes in dem in dem 1930 erschienenen Aufsatz „Economic Possibilities of our Grandchildren“. Darin beschreibt er, wie die Welt in hundert Jahren aussehen könnte. Er erwartet damals, dass das Produktionspotential durch technischen Fortschritt und Akkumulation von Realkapital enorm gesteigert werden kann (auf das siebenfache). Ein Zitat aus diesem Werk lautet: „in the long run … mankind is solving its economic problem“ (Pecci/Piga 2010: 21)  Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung, wirft Keynes aber gleichzeitig auch zwei Fragen auf, nämlich erstens ob der Zuwachs an Produktion ausreicht um auch die steigenden Bedürfnisse zu befriedigen und zweitens ob der Ausfall bisheriger Lebensmuster (mehr Freizeit) zu einem nervösen Zusammenbruch führen wird. Bei beiden Fragen hofft Keynes auf ein allmähliches Umdenken und Umerziehung der Menschen (vgl. Rothschild 2004: 178-180).

Was Keynes mit anderen Ökonomen wie Smith, Mill, Marx und Marshall gemeinsam hat, ist die visionäre Hoffnung auf eine bessere Zukunft im long-run durch Kontinuität des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts. (vgl. ebd.: 181) Die gemeinsame Hoffnung auf eine moralische Entwicklung der Menschen für den Übergang ins Paradies kommt bei Keynes, Mill und Marshall vor (vgl. ebd.: 182).
Aus Sicht des Postkeynesianismus sind Einkommensunterschiede weder natürlich noch ökonomische Gegebenheiten sondern vielmehr das Resultat soziopolitischer Gewohnheiten und Entscheidungen sowie Marktmacht. Postkeynesianer sehen auch einen starken Zusammenhang zwischen Wachstumsrate, der Verteilung von Einkommen zwischen sparender und nicht sparender Klasse sowie dem Preisniveau. Daher haben politische Maßnahmen, die darauf abzielen einen dieser Faktoren zu beeinflussen immer auch Auswirkungen auf die anderen. Innerhalb des Postkeynesianismus ist es üblich, sich für Einkommenspolitik als Mittel zur Kontrolle der Inflation auszusprechen. Dies basiert auf dem Lehrsatz, dass für jedes gegebene Wachstum und damit verbundene Spar- bzw. Investitionsmuster, das Preisniveau von den Löhnen abhängig ist (vgl. Kregel 1979: 58-60).
Die Finanzkrise von 2008 und die darauffolgende Rezession führten zu einer Debatte darüber, was der „richtige“ Weg aus der Krise sei. Auf der einen Seite standen dabei die Befürworter von staatlichen Eingriffen zur Stimulierung der Wirtschaft (Anhänger Keynes) und auf der anderen Seite jene, die einen drastischen Sparkurs forderten und eine Lockerung der Geldwirtschaft ablehnten. Diese zwei unterschiedlichen Ansichten spiegelten sich auch in den verschieden Erklärungen der Ursachen der Krise wieder (vgl. Palley 2013: 7).

Verwendete Methoden

Keynes studierte mit ausgezeichnetem Erfolg Mathematik, bevor er sich der Ökonomie zuwandte. Dennoch war er der Auffassung, dass Mathematik "nur" ein nützliches Werkzeug darstellt, welches eher sparsam und versteckt angewendet werden sollte. Beispielsweise ist dies der Fall, wenn verbale Methoden die Unschärfe der Realität besser abbilden können (vgl. Rothschild 2004: 160).
Im Postkeynesianismus scheint diese Auffassung nicht mehr in dieser Schärfe zu gelten. Bei der Analyse aktueller postkeynesianischer Journale fällt auf, dass diese durchaus auch mit Ökonometrie und mathematischen Modellen arbeiten.
Auch viele der Modelle Kaleckis – einer der wichtigsten Postkeynesianer – waren mathematisch fundiert (vgl. King 2002: 38).

Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit und Inflation: Das Finden einer Zielpriorität

Durch Lohnerhöhungen und Nachtfrageunterstützung entsteht eine nicht von der Hand zu weisende Gefahr, nämlich die mögliche Inflation. Die Inflation und Inflationserwartung darf nicht ihre Beachtung als Nebenbedingung verlieren. Absolute und nicht nur relative Vollbeschäftigung ist unter realen Bedingung wohl kaum zu erreichen, dies hängt damit zusammen, dass es sich beim Arbeitsmarkt eben auch um einen Markt handelt, der trotz aller Eingriffe und sicher auch aufgrund von Eingriffen durch die Arbeitsmarktpolitik nie vollkommen sein und perfekt interagieren wird. Deshalb ist es Teil das Aufgabenbereichs von Wirtschaftspolitikern, eine Mischung als Zielkombination aus hoher Beschäftigung, hohem Einkommen und einer dabei tolerablen Inflation zu gewährleisten. Ist die Inflation idealerweise vorherzusehen bzw. einschätzbar können Verträge aller Art nach diesen Prognosen justiert werden. (vgl. Bartel o.J.: 15) Sowohl in der politischen, sowie in der wissenschaftlichen Diskussion, taucht immer wieder der Begriff NAIRU auf, die Abkürzung für: „non-accelerating Inflation rate of unemployment“. Sie bezeichnet eine bestimmte Rate an Arbeitslosigkeit, bei welcher eine Wirtschaftsleistung entsteht, die die Inflationsrate konstant hält. Darüber hinaus existiert die Bezeichnung NAWRU: „non-accelerating wage rate of unemployment“). Die NAWRU beschreibt die Lohnzuwachsrate, die mit der entsprechenden Arbeitslosenquote (durch die NAIRU vorgegeben) die Inflation auf konstanten Bahnen hält. Sowohl NAWRU als auch NAIRU beruhen eher auf neoklassischer theoretischer Konzeption, relative Geldwertstabilität bildet für neoklassische Ökonomen den Hauptwert. Das oberste Gebot ihrer Stabilisierungspolitik ergibt sich für sie durch Stabilisierung der Inflation auf niedrigem Niveau. Progressive Beschäftigungspolitik entsteht für Anhänger des neoliberalen Flügels durch fortschreitende Liberalisierungen auf dem Arbeitsmarkt. Wodurch der Lohnwettbewerb zwischen den Arbeitskräften vervollkommnend werden soll. Durch vollkommenen Wettbewerb auf Arbeits- sowie auf dem Gütermarkt soll sich der Reallohn vollkommen verflexibeln, relative Vollbeschäftigung unter neoklassischer Perspektive wird damit automatisch erreicht. Nachfragepolitik ist für Neoklassiker nur dann ein probates Mittel, wenn mit ihr eine Inflationsrate gesenkt werden soll, wenn sie in einem Moment als zu hoch empfunden wird. Eine nachfragepolitische Konjunkturkrise würde dies bewerkstelligen. Unter Ansicht der Neoklassiker würde eine solche erzeugte Konjunkturkrise schnell durch die implementierte Preis- und Lohnflexibilität gelöst werden. Das „natürliche“ Sozialprodukt pendle sich wieder ein, dies bei niedrigerer und konstanter Inflationsrate. (vgl. ebd.: 16)

Der Großteil der keynesianischen Ökonomen geben mit ihrem eher „solidarisch“ geprägtem Problembewusstsein dem Ausmaß der Beschäftigung ein weitaus höheres Gewicht in ihrer Wirtschaftspolitik, als der reinen Geldwertstabilität. Dennoch ist es aus Gründen den internationalen Wettbewerb betreffend - relatives Gleichgewicht von Importen und Exporten - auch für sie unabdingbar einen hohen Beschäftigungsgrad und damit gemeint ist beinahe Vollbeschäftigung, vor zu hoher Inflation abzusichern. Besonders wichtig ist aber zu nennen, dass keynesianische Ökonomen es ablehnen, eine restriktive Nachfragepolitik zu betreiben (provozierte Rezession). Eine bedeutende Senkung der Inflationsrate - auf diese Weise - wäre nur mit der Brechung der Gewerkschaftsmacht und dadurch sinkenden Lohnforderungen zu bewerkstelligen. Dies würde  sich nach post-keynesianischer Modellvorstellung aber in einer ausdauernde Krise mit sich stabilisierenden Ungleichgewichten sowohl auf dem Arbeits- sowie dem Gütermarkt manifestieren. Aus diesem Grund wird von Post-Keynesianisch eine stabilitätsorientierte, d.h. an die Inflationsrate gebundene Einkommenspolitik bevorzugt. Die durch eine starke Sozialpartnerschaft geschlossenen Übereinkünfte beugen sowohl durch preisseitige, sowie durch lohnseitige Zurückhaltung übermäßiger Inflation vor. Krisen, die durch Probleme auf der Nachfrageseite entstehen sind durch koordinierte Nachfragepolitik zu lösen, welche ohnehin auch über die Lohnpolitik erfolgt. (vgl. ebd.: 17)

Arbeitslosigkeit und Konjunkturschwankungen: freiwillig oder unfreiwillig?

In der neoklassischen Theorie über den Arbeitsmarkt, wird behauptet, jeder Arbeitnehmer bietet auf dem Arbeitsmarkt eine für ihn nutzenmaximierende Anzahl an Arbeitsstunden an, dies in Betrachtung zu seinem Reallohn, den er pro Stunde für seine Arbeitsleistung erhält. Im Umkehrschluss besteht auf Seiten der Arbeitgeber Nachfrage nach Arbeitskraft, diese Nachfrage ergibt sich ebenfalls unter Einbeziehung des Reallohnsatzes und wird am Ende auch für sie die gewinnmaximierende, geforderte Anzahl an Arbeitsstunden ergeben. Kann sich der Reallohnsatz ständig frei durch Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot bilden, ist er also als flexibel zu bezeichnen, wird sich sowohl Angebot als auch Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt ausgleichen. Der Arbeitsmarkt ist als geräumt zu betrachten und für neoklassische Wirtschaftstheoretiker entsteht hierdurch Vollbeschäftigung. Ist Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht und der Reallohnsatz auf markträumendem Niveau, können alle Arbeitnehmer beschäftigt werden, die zu diesem Reallohn bereit sind zu arbeiten. Diejenigen, die in diesem Szenario nicht beschäftigt sind, sind dies aufgrund ihrer freiwilligen Entscheidung. 
Entsteht nun eine Rezession, so wird durch Wettbewerb eine Senkung des Preisniveaus auf dem Gütermarkt erfolgen. Der Reallohnsatz (bei gleichbleibenden Nominallöhnen) steigt und Arbeitnehmer werden mehr Arbeit anbieten, wohingegen die Arbeitgeber weniger Arbeit nachfragen werden. Konjunkturelle Arbeitslosigkeit ist die Folge (vgl. Bartel o.J.: 8), sie ist solange freiwillig, wie die Arbeitnehmer nicht willig oder imstande sind, ihre Löhne zu senken. Nur so könnten die Reallöhne wieder fallen und die Beschäftigung wieder zunehmen. Arbeitnehmer, die bereit wären ihre Löhne zu senken es aber aufgrund von Mindestlöhnen oder staatlicher Reglementierung nicht können werden als „kollektiv-freiwillig“ arbeitslos bezeichnet. Feste Reallöhne werden als rigide bezeichnet, unter rigiden Löhnen kann sich der Arbeitsmarkt nicht anpassen, er wird sich also selbst nicht ausgleichen können. Bis zum nächsten positiven Angebotsschock, der die Preise erhöht und einhergehend die Reallöhne reduziert, wird die konjunkturelle Arbeitslosigkeit bestehen bleiben. 

Die Sichtweise, die von Post-Keynesianer vertreten wird ist eine gänzlich andere. Arbeitskräfte bieten ihre Arbeitszeit aufgrund der Tatsache an, weil es für sie notwendig ist zu Arbeiten. Sie müssen mit ihrer Arbeitskraft ihren Lebensunterhalt bestreiten. Diese Arbeitskraft bieten sie zu sogenannten Normalarbeitszeiten an, wie z.B. (halbtags, ganztags, mit und ohne Überstunden). Das Arbeitsangebot wird vom Arbeitskräftepotential gebildet. Jede erreichte und erstrittene Einkommenshöhe wird auch in Krisenzeiten vor Kürzungen oder Versuchen von Kürzungen verteidigt werden. (vgl. ebd.: 9). Die Arbeitgeber hingegen werden genau so viel Arbeit nachfragen, wie sie zu gegebener Zeit benötigen um eben genau die Menge an Gütern produzieren zu können, die sie fähig sind abzusetzen. Deshalb ist die Gesamtnachfrage in der Volkswirtschaft ausschlaggebend für die unfreiwillige bzw. die konjunkturelle Arbeitslosigkeit. Vollbeschäftigung ist für Post-Keynesianer erreicht, wenn durch eine weitere Zunahme der Nachfrage nach Güter keine Beschäftigungseffekte mehr  zu vermerken sind. Hier wird verständlich, dass Post-Keynesianer Nachfragesteuerung von Seiten des Staates zur Stabilisierung von Konjunktur, Produktion und Beschäftigung befürworten. 

Die Ziele der Post-Keynesianer sind gegenüber denen der Neoklassiker, wie ersichtlich,  deutlich ehrgeiziger. Während bei den Neoklassikern Vollbeschäftigung, unter anderem durch den Begriff der freiwilligen Arbeitslosigkeit recht schnell besteht und außer die Preise und Löhne flexibel zu halten nichts getan werden müsse. Ist die Intention der Keynesianer, wenn möglich das gesamte Arbeitskräftepotential in Beschäftigen zu halten oder zu bringen, damit dadurch die maximale Einkommenssicherheit gewährleistet wird. Hierbei wird Inflation aus zwei Gründen nicht so sehr gefürchtet, wie bei den Neoklassikern. Es könne nämlich erstens eine Beseitigung der Unterbeschäftigung erfolgen, ohne dass die Löhne erhöht werden müssten, zweitens sei aus industriellen Fertigungsprozessen bekannt, dass die Steigerung der Ausbringungsmenge die variablen Kosten nicht ansteigen lässt und somit die gesamten Stückkosten durch Skaleneffekte üblicherweise sinken können. Steigen Preise aufgrund von erhöhter Nachfrage, zeigt das für Keynesianer, dass das Ziel der Vollbeschäftigung in erreichbare Nähe gerückt ist. Da nun entweder die Löhne ansteigen, oder die Unternehmer den Mark-Up erhöhen, weil sich ihr Absatz außerordentlich gut entwickelt. (vgl. ebd.: 10)

Wachstum und Konjunkturstabilisierung

Wie Regierungshandeln das Wachstum bestimmen kann

Eine nationale Regierung kann maßgeblich die volkswirtschaftliche Produktion, wie auch den Grad der Beschäftigung durch seine Fiskalpolitik bestimmen, dies schließt z.B. vor allem die Steuereinnahmen und damit die Steuerpolitik ein, wie auch die allgemeinen Staatsausgaben. Regierungsfinanzpolitik bildet einen ausgleichenden Stabilitätsanker, sinkt die aggregierte Nachfrage aus dem Privatsektor und geht die Beschäftigungsrate zurück, kann die Politik mit mit eigener Nachfrage von Seiten des Staates nachhelfen, oder für Steuererleichterung sorgen, bis im Idealfall wieder Vollbeschäftigung vorliegt. Dann können expansive Maßnahmen des Staates zurückgefahren werden, oder ins Gegenteil umschlagen. (vgl. Davidson 1994: 79)

Automatische vs. diskretionelle Finanzpolitik

Laut Davidson geht man davon aus, dass die Entscheidungen in der Wirtschaftspolitik jedes Mal von neuem aufgestellt werden müssen, wenn sich die volkswirtschaftliche Aktivität verändert. Die Einnahmen und Ausgaben der Regierung werden variieren, wenn eine Veränderung des Volkseinkommens stattfindet. Dies wird sich ergeben, selbst wenn keine Veränderung der Ausgaben- und Einnahmepolitik von Seiten des Staates stattfindet. Wenn die Wirtschaftsaktivität nachlässt, werden die Staatseinnahmen in Form von Steuern sinken, währenddessen ein Anstieg bei der Arbeitslosigkeit die Ausgaben stark ansteigen lässt. Sinken auf diesem Weg die Einnahmen und steigen die Ausgaben, so wird von automatischer Stabilisierung gesprochen, der Staat gleich fehlendes privates Einkommen teilweise aus. Die wichtigsten Werkzeuge der automatischen Stabilisierung in Krisenzeiten sind in modernen Ökonomien die progressive Einkommenssteuer, sowie das Arbeitslosen- bzw. das Kurzarbeitergeld. In konjunkturellen Boomphasen hingegen steigen durch die progressiven Einkommenssteuersätze die Steuereinnahmen schneller als das private Lohneinkommen selbst, darüber hinaus wird angenommen, dass die allgemeine Unterbeschäftigung abnimmt. Das Resultat dieser automatischen Stabilisierung ist, sollte sich die Wirtschaft im Abschwung befinden, dieser Effekt abgemindert wird, die Wirtschaftsleistung fällt nicht so stark, wie sie es bei festen Einkommensteuersätzen und ohne Arbeitslosengeld getan hätte. Im Gegenzug werden all zu starke Boomphasen vermieden. Auf diesem Wege dämpfen moderne Volkswirtschaften Konjunkturzyklen viel erfolgreicher, als dies z.B. vor den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts der Fall war, als die Funktion der automatischen Stabilisierung noch nicht implementiert gewesen ist. Klar festzustellen ist aber dennoch, auch die automatische Stabilisierung war bis jetzt nicht in der Lage, für Vollbeschäftigung innerhalb der Wirtschaft zu sorgen.
Diskrete Stabilisierungsmaßnahmen von Seiten des Staats sind Maßnahmen, die wohlüberlegt an einem bestimmten Punkt getroffen werden, um eine Änderung der tatsächlichen Nachfrage zu erreichen. Eine unerwünscht niedrige Nachfrage wird aktiv ausgeglichen, damit das Erreichen von Vollbeschäftigung wieder in den Bereich des möglichen tritt. (vgl. Davidson 1994: 84) Um in richtiger Weise mit diskreten nachfrage steigernden Maßnahmen vorzugehen, bedarf es besonderes Fingerspitzengefühl und Informationen über die derzeitige und zukünftige Wirtschaftslage. Was zwar für den Moment als das richtige Mittel erscheinen möchte, kann ohne Einbeziehung der Zukunftsentwicklung zu negativen Nebeneffekten führen. Wichtig ist hierbei anzumerken auf welche Zielpriorität besonderer Wert gelegt wird, ist es nur die Vollbeschäftigung, die erreicht werden soll, oder sind auch andere wirtschaftliche Aspekte vordergründig, wie etwa Verschuldung und Inflation. Es bedarf der Diskussion zwischen wirtschaftswissenschaftlichen Beratern und den Entscheidungsträgern aus der Politik, wie sich die richtige Politik zur richtigen zeit zusammensetzten soll, letztendlich gilt es die Gesetzgebung davon zu überzeugen, wenn ein aktives Eingreifen als notwendig erachtet wird. Paul Davidson merkt noch an, dass seiner Meinung nach die Ökonomen des Mainstream keine passenden Theorien für die real existierende Welt geschaffen haben, er spricht hierbei von einer unternehmerischen Wirtschaft. Wirtschaftsberater seien mit der Feinabstimmung ihrer Maßnahmen gescheitert, denn es heißt noch lange nicht, dass mit einer richtigen Theorie auch eine richtig und funktionierende Finanzpolitik einhergeht. (vgl. ebd.: 85) Zusammenfassend kann also behauptet werden, dass aktives Eingreifen durch nachfrage steigernde Mittel wie z.B: Konjunkturpakete wohl diskutiert und überlegt sein muss.

Geld und Inflation

Endogene Geldtheorie

Kerngedanke des Modells der endogenen Geldmenge ist, dass auf Grund von Nachfrageprozessen bestimmt wird, welche Höhe an Geldangebot von der Zentralbank offeriert werden muss. Am Beginn des Geldschöpfungsprozesses stehen die Unternehmer, welche auf Grund ihrer geplanten Investitionstätigkeit Kredite bei einer Bank aufnehmen müssen. Die einzelnen Banken wiederum reagieren auf die unterschiedlichen Nachfragen nach Krediten und legen bei der Zentralbank eine Geldreserve in der nachgefragten Höhe ein (vgl. Springler 2009: 39ff). Die Nachfragehöhe nach Krediten ist es also, welcher der bestimmende Faktor für die bereitgestellte Geldmenge ist. 
Im Gegensatz dazu, wird im neoklassischen Verständnis die Geldmenge immer exogen durch die Zentralbank vorgegeben. Der Geldschöpfungsprozess geht also von Seiten der Zentralbank aus, welche alleinig über die Höhe der Geldmenge in einer Volkswirtschaft entscheiden kann. Zwar müssen die einzelnen Banken jeweils über eine gewisse Mindestreserve an Geld verfügen, darüber hinaus liegen jedoch alle Geldmengenentscheidungen bei der Zentralbank. 
Im postkeynesianischen Verständnis wird das neoklassische Konzept der exogenen Geldmenge, durch die Theorie des endogenen Geldes ersetzt. Die Höhe der Geldmenge wird nicht angebotsseitig exogen festgelegt, sondern im Rahmen eines endogenen Prozesses an die Höhe der nachgefragten Kredite angepasst (vgl. ebd.: 37). 

Innerhalb der postkeynesianischen Denkschule, gibt es zumindest zwei Untergruppen, welche zwar die Theorie des endogenen Geldes befürworten, darüber hinaus aber verschiedene Ansichten zur Geldentstehung hegen, die „Horizontalisten“ und die „Strukturalisten“. 
Gemäß den Ansätzen der „Horizontalisten“ bildet sich das Geldmengenangebot endogen auf Grund der Nachfrage nach Krediten. Hingegen wird der Zinssatz exogen durch die Zentralbank vorgegeben. Die einzelnen Geschäftsfeldbanken gewähren schließlich allen kreditwürdigen Unternehmen ihre Kreditnachfrage, wobei sich die endgültige Zinshöhe aus dem, von der Zentralbank festgelegten, Zinssatz und einem Aufschlag der jeweiligen Geschäftsfeldbank, zusammensetzt (vgl. Palley 2013: 11ff). 
Die Anhänger der „Strukturalisten“ betonen demgegenüber eine starke Gewichtung der Liquiditätspräferenzen der einzelnen Akteure, wodurch die Kreditnachfrage entscheidend beeinflusst wird. Verändert sich bei den Unternehmen, ebenso wie bei den privaten Haushalten die Liquiditätspräferenz, so verändert sich auch deren Kreditnachfrage. Auch die Zentralbank verfügt über eine Liquiditätspräferenz, die sich in Form des kurzfristigen Zinssatzes ausdrückt (vgl. Fontana 2003: 297ff). 
Anders formuliert, wird der von der Zentralbank festgelegte Zinssatz nicht – so wie bei den „Horizontalisten“ - als exogen, sondern ebenfalls als endogen angesehen. Zudem erfährt der Aspekt der Liquiditätspräferenz der einzelnen Akteure eine viel höhere Bedeutung.

Die Liquiditätspräferenzen der Privaten

Während falsche Risikobewertung oder ein eher unterschätztes Risiko in den USA während der globalen Finanzkrise stattgefunden hat, haben Post-Keynesianer das Konzept der Liquiditätspräferenzen mit einem Umfeld grundlegender Unsicherheit verknüpft. (Zu Unsicherheit bei Post-Keynesianern im Allgemeinen siehe 5.2)
In ihrem Umfeld können Wirtschaftsakteure laut Post-Keynsianisten eintretende Wahrscheinlichkeiten nur ungenau einschätzen, sie glauben zu wissen, dass vergangene Ereignisse nicht wieder eintreten würden, sie hoffen darauf, die Zukunft würde ihnen konkretere Information bieten, wichtige Diskussionen können sich deshalb zu weit verzögern. Diese Art der Liquiditätspräferenz ist indirekt proportional zum bestehenden Grad des vorherrschenden Vertrauens, dem keynesianischen „Animal Spirit“, wie von Jochen Runde (1994) hervorgehoben wurde. Eine verallgemeinerte Theorie der Liquiditätspräferenzen ist also mit einem verallgemeinerten Theorieverhalten in einem von Unsicherheit dominierten Umfeld verflochten. Aber wie genau soll dies in einfacher Weise geäußert werden? Wie drückt sich eine Erhöhung der Liquiditätspräferenzen aus? Wie wird der Ansturm auf liquide Mittel absorbiert? Hierzu muss in diesem Fall die Liquiditätspräferenz der Öffentlichkeit unter Berücksichtigung der Vermögensverwaltung der Haushalte herangezogen werden. (vgl. Lavoie 2014: 238) 

Die Liquiditätspräferenzen von Banken

Die Liquiditätspräferenzen von Banken können auf zwei verschiedene Wege verstanden werden. Der erst Weg zur Erklärung läuft analog zu den Liquiditätspräferenzen der privaten Haushalte. Le Héron und Mouakil legten daher einen Gleichungssatz vor, der dem Vorgehen ähnelt, wie sich die Banken zwischen dem Erwerb von Unternehmensschuldverschreibungen, normalen Darlehen, kurz laufenden Staatsschuldverschreibungen oder länger laufenden Anleihen entscheiden. Das Halten von Liquidität kann so auch in seinen Verhältnissen beurteilt werden. Es wird daraufhin verwiesen, dass Banken häufig sichere Einlagen bevorzugen, um weniger sichere Investitionen abzusichern. Marc Lavoie behauptet, Banken würden den Einlagenzinssatz auf sichere Kundeneinlagen erhöhen, um diese Form des Fremdkapitals im Verhältnis zu anderen zu erhöhen. Dadurch steigt nicht nur die Anzahl von Einlagen, auch ihre Halter werden durch den höheren Zinssatz beruhigt und halten Geld in dieser Form länger. Die Bilanz der Bank würde sich in diesem Falle verlängern. Eine gängige Alternative für Banken hierzu wäre, wenn sie ihre Darlehen  verbriefen, in welchem Fall sich jedoch die Größe der Bilanz reduzierte. 
Die Liquiditätspräferenzen von Banken können jedoch eben auch auf einem anderen Weg erklärt werden, hierbei wird auf den „animal spirit“ des Bankenvorstandes verwiesen. Dies geht auf die von Keynes beschriebene Kreditrationierung zurück, welche besagt, es gäbe immer eine Reihe von unzufriedenen Kreditnehmern, die von sich selbst glaubten in der Lage zu sein, mehr Kredite von einer Bank zu bekommen, als dies momentan der Fall sei. Banken mit hohen Liquiditätspräferenzen würden nicht zögern diese Kredite zu erhöhen, oder neue Kunden hinzuzugewinnen. Aus diesem Grund können wir das Konzept der Liquiditätspräferenzen im Bankgeschäft nutzen, um die Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe an potentielle Kreditnehmer zu erweitern. Es spiegelt das Vertrauen wieder, das Banken bei einer ungewissen Zukunft haben. Nach dieser Definition bedeutet ein Rückgang der Liquiditätspräferenzen der Banken, dass die Banken eher bereit sind, Kredite zu gewähren, oder die Anforderungen für sie zu senken. (vgl. Lavoie 2014: 245)

Der Horizontalismus (Kreditwürdigkeit und Rationierung)

Die Berücksichtigung der Liquiditätspräferenzen der Banken und der Kreditrationierung hat zu einer weiteren Kontroverse zwischen horizontalistischen und strukturalistischen post-keynesianischen Ökonomen geführt. Einige post-keynesianische Autoren haben horizontalistisch agierende Banken als passiv/restriktiv empfunden, wie z.B. Dow im Jahr 1996. Andererseits existieren jedoch eine große Menge an Beweisen, die dieses Empfinden widerlegen, wie z.B Rochon im Jahre 1999. Horizontalisten wie Kaldor und Moore haben die Elastizität bei der Versorgung mit Krediten durch Banken und ihre Anpassungsfähigkeit, durch Überziehungsvereinbarungen betont, nicht aber die Kreditrationierungen. Aber das war zu erwarten, da diese Autoren anfänglich versuchten, ihre Leser davon zu überzeugen, Geld wäre endogen. (vgl. Lavoie 2014: 245) Jedoch haben sowohl Kaldor als auch Moore die Wichtigkeit der Kreditrationierung unterstrichen, um kreditwürdige Kreditnehmer zu finden. In der Tat ist die Kreditwürdigkeit ein wesentliches Merkmal der Geldendogenität und sie knüpft an die Eigentums- und Sicherheitsanforderungen der Bankkredite an wie Heinsohn und Steiger (2000) betont haben. Viele weitere Autoren aus dem Spektrum der Horizontalisten haben dem Problem der Kreditrationierung und der Kreditwürdigkeit hohe Aufmerksamkeit geschenkt. (vgl. ebd.: 246)

Inflation

Inflation ist eigentlich die Ausweitung der Geldmenge z.B. durch eine Zentralbank, hier wird der Einfachheit halber die allgemeine Preissteigerung als Inflation bezeichnet.

Der Einfluss der Löhne auf die Inflation

Jeder kurzfristige Anstieg der Inflation ist auf drei mögliche Ursachen zurückzuführen: aufgrund von (erstens) abnehmenden Renditen, (zweitens) steigenden Gewinnmargen und (drittens) in Bezug auf das Produktionswachstum allzu hohe Erhöhung der Löhne. (vgl. Paulson 1994: 143) Auf den dritten Punkt soll hier näher eingegangen werden. 
Jeder Anstieg bei den Geldlohnsätzen, der nicht durch Produktivitätssteigerung kompensiert wird, führt zu einer Erhöhung der Produktionskosten. Sollen die Gewinnspannen beibehalten werden, müssen die Verkaufspreise angehoben werden. Geht die Arbeitslosenquote signifikant zurück, wird es für Arbeiter zunehmend einfacher, eine deutliche Lohnerhöhung zu erreichen. Aber auch ohne sinkende Arbeitslosigkeit kann es den Gewerkschaften möglich sein Lohnsteigerungen über dem Produktivitätszuwachs durch zusetzten. (vgl. ebd.: 144) Laufen die Geschäfte der Unternehmen ohnehin überwiegend gut, werden sie sich eher auf stärkere Zuwächse bei den Arbeitseinkommen einigen, als dies bei schlechterer Wirtschaftslage der Fall wäre. Arbeitnehmer vergleichen ihren Wohlstand, wie alle Bevölkerungsgruppen mit dem der anderen. Diejenigen, die auf der Einkommensskalar das Schlusslicht bilden, möchten aufholen, während die reicheren den Abstand beibehalten, oder gar erhöhen möchten. Das Wachstum der politischen und wirtschaftlichen Macht ausgehend von den Arbeitnehmern, sowie das zunehmende Wissen über das Einkommen anderer, schaffte den Druck, der die Lohn-Preis-Inflation zum gefährlichsten wirtschaftlichen Problem während der Jahrzehnte unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg machte. Die von den Regierungen aktiv geförderte Vollbeschäftigungspolitik begünstigte eine Zunahme der Trotzigkeit der Lohnempfänger und die Zustimmungsbereitschaft von Führungskräften, was zu einem höheren Inflationspotential führte. Mit wachsender Angst vor Inflation ausgehend von ansteigenden Löhnen, haben viel Zentralbanken und Regierungen die Ansicht vertreten, dass geplante Rezessionen notwendig wären, um die Macht der Arbeiterschaft in Grenzen zu halten (vgl. ebd.: 145)

Verteilung

Primär wird die Vermögenseinteilung, nach Keynes in 3 Teile aufgeteilt:

  • Geldvermögen – das je nach Bankeinlagen zu- oder abnimmt
  • Schuldtitel – Verträge, Verbindlichkeiten/Forderungen, gegenwärtiges Geld wird in zukünftiges getauscht
  • Reales Kapitalvermögen – erwartete Erträge (Cash Flows), unsicher, schwankend

Geld und Schuldtitel bestimmen den Zinssatz, langfristige Erwartungen bestimmen die Cash Flows aus Kapitalvermögen. (Minsky b 1975, 58f)
Für die TheoretikerInnen gibt es grob zwei Gesellschaftsschichten und zwar jene, die Vermögen „verkonsumieren“ (z.B. reichen die monatlichen Geldmittel nur um Unterkunft, Nahrung und sonstige Kleinigkeiten abzudecken – es werden keine Ersparnisse angesammelt) und in jene, denen am Ende des Monats etwas zum Sparen übrigbleibt. Kalecki beschrieb die beiden Schichten folgendermaßen: „Kapitalisten [sic!] verdienen, was sie ausgeben, Arbeiter [sic!] geben aus, was sie verdienen.“ (Kalcki, zit. Nach Kühne 1985, 53)

Das Grundprinzip von Verteilung ist nicht, dass Kapital abgeschafft werden soll, sondern, dass ein besserer Ausgleich zwischen den beiden Schichten stattfindet. Es sollte ein ausgewogeneres Verhältnis vorherrschen. 

Diese Maßnahme macht sich auf verschiedenen Ebenen bemerkbar – z.B.:

  • Bei einzelnen BürgerInnen: Die individuelle Freiheit steigt, die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten werden breiter gestreut, Es ist größere Selbstbehauptung möglich
  • In der Gesellschaftspolitik: Die Spannung zwischen den Gesellschaftsschichten nimmt ab
  • Auf staatspolitischer Ebene: Die Demokratie wird gestärkt, Kommunismus wird unterbunden
  • Auf wirtschaftspolitischer Ebene: Es kann zusätzliches Einkommen aus Vermögen generiert werden, Es kommt zur verstärkten Kapitalbildung für die Gesamtwirtschaft

Es gibt ebenfalls verschiedene weiterführende Gewinnverwendungs- und Ertragsbeteiligungsmodelle. (Edgar 1977, 75ff)

Kalecki argumentiert stark für gleichere Verteilung und erklärt, welche negativen Auswirkungen Ungleichverteilung haben kann. Kritik übt er an KapitalistInnen, die ihre Gewinne nach dem Umfang ihrer Investitionen und ihres persönlichen Bedarfs richten – ein bodenloser Krug, gefüllt mit Geld. Um hier einen Umbruch zu starten benötigt es Gewerkschaften, staatliche Konjunktur- und Steuerpolitik. KapitalistInnen sind die obere Gesellschaftsschicht, angeführt von Selbstständigen, ManagerInnen und RentierInnen, die sich selbst füttert, indem die Investitionen und der Konsum des/der einen den Profit des/der anderen ausmacht. Eine Steigerung der Produktion und Investition wird mit LieferantInnenkrediten, Bankeinlagen, usw finanziert – Geldschöpfung aus dem Gesamtbankensystem. In der Realität führt das aber irgendwann zur Inflation. (Kühne 1985, 54ff)
Das kapitalistische Wirtschaftssystem stärkt eine Vorherrschaft der oberen (kapitalistischen) Klasse, die durch energische Gewerkschaftsvorstöße, etc. gemildert werden kann. Es benötigt jedenfalls äußere Eingriffe in die UnternehmerInnenschaft, um die Verteilungsgerechtigkeit hervorzurufen. Die Umverteilung fällt generell bei stabilen Preisen höher aus, als bei schwankenden oder inflationären. Weitere Tools hierfür sind Preiskontrollen, Subventionierung von Lohngütern (mit Finanzierung von Gewinnbesteuerung, Einkommens- und Kapital- alias Vermögensbesteuerung), usw. (ebd., 56ff)
Ein wichtiger Punkt bei Kalecki in Richtung Umverteilung ist Vollbeschäftigung, die, so schreibt er in einem seiner späteren Aufsätze, auf drei Wege erreichen kann. Prinzipiell hält er wenig, von niedrigen Zinssätzen, eher sollte man die Einkommenssteuer reformieren und Investitionen zu 100% sofort Abschreiben können. Wissenschaft und Fortschritt sollte ebenfalls gefördert und subventioniert werden, besonders sollte der Staat in risikoreichen Branchen Pilotaufgaben übernehmen – dennoch trennt er hart die Aufgabe der privatwirtschaftlichen Unternehmen als „Werkzeuge für die Erzeugung von Konsumgütern zu erstellen“ (Kalecki 1944, zit. Nach Kühne 1985, 61) ab. Investitionen, ob öffentlich oder privat, sollten jedoch nur in sinnbringenden Situationen getätigt werden. (Kühne 1985, 61f)

Der zweite Weg wird durch „deficit spending“ erreicht – staatliche Ankurbelung der Wirtschaft durch die Schuldenaufnahme in schwachen, konjunkturellen Zeiten, z.B. im Infrastrukturbereich, wodurch die Investitionen durch Verbesserungen eingespart werden können. Eine Gefahr ist das „crowd out“, wenn die privaten Investitionen verdrängt werden, durch mangelnde Flexibilität der Kreditschöpfung. Weiters könnte ein inflationärer Kreislauf entstehen. Die Staaten müssten auch ein Schuldenmanagement einführen, um den Haushalt zu kontrollieren. Die Schulden werden bei einer angekurbelten Wirtschaft auch seitens der Steuereinnahmen getilgt, insbesondere, wenn sie durch eine Vermögenssteuer finanziert werden, wirkt sich diese Maßnahme gerecht auf die gesellschaftliche Verteilung aus. (ebd., 62f)

Der dritte Weg Kaleckis ist der, der allgemeinen Einkommensverteilung. Eine Einkommenssteuer mit Eigenschaften einer Vermögenssteuer, die Neuinvestitionen begünstigt, aber das übermäßige Ansparen verhindert und staatliche Fördermaßnahmen und Verbrauchssubventionen (Familienbeihilfe, Pensionserhöhungen, sonstige sozialpolitische Maßnahmen) finanziert, für einen ausgeglichenen Staatshaushalt, gepaart mit Preiskontrollen und Anti-Monopol- und Kartellpolitik. So kann der Lebensstandard der Massen gehoben und stabilisiert werden. (ebd., 63ff)
Kritik zu diesen Umverteilungsthesen kommt oft von UnternehmerInnenseite, die argumentiert, dass es zu einem Zwang zur Ertragsbeteiligung kommt und der Investitionsspielraum für Unternehmen geringer wird, was wiederum die Wirtschaft kontinuierlich schwächt. Entgegen dem Fakt, dass Privatvermögen nicht per se negativ konnotiert wird und gerechtere Verteilung als funktionierende Alternative zum Kommunismus gesehen wird, sehen KritikerInnen einen Kollektivismusgedanken dahinter. Es geht sogar so weit, dass von partieller Enteignung gesprochen wird. (Edgar 1977, 77f)

Instabilität

Besitzanteile an Kapitalvermögen werden in diesem Theorieteil mit liquiden Mitteln, wie Geld, versehen und auf einem Wertpapiermarkt gehandelt. 
„Flüssige Verbindlichkeiten“ führen zu einer höheren Risikobereitschaft. Keynes unterscheidet hier jedoch deutlich in zwei verschiedene Zugänge – einerseits in Unternehmenslust und andererseits in Spekulation. Bei der Unternehmenslust wird mit voraussichtlichen Erträgen durch Vermögensbeständen, während ihrer Lebensdauer gerechnet, im Gegensatz zur Spekulation, die auf Marktpsychologie und Voraussagen beruht. Die immer bessere Organisation der Märkte öffnet den Weg zur leichteren Spekulation. Keynes betont auch, dass Spekulationen im geringen Maße keine drastischen Auswirkungen haben – übersteigt die Anzahl der Spekulationen jedoch die der Unternehmenslust, so kann das gravierende Auswirkungen auf die Kapitalentwicklung haben. (Keynes 1936, 134)

Hier fließt vor allem die Theorie von Minsky ein:

Die Finanzinstabilitäts-Hypothese besteht vorwiegend auf zwei Grundpfeilern:

  1. Kapitalistische Märkte führen nicht zu einem nachhaltigen, (Preis-)stabilen, Vollbeschäftigungsequilibrium.
  2. Folgenschwere Konjunkturzyklen sind auf finanzielle Attribute gestützt, die für Kapitalismus essentiell sind. (Minsky a 1986, 173)

Die Finanzinstabilitäts-Hypothese besagt, wie ihr Name schon unauffällig vermuten lässt, dass der Finanzmarkt ein instabiles Moment aufweist, ganz im Gegensatz zu den VertreterInnen der Neoklassik. Für Minsky gehören business cycles und Finanzkrisen zum Kapitalismus dazu. Produktion im Kapitalismus ist im privaten Besitz – die Differenz zwischen Gesamterlös und Lohnkosten ist das Kapital der/des BesitzerIn. Dieses Kapital kann verpfändet oder gehandelt werden. Diese Capital Assets haben einen Wert, einen Preis, der am Markt gehandelt wird. Diese Assets können „produziert“ werden, was als Investment bezeichnet wird. Der Handel soll letzten Endes für die Produzierenden etwas abwerfen. Diese Assets, ihre Preise und Gewinne sind wichtige Determinanten im Kapitalismus. Die Assets können in bonds verkauft werden, ihre Gewinne sind Cash Flows(siehe Krise 2007). Die Preise generieren sich durch die Cash Flows, von denen man annimmt, dass sie sie abwerfen, und der Kapitalisierungsrate, die dafür ein gewisses Risiko und ungewisse Eigenschaften annimmt. Für eine funktionierende, ausgeglichene Wirtschaft wird Kapitalvermögen und ein ausreichendes Einkommen zur Validierung vergangener Schulden benötigt. Wenn dieses Gleichgewicht nicht vorhanden ist, dann Fallen die Preise für Kapitalvermögen und Schulden und die Investitionsnachfrage geht zurück. Es gibt in der Marktwirtschaft zwei Arten von Preisen – die für die Produktion und die für Kapitalvermögen. Beides hängt trotz unterschiedlicher Variablen zusammen, denn Investitionsausgaben sind Teil der laufenden Produktion. Das Finanzsystem ist die Ursache für die Anpassungsfähigkeit, als auch für die Krisenanfälligkeit des Kapitalismus. (Minsky a 1986, 173ff)

Das ganze System der KreditgeberInnen und –NehmerInnen baut also auf vorherigen Sicherheitsspannen auf. EinE KäuferIn von Kapitalvermögen, der/die einen bestimmten Gewinn erzielen kann, kann diese Sicherheitsreserve erhöhen, um ein verstärktes Engagement in Bezug auf die Nichterfüllung von Schuldverträgen auszugleichen, indem der eigene Nachfragepreis für Kapitalanlagen gesenkt wird, um eine erhöhte Abhängigkeit von der Fremdfinanzierung darzustellen. (Minsky a 1986, 190f) Für Minsky gibt es verschiedene Typen von Risiko:

  • Borrower’s risk – KreditnehmerInnenrisiko: deren Risiko zeigt sich in einem sinkenden Preis für Kapitalanlagen. Es spiegelt eine höhere Belastung wieder, zum Zeitpunkt des Zahlungsausfalls, welche sich nur auszahlt, wenn einen potentiellen, kompensierenden Gewinn gibt. (Minsky a 1986, 190f)
  • Lenders’s risk – KreditgeberInnenrisiko: Das KreditgeberInnenrisiko stellt einen steigenden Druck der Bedingungen für Capital Assets dar, der die von der Bank gesetzten Finanzierungskonditionen beeinflusst. Höheres Risiko wird in „Covenants und Codicils“ ausgedrückt, die die Dividenden beschränken, weitere Anleihen begrenzen und den Verkauf von Assets einschränken, sowie die Aufrechterhaltung einer Mindestsumme an Reinvermögen einfordern. (Minsky a 1986, 192f)

 “Investment will be carried to the point where the supply curve of investment, which incorporates lender's risk, intersects with the demand curve for investment, which reflects borrower's risk. This intersection yields an implicit price of the asset, but this is a price that is never observed.”  (Minsky a 1986, 192)
Das heißt, dass Investitionen solange getätigt werden, bis zu dem Punkt, wo die Angebotskurve des Investments (lender’s risk), die Nachfrage (borrower’s risk) schneidet. Der Schnittpunkt ergibt den impliziten Preis des Assets, der aber nie beobachtet wird. Siehe Abbildung 3 (Minsky a 1986, 192) 
Der kapitalistische Finanzmarkt ist Krisenanfällig. Geschäfts- und Investmentbanken vermitteln den Erwerb von Kapitalvermögen seitens der Unternehmen und vermitteln den „Besitz“ von Unternehmen durch Haushalte – so kontrollieren sie reale und finanzielle Vermögenswerte, mit denen sie am Markt handeln. Die Ausgabe und der Besitz von Anteilspapieren werden von BankierInnen verwaltet. Ein grundlegender Prozess ist die Ansammlung von wechselseitig verbundenen Bilanzen zwischen verschiedenen Wirtschaftseinheiten, wodurch Cash-Flows ausgelöst werden. Die entstehende Liquidität ist die Maßeinheit für diese Anteilspapiere/Vermögenswerte. Ein Wertpapiermarkt ist notwendig, um Kapitalvermögen mit Liquidität einen Handelsplatz zu bieten. BankierInnen sind für Minsky beinahe immer SpekulantInnen, denn ihre Verbindlichkeiten sind immer abrufbar und kurzfristig und ihre Vermögen sind immer zeitlich befristete Darlehnen – Fristentransformation. (Minsky b 1975, 153ff) 

Abbildung 3: Investment: Impact of Internal Funds and External Finance

 

Minskys Erweiterung von Keynes‘ General Theory beruht vor allem auf dem Miteinbeziehen von finanziellen Beziehungen, finanziellen Störungen und finanziellen Instabilität in die Abfolge von wirtschaftlichen Systemzuständen. Ein wichtiger Aspekt für Instabilität ist, dass die klassische Ökonomie ihre Laissez-faire-Theorien der unsichtbaren Hand und des freien Wettbewerbs, erst relativ spät mathematisch untermauern konnte, trotz ihrer festen ideologischen Verankerung, und diese auf abstrakt restriktiven Bedingungen beruht, dass sie im Praxisfeld kaum Halt findet. (ebd., 36) „Bis jetzt wurde keines der bedeutsamen Theoreme nachgewiesen, daß[sic!] es auch in einem System überzeugt, in dem Zeit und somit Unsicherheit vorliegen und in dem für Geld und Finanzierung sinnvolle Definitionen gegeben werden in Form der Notwendigkeit Realvermögenspositionen und Investitionen zu finanzieren.“ (Minsky b 1975, 36) Minsky sieht auch in dem Trend der 70er Jahre wieder eine Krise auf die Menschheit zukommen, da Wirtschaftspolitik und Märkte nicht aus der Vorkriegszeit gelernt hatten und finanzielle Instabilität und Inflation chronische Krankheiten von diversen Ökonomien wurden. (ebd., 36ff)
Instabilität ist ein Kreislauf – hohe private Investitionen hängen vom Wirtschaftswachstum ab, „Quasirenten“, die durch Investitionen erwirtschaftet werden, erhöhen das Kapital und werden abgeschöpft. Diese „Quasirenten“ steigern aber auch das Spekulationspotential, wenn durch Wirtschaftspolitik Profite begünstigt werden. „Eine Hohe-Profite/hohe-Investitions-Strategie für Vollbeschäftigung – selbst bei Untermauerung durch eine aktive Fiskalpolitik und ein verantwortungsvolles Zentralbanksystem – führt so zu einem zunehmend instabilen Finanzsystem und einer zunehmend instabilen Wirtschaftsentwicklung.“ (ebd., 210) Der Kreislauf geht von einer Abwendung einer gravierenden Depression, zu einem Versuch eine stagnierende Wirtschaft anzukurbeln über die Eingrenzung der Inflation bis zum erneuten Krisenmanagement – ein Instabilitätskreislauf. (ebd., 210f)
Zunehmend zeigen sich außerdem instabile Verhältnisse innerhalb der Gesellschaft selbst, da ungerechte Wirtschaftsformen die Unruhen schüren – egal ob kontrolliert oder unkontrolliert. Gesellschaftliche Gerechtigkeit durch wirtschaftliche Ausgeglichenheit und Einkommensverteilung sind als Gegenzug nötig – besonders kontrollierte Systeme brauchen eine Arbeitsplatzinitiative und eine Outputsicherung, um eine ausgeglichene Gesellschaft zu garantieren. (ebd., 211ff)
Diese Hypothese von Minsky beruht vor allem auf Finanzierungsaspekte, die bei Keynes relativ außer Acht gelassen wurden.

Kapitalismuskritik - eine Kritik nach Keynes

Keynes selbst kritisierte in der freien Marktwirtschaft, dass eine dauerhafte Unterbeschäftigung, die oft vorkommt, der Gesellschaft schadet. Der freie Markt bietet jedoch keine Lösung für das Problem, weshalb es meistens staatliche Eingriffe braucht.
Ab dem späten 17. Und 18. Jahrhundert schritt der technische Fortschritt schnell voran – das Kapital, der Produktionsoutput, die Lebensbedingungen stiegen. Aber hauptsächlich in Europa und den USA. Länder, die nicht zu diesen VorreiterInnen gehörten, blieben weit zurück und ebenso verlieren viele Menschen ihre Arbeitsplätze durch den rapiden technologischen Fortschritt („technological unemployment“). Ein temporäres Problem, denn Keynes prophezeit langfristig, „that mankind is solving its economic problem“. (Keynes 1930, 325) Denn die Menschheit kann immer weiter die technologische Entwicklung weitertreiben. (ebd., 321ff)
Menschliche Bedürfnisse lassen sich in relative und absolute einteilen. Absolute benötigen wir egal in welcher gesellschaftlichen Situation wir stecken, sie unterscheiden uns nicht von anderen – es kann eine Sättigung eintreten. Durch die Stillung der relativen Bedürfnisse sollen wir uns besser fühlen, besser als unsere Mitmenschen – sie sind nicht sättigbar, denn je höher das allgemeine Level der Zufriedenheit ist, sollen sie immer noch höhere Wünsche befriedigen. Keynes Conclusio besagt, dass das ökonomische Problem langfristig gelöst oder irrelevant wird, es ist kein permanentes Problem – denn die Existenzsicherung ist das bedrückendste und das meisten beschäftigende Problem der Menschheit.Deshalb liegt es in unserer Natur diese Problematik zu lösen und dennoch wird es sich nicht für alle zum Besten wenden.Dann wird der Mensch vor die größte Herausforderung gestellt – die Freiheit, die durch Technologie und Wissenschaft geschaffen wurde, die Sorgenfreiheit von bedrückenden wirtschaftlichen Problemen zu nutzen, um weise und angenehm zu leben. Diese Herausforderung sieht Keynes jedoch noch nicht in nächster Zukunft. (ebd., 326ff)

Momentan ist der Überblick aber eher noch deprimierend – denn die reichen Klassen spähen nach dem „Paradies“, obwohl sie desaströse Fehlentscheidungen, im Gesamtwirtschaftlichen Sinne, getroffen haben und zu ihrem Glück aber keine Bindung haben – Gier ist ein Laster. Die breite Gemeinschaft könnte einen viel größeren Nutzen erbringen, mit denselben Ressourcen, denn jede und jeder ist gewillt etwas Arbeit zu leisten, es ist sogar im menschlichen Sinne verankert, aber nur so viel, dass es das Arbeitsbedürfnis stillt und die Arbeitsleistung breit gestreut werden kann (Keynes spricht von 3h-Schichten, oder einer 15h Woche). Diese Umstellung geht Hand in Hand mit dem Prestigeverlust von Wohlstandsanhäufung und führt zu einer neuen Moral, die die schlechten menschlichen Eigenschaften hintenanstellt, anstatt sie hervorzuheben -  der Zwang nach Geld nimmt ab. Dieser Wandel tritt nicht gleich und überfallsmäßig ein, sondern erst ab in 100 Jahren nach und nach. [Keynes schrieb diesen Text jedoch 1930 und vermutlich wird der Wandel auch in den kommenden Jahren noch nicht viel näherkommen] Immer größer werdende Gruppen werden von ökonomischen Zwängen befreit, wodurch langfristig die Gesamtgesellschaft geändert wird – dieser Umschwung wird durch vier Dinge geleitet: die Populationskontrolle, die Entschlossenheit Kriege zu vermeiden, das Vertrauen in die Wissenschaft die Richtung vorzugeben, die Anhäufung von Dingen durch die Grenze zwischen Produktion und Konsumation zu reglementieren. Die Selbstbeschränkung in dem letzten Punkt ergibt sich für Keynes durch die ersten 3 Punkte. (ebd., 330ff)

Der Wandel in diesem hundertjährigen Umbruch ist in drei Phasen eingeteilt. Die erste Phase baut Investitionen auf, Spartätigkeiten sind zweitrangig, Wiederaufbau und Neuentwicklung stehen mi Vordergrund – die Inflation ist jedoch hoch. Die zweite Phase ist ausgeglichen – Sparmaßnahmen und Investitionen halten sich die Waage und dass zirka ein bis zwei Jahrzehnte – Rezessionen sollen abgewendet, Konjunkturschwankungen gemildert werden. Die letzte Phase ist die, der Vermögensakkumulation, das Einkommen steigt, Investitionen gehen zurück. Hier sollte die Politik eingreifen, Umverteilung fokussieren und die Arbeitszeitverkürzung einleiten. Wenn diese Eingriffe nicht getätigt werden, ist das Staatsbudget unausgeglichen. (Walterskirchen 2013, 1137ff)

Kurz zusammengefasst führt, nach Keynes, Vollbeschäftigung und die Senkung der Arbeitsstunden auf rund 15h pro Woche zu einem zufriedeneren Menschen, der sich moralisch besser verhält und auch die ökologische Umwelt (ökologische Ökonomie) mehr schätzt. Kriege würden vermieden, Wissenschaft wäre eines der höchsten menschlichen Güter und Maßlosigkeit würde abgeschafft. Die Einleitung der Arbeitszeitverkürzung und der Einkommensumverteilung sollte laut seinen Berechnungen bereits im Gange sein. 
Freie Märkte führen nicht zwingend zur gesamtwirtschaftlich besten Lösung – denn Keynes stützt seine Vision auf die oben genannten vier Werkzeuge. 

Institutionen

Journale

Zwei wichtige Postkeynesianische Journale sind das Journal of Post Keynesian Economics (JPKE) und das Cambridge Journal of Economics (CJE). Beide sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden. 

Journal of Post Keynesian Economics (JPKE)

Hierbei handelt es sich um ein wissenschaftliches Journal, das theoretische und empirische Arbeiten bezüglich aktueller wirtschaftlicher Probleme bietet. Dieses Journal hat sich dem Prinzip verschrieben, dass stetiges Wachstum wirtschaftlicher Theorien nur möglich ist, wenn diese einer ständigen kritischen Prüfung, hinsichtlich ihrer Erklärungskraft der realen Welt sowie ihrer Verlässlichkeit in Bezug auf Politikempfehlungen, unterzogen werden. (vgl. Research Gate 2014: online)
Begründet wurde das Journal of Post Keynesian Economics von Sidney Weintraub (1914-1983) und Paul Davidson. Derzeit wird es von Paul Davidson, New School University und Jan A. Kregel, Levy Economics Institute of Bard College, herausgegeben (vgl. Sharp 2014: online).

Cambridge Journal of Economics (CJE)

Dieses Journal wurde 1977 in der Tradition von Marx, Keynes, Kalecki, Joan Robinson und Kaldor gegründet. Es beschäftigt sich mit theoretischer und angewendeter Politik sowie methodischer Forschung zu sozialwissenschaftlichen bzw. wirtschaftlichen Fragestellungen. Eine Mischung aus heterodoxen ökonomischen Lehren sowie anderen Sozialwissenschaften ist kennzeichnend für dieses Journal. Der Fokus liegt dabei klar auf theoretischer, angewandter und interdisziplinärer Ideengeschichte, methodischer Arbeit mit starker Betonung von realistischen Analysen, der Entwicklung kritischer Perspektiven, der Beschaffung und Verwendung von empirischem Beweismaterial und der Entwicklung von politischen Strategien (vgl. Cambridge Political Economy Society 2014: online).
Themenbereiche in diesem Journal sind von wirtschaftlich bis sozialwissenschaftlich. Es beschäftigt sich beispielsweise, jedoch nicht ausschließlich, mit Fragen zu Arbeitslosigkeit, Inflation, Organisation von Produktion, der Verteilung des BIP, Klassenkonflikten, ökonomischer Unterentwicklung, Globalisierung und internationale ökonomische Integration, sich verändernde Marktformen und –grenzen, veränderte Anforderungen an Planungen sowie ungleiche Entwicklung und Instabilität der Weltwirtschaft (vgl. Cambridge Political Economy Society 2014: online).

Weitere Journals die in diesem Zusammenhang genannt werden können sind:

Review of Keynesian Economics (ROKE)

Die Herausgeber dieses Journals sind: Thomas Palley (Associate of the New America Foundation’s economic growth program), Louis-Philippe Rochon (Laurentian University, Kanada) und Matias Vernengo (Bucknell University, USA) (vgl. Edward Elgar Publishing 2012a: online).
Dieses Journal widmet sich der Förderung der keynesianischen Forschung in der Ökonomie. Es bezieht sich dabei nicht nur auf die Makroebene, sondern schließt auch die Mikro- und Mesoebene mit ein. Das Journal bietet ein Forum zur Entwicklung und Verbreitung von keynesianischen Ideen und beabsichtigt den kritischen Austausch mit anderen makroökonomischen Paradigmen. Keynesianisch wird innerhalb des Journals wie folgt definiert: Output und Beschäftigung werden im Normalfall durch die aggregierte Nachfrage beschränkt, die Problematik der aggregierten Nachfrage existiert unabhängig von Preis, Nominallohn und der Starrheit der Zinsrate und Ablehnung der Behauptung,  dass der Reallohn gleich dem Grenznutzen der Arbeit ist (vgl. Edward Elgar Publishing 2012a: online).

European Journal of Economics and Economic Policies: Intervention (EJEEP)

Bei diesem Journal handelt es sich um ein peer-reviewtes Journal, dass als Forum für das Studium makroökonomischer Theorien, ökonomischer Institutionen und Wirtschaftspolitik dient. Die Herausgeber dieses Journals heißen Pluralismus an Denkansätzen in ihren Veröffentlichungen willkommen. Ihr Ziel ist es produktive Debatten und reziprokale Interventionen zwischen den Ansätzen zu erzeugen. Sie sind der Meinung, dass das wirtschaftliche Leben und der ökonomische Prozess durch soziale Faktoren und Institutionen geformt wird. Nur eine sorgfältige Analyse und Integration dieser Faktoren in die ökonomischen Theorien wird zu Fortschritt führen und dadurch geeignete Politikempfehlungen möglich machen (vgl. Edward Elgar Publishing 2012b: online).
Dieses Journal wurde erstmals im Jahr 2004 unter dem Namen Intervention veröffentlicht. Seitdem gab es mehrere kleine Namensänderungen. Seit 2013 trägt es den Namen European Journal of Economics and Economic Policies: Intervention (EJEEP) (vgl. Edward Elgar Publishing 2012b: online).

Intereconomics (Review of European Economic Policy)

In diesem Journal werden Beiträge veröffentlicht, die sich mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragestellungen in Europa oder die Europa betreffen, beschäftigen. Dieses Journal gliedert sich in vier große Teile: das Editorial, das Forum, Artikel und den Brief aus Amerika. Das Editorial enthält kurze Stellungnahmen zu aktuellen Fragestellungen und Wirtschaftspolitik. Das Forum bietet verschiedenen Autoren (Forscher, Politiker, Gewerkschafter…) die Möglichkeit ihre unterschiedlichen Meinungen zu einem bestimmten Thema vorzubringen. Die Artikel werden größtenteils von Wirtschaftsforscher verfasst und beschäftigen sich mit wirtschaftspolitischen Fragestellungen und Trends. Im Brief aus Amerika (Letter from America) bietet ein US Ökonom eine Analyse zu wirtschaftlichen Fragestellungen von transatlantischer Bedeutung. Die Herausgeber dieses Journals arbeiten eng mit den Herausgebern des „Schwesterjournals“ Wirtschaftsdient – Zeitschrift für Politik zusammen (vgl. Intereconomics o.J.: online).

Universitäten und sonstige Institutionen

Cambridge University

Keynes studierte an der Cambridge Universität und wie er selbst sagte, waren diese Jahre von entscheidender Bedeutung für seine Lebensphilosophie. Hier fand er rasch Anschluss an eine sehr exklusive Gruppe von elitären und philosophisch interessierten Studenten und Tutoren (vgl. Rothschild 2004: 163).
Cambridge spielte also vor allem bei der Entstehung der Ideen Keynes eine wichtige Rolle. Heute ist die Bedeutung eher geringer.

  - Organisationen (nicht rein keynesianisch) - 

Union for Radical Political Economics (URPE)

Hierbei handelt es sich um eine interdisziplinäre Vereinigung, die sich dem Studium, der Entwicklung und der Anwendung von radikalen wirtschaftspolitischen Analysen auf soziale Probleme widmet. Gegründet wurde sie im Jahr 1968 und übt seither kontinuierliche Kritik am kapitalistischen System und aller Formen der Ausbeutung sowie Unterdrückung während sie helfen eine progressive Sozialpolitik zu konstruieren und sozialistische Alternativen zu entwickeln. Mitglieder dieser Organisation organisieren oft, gemeinsam mit anderen Organisationen, lokale Studiergruppen, Sprech- und Schreibprojekte und politische Veranstaltungen. Diese Vereinigung veröffentlicht auch das Review of Radical Political Economic (RRPE) sowie einen vierteljährlichen Newsletter (vgl. Union for Radical Political Economics o.J: online)'.

Association for Evolutionary Economics (AFEE)

Dies ist eine internationale Organisation von ÖkonomInnen und anderen SozialwissenschaftlerInnen, die sich der Analyse von Wirtschaft als ein sich entwickelndes, sozial konstruiertes und politisch beherrschtes Systems widmen. Sie veröffentlichen das Journal of Economic Issues (JEI). 
Ihr intellektuelles Erbe ist das der Original Institutional Economics, gegründet und entwickelt von Ökonomen wie Thorstein Veblen, John R. Commons und Wesley Mitchell. Daraus entwickelten sich über die Jahrzehnte Themenstellungen wie: heimische und internationale Einkommensungleichheiten oder auch die dringende Notwendigkeit für das Bewusstsein des Einflusses neuer Technologien auf die Biosphäre, um nur zwei exemplarisch zu nennen (vgl. Association for Evolutionary Economics 2014: online).

Kritik

Der Keynesianismus beziehungsweise Postkeynesianismus wurde seit seines Bestehens immer wieder auf verschiedenste Weisen angegriffen. In diesem Abschnitt sollen drei Kritikvarianten zumindest kurz angesprochen werden. 

1. Neoklassische Synthese: Hierbei handelt es sich um keinen expliziten Widerlegungsversuch der keynes´schen Theorie, da einige Elemente aus der ursprünglichen Theorie übernommen wurden. Ausgehend von Hicks Werk 1937 begann jedoch eine systematische und bewusste Uminterpretation der Theorie von Keynes. So unterschied Hicks in seinem IS- LM Modell bei der Geldnachfrage drei Bereiche der Liquiditätsfalle, einen „klassischen“, einen „mittleren“ und einen „keynesianischen“ Bereich. In seiner Interpretation wird die Theorie von Keynes – mit einer horizontalen LM- Kurve – als Spezialfall abgetan, während er die „mittlere“ und die „klassische“ Sichtweise als Normalsituation begreift. Der „klassische“ Bereich negiert den Zusammenhang zwischen erhöhter Güterfrage und Produktionssteigerung. Stattdessen würde eine vermehrte Güternachfrage nur den Zinssatz (i) steigen lassen. Gemäß dem „mittleren“ Bereich, steigt bei erhöhter Nachfrage, sowohl Y als auch i, wohingegen eine Erhöhung der Geldmenge nur Y steigen - i aber sinken lässt. Diese beiden Bereiche werden von Hicks also als gängige Interpretation verstanden, während der „keynesianische“ Bereich, welcher einen positiven Zusammenhang zwischen erhöhter Güternachfrage und Produktionssteigerung mit konstantem Zinssatz postuliert, als unrealistischer Spezialfall abgetan wird. 
Auch Modiglianis Ergänzung um eine Theorie des neoklassischen Arbeitsmarktes, ist als Uminterpretation der keynes´schen Aussagen zu betrachten. Der nun vertretene Wirkungsmechanismus, der Vollbeschäftigung als eine Folge sinkender Reallöhne begreift, steht im Widerspruch zu Keynes Ansatz, welcher den Reallohn hauptsächlich von der Gesamtproduktion abhängig machte (vgl. Kromphardt 2013: 74). 

2. Monetarismus: Der neoliberale Ökonom Milton Friedman versuchte mit seiner monetaristischen Gegenrevolution explizit, sowohl die theoretischen als auch die wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen von Keynes zu widerlegen. 
So wandte er sich bereits 1957 in seiner „''Theory of Consumption Function''“ gegen die Auffassung von Keynes, dass es einen  kausalen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Einkommen und den Konsumausgaben gibt. Demgegenüber formulierte Friedman seine „''permanent income hypothesis''“, welche besagt, dass der private Konsum der Haushalte vor allem von dem dauerhaft erwarteten, permanenten Einkommen abhängt (vgl. Pierenkemper 2012: 203; Kromphardt 2013: 150). Auf diese Weise entzog Friedman dem Staat seine Legitimationsbefugnisse für Interventionen, da diese auf Grund ihrer kurzfristigen Wirkungskraft kaum von Bedeutung seien. Vielmehr wird sich, dem neoklassischen Verständnis angelehnt, die Wirtschaft zu einem Gleichgewichtszustand hin bewegen, da eventuelle kurzfristige Instabilitäten a la Keynes, durch die Fokussierung auf die lange Frist, obsolet werden. Staatliche Interventionen in die Wirtschaft zur Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage entfallen somit und werden wieder durch das Konzept der Selbststeuerung des Marktes ersetzt. 
Eine weitere Kritik an der keynes´schen Idee stellte Friedman´s Arbeit von der Geldtheorie dar. Gemäß den monetaristischen Lehren bedarf es in wirtschaftlichen Krisenzeiten in einer Volkswirtschaft einzig einer Variation der Geldmenge. Friedman griff dafür auf die von Fisher formulierten Quantitätstheorie des Geldes zurück: M * v = P * Y. Diese anfängliche tautologische Gleichung wird dadurch zu einem Gesetz, da die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes v als konstant angenommen wird. Löst man die Gleichung – bei konstantem v - nun nach dem Preisniveau P auf, so ergibt sich: P = v * (M / Y). Somit wird bereits deutlich, dass P in einem gewissen Verhältnis zu M und Y dargestellt werden kann. Drückt man diese Beziehung in Veränderungsraten aus, so gilt: ΔP= ΔM – ΔY, womit der zentrale Wirkungsmechanismus des Monetarismus dargestellt ist, nämlich, dass das Preisniveau in einer Volkswirtschaft dann konstant bleibt, wenn die Geldmenge in demselben Ausmaß zunimmt, wie das reale Sozialprodukt (vgl. Willke 2003: 136). Staatliche Interventionen wären demgegenüber nutzlos, oder sogar schädlich, da sie inflationäre Tendenzen besitzen. Hingegen sollte die Wirtschaftspolitik einzig darauf abzielen, die Geldmenge in Relation zur erwarteten Wirtschaftsleistung anzupassen.

3. Realpolitische Einflüsse: Im Zuge der wirtschaftlichen Schwächephase in den 1970er Jahren, verbreitete sich eine generelle Kritik an keynesianischen Ansätzen. Im Zuge der Stagflation, also einer hohen Inflation bei gleichzeitig stagnierendem Wachstum, wurde der Keynesianismus als widerlegt angesehen. Eine hohe Inflation würde eine restriktive Geldmengenpolitik der Zentralbank, die Wachstumsschwäche aber eine expansive Geld- und Fiskalpolitik des Staates, benötigen. Die staatliche Wirtschaftspolitik kann jedoch nicht zur selben Zeit auf eine restriktive und expansive Wirkung abzielen, folglich können keynesianische Ansätze als unbrauchbar angesehen werden, so die Meinung der Kritiker (vgl. ebd.: 32f). Als Folge dessen erfolgte ein Paradigmenwechsel in der Wirtschaftspolitik, welcher 1973 in Chile seinen Anfang nahm und in Großbritannien unter Thatcher (ab 1979) und den USA unter Reagan (ab 1980) seine Vollendung fand.

Verweise auf weitere Lektüre

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